Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Für mehr Radverkehr und gegen die Vormachtstellung des Autos wurde auch am Freitag bei der Jubiläumsaktion der  Critical Mass  geradelt.
+
Für mehr Radverkehr und gegen die Vormachtstellung des Autos wurde auch am Freitag bei der Jubiläumsaktion der Critical Mass geradelt.

Offenbach

Ein unaufgeregter zweiter Geburtstag

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
    schließen

Es hätten ein paar mehr sein können: 77 Radfahrer sind bei der Jubiläumstour der „Critical Mass“ am Start.

Eigentlich sieht es aus wie jeden letzten Freitag im Monat: Eine große Schar von Radfahrern macht sich gemeinsam auf den Weg durch die Offenbacher Straßen. Die „Critical Mass“ ist wieder unterwegs, um darauf aufmerksam zu machen, dass Radfahrer im Straßenverkehr gleichberechtigt sein sollten. Und doch ist der vergangene Freitag ein besonderer Tag: Die weltweit existierende Fahrrad-Aktion feiert im 200. Jahr der Erfindung des Fahrrads in Offenbach ihren zweiten Geburtstag.

Das sollte doch ein Grund zum Feiern sein. Aber keiner der Teilnehmer hat sein Rad geschmückt oder ein Hinweisschild auf das Jubiläum gefertigt. Und „Happy birthday“ will auch keiner singen. Schade. Denn die Idee der Critical Mass hätte durchaus noch mehr Aufsehen und Unterstützer verdient – zumal es „darum geht, dass wir gesehen werden“ sagt der Frankfurter Werner Buthe, der zusammen mit der Offenbacherin Janina Albrecht einer der engagierten Mitfahrer ist. 

Immerhin tönen die Fahrradklingeln weithin hörbar, als sich der Pulk vom Isenburger Schloss aus durch die Schloßstraße in Richtung Marktplatz bewegt. Einer der Teilnehmer tritt mächtig in die Pedale und fährt von hinten an die Spitze des Zuges. „77“ ruft er dabei laut. Das ist die Teilnehmerzahl der freitäglichen Geburtstags-Aktion. Enttäuschend? „Nein“, meint Buthe – auch wenn es bei der Premiere vor zwei Jahren knapp 200 Teilnehmer waren. „Unser Zug hat heute 150 Meter. Das ist schon ordentlich.“ Laut Albrecht sind es sonst „zwischen 16 und 70.“

Trotzdem hätten es ein paar mehr sein können. Schließlich hat man zum Jubiläum extra 200 Flyer drucken lassen, die beim Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz verteilt wurden.  „Wir haben sie den Passanten nicht ans Rad geklemmt, sondern in persönlicher Ansprache überreicht“, sagt Albrecht. Es gebe schließlich keinen Chef. „Wir sind kein Verein und auch nicht fest organisiert.“

Die meisten Teilnehmer sind schon „critical-mass-erfahren“. Wie etwa Thomas Wahler, der mit einem himmelblauen Lastenfahrrad auffällt. Er hat nach der Arbeit in Hanau auf seinem Heimweg nach Mainz hier in Offenbach Station gemacht, weil er „die Idee unterstützen will“, wie er sagt. Oder wie Lukas Harich aus Frankfurt, für den die Fahrt Spaß und Protest zugleich ist. Es gehe ihm darum, auch in Offenbach Aufmerksamkeit zu erregen und ein Bewusstsein zu schaffen, dass es „noch anderes gibt als den Autoverkehr“.

Walter aus Rodgau, der nur seinen Vornamen nennen will, ist zum ersten Mal dabei. Er hat von dem geplanten Event aus der Zeitung erfahren. „Ich wollte schon immer mal mitfahren“, sagt er. Er fahre gerne Rad, auch wenn er auch ein Auto habe. „Es gab aber Zeiten, in denen ich aufs Fahrrad angewiesen war.“ Mit seinem kleinen Faltrad Birdy – das gleiche Modell wie es Oberbürgermeister Horst Schneider fuhr – hat er im Vergleich zu den Mountainbikes, Tourenrädern und Rennrädern im Pulk mächtig zu strampeln.

Eineinhalb Stunden lang sind die Teilnehmer ohne Pause zu dritt, viert oder sogar zu fünft nebeneinander in der Stadt unterwegs, fahren laut bimmelnd fünfmal um den kleinen Kreisel am Schillerplatz, stoßen am Wilhelmsplatz auf winkende Gäste, bringen den Verkehr am Kaiserlei-Kreisel zum Erliegen, werden am Bahnhof von lachenden Autofahrern angehupt. 14 Kilometer später landen sie dort, wo sie goldrichtig sind und mit großem Beifall empfangen werden: Bei der Veranstaltung „Rad, Wein und Gesang“ am Hessenring. „Das war für uns ein Pflichttermin“, sagt Buthe. Und was war bei der Jubiläumstour besonders? „Heute haben viele Fußgänger gewunken und Autofahrer gehupt, um uns zu grüßen“, so Albrecht. Und sonst? „Schon mal aggressives Hupen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare