+
Marina Caktas ist Gründerin des Start-up-Unternehmens Genusswolke.

Offenbach

Weil der Apfelwein nicht schmeckte

  • schließen

Marina Caktas zog von New York nach Offenbach, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Ihre Geschäftsidee: selbst gekochte Gelees, Chutneys und Soßen.

In New York trank Marina Caktas ihren ersten Apfelwein. Freunde hatten der gebürtigen Würzburgerin eine Flasche des hessischen Nationalgetränks geschenkt, nachdem sie erfahren hatten, dass ihre Kollegin nach Frankfurt ziehen wollte. Caktas schmeckte der Apfelwein überhaupt nicht. Weil sie ihn nicht wegschütten wollte, kochte sie in ihrer winzigen Küche in Manhattan aus dem Rest Gelee. Der schmeckte nicht nur ihr, sondern auch den Kollegen. Eine Geschäftsidee war geboren.

Verwirklicht hat die Hauswirtschafterin und Hotelfachfrau, die bis 2002 in großen Hotels wie „Peninsula“ und „New York Palace“ gearbeitet und dort Stars wie Michael Jackson oder die Rolling Stones mit betreut hatte, ihren Lebenstraum in Offenbach. 2011 gründete sie mit der „Genusswolke“ ihr eigenes Unternehmen. Seitdem hat Caktas etwa 20 000 Gläser Marmeladen, Gelees, Soßen, Chutneys und Aufstriche in der Profiküche ihrer Altbauwohnung am Starkenburgring nach eigenen Rezepten gekocht. Einen Aufzug gibt es nicht, Kisten mussten in den vierten Stock geschleppt werden. Das hielt fit.

Seit Jahresanfang lässt Caktas ihre Köstlichkeiten in der Küche der Schlocker-Stiftung in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) herstellen, die Menschen mit geistiger Beeinträchtigung beschäftigt. Das bietet ihr die Chance, die Produktion auszuweiten. Bekannt ist die Marke vor allem in Rhein-Main. Das soll sich ändern. „In Deutschland leben 80 Millionen Menschen. Da ist doch Luft nach oben“, meint die 51-Jährige, die hart für den Erfolg arbeitet. Um 6 Uhr steht sie auf, abends wird es spät. „Ein Zwölf-Stunden-Tag wäre schön“, sagt sie.

Erhältlich sind die Genusswolke-Produkte bei Kaufhof und Manufaktum sowie in Feinkostläden und Edeka-Märkten. Und es gibt sie im Online-Shop. Die Gläser mit 120 Gramm Marmelade kosten 4,90 Euro, Soßen sind einen Euro teurer.

Bestseller ist der „Dip für alles“, der ebenso auf Nudeln passt wie auch als Aufstrich aufs Brot. Für ihre Gelees hat sie eine Stadtserie kreiert. In „Frankfurt aufs Brot“ ist Apfelwein enthalten, in „München aufs Brot“ darf der Senf nicht fehlen. Der „Schwarze Hesse“ ist ein würziges Chutney aus dunklen Zwiebeln, Knoblauch und einer Gewürzmischung aus Bockshornklee.

Caktas sagt, sie wolle mit ihren Produkten die Menschen berühren, einen Gegenpol zur digitalen Welt schaffen. Mit Marmeladen und Dips? Richtig, sagt sie. Es gehe um ein Stück Heimeligkeit, das sie mit ihren handgemachten Produkten bieten könne. Sie verarbeitet Obst und Gemüse aus der Region, verwendet Bio-Rohrzucker, Pektin oder Agar-Agar und experimentiert mit Süßungsmitteln wie Agavendicksaft.

Caktas lebte acht Jahre lang in New York. Am 10. September 2001 traf sie sich wie häufig mit Freunden in der Bar des World Trade Centers. Wolkenschwaden versperrten die Sicht auf die Stadt. Als sie gegen 21.15 Uhr aufbricht, reißt plötzlich der Himmel auf. „Manhattan lag mir zu Füßen.“ Es ist ein traumhafter Blick. Zwölf Stunden später brannten die Twin Towers, in die Terroristen zwei Flugzeuge gesteuert hatten. Mehr als 3000 Menschen kamen ums Leben.

2002 verlässt Caktas New York. „Ein solches Erlebnis verändert einen“, sagt sie. Nine-Eleven ist ein Grund für sie, sich neu zu orientieren. Mit der Abfindung aus ihrem letzten Job bei einer Firma für Fahrzeugleasing wagt sie zehn Jahre nach dem Fall der Twin-Towers den Schritt in die Selbstständigkeit. Im selben Jahr gewinnt sie mit ihrer Geschäftsidee den Wettbewerb einer Frauenzeitschrift und einer Sektkellerei. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis war mit der Eröffnung eines Pop-up-Stores in der Frankfurter Zeilgalerie verbunden. „Wir sind überrannt worden“, erzählt sie.

Caktas holt sich Verstärkung und stellt Mitarbeiter ein, um sich verstärkt um Kunden, Lieferanten und den Vertrieb kümmern zu können. Zahlen zu Umsatz oder Gewinn verrät sie nicht. Nur so viel: Sie sei guten Mutes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare