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Farbenfroh präsentiert sich das neue Obdachlosenheim, das derzeit an der Schlagfeldstraße in Dreieich entsteht.

Unterkunft in Dreieich

Teures Obdachlosenheim

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Die stadteigene Tochtergesellschaft DreieichBau errichtet eine neue, schmucke Obdachlosenunterkunft. Das Stadtparlament vervierfacht dafür die Nutzungsgebühren.

Schmuck sieht es aus, das neue Obdachlosenheim, das derzeit für 1,88 Millionen Euro an der Schlagfeldstraße in Dreieich-Sprendlingen entsteht. Aber es ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch teuer. Die Nutzungsgebühr, die Wohnsitzlose respektive der Kreis Offenbach als Sozialhilfeträger in Dreieich zu zahlen haben, wird sich im Mai, wenn das Haus bezogen werden kann, mehr als vervierfachen. Statt bisher 90 Euro monatlich sind künftig 375 Euro zu berappen. Die gravierende Gebührenänderung wurde politisch nicht diskutiert; die Stadtverordneten haben die neue Satzung für die Benutzung der Obdachlosenunterkünfte in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig verabschiedet.

Die bisherigen fünf Obdachlosenunterkünfte an der Hainer Chaussee 49 werden für dringend notwendigen sozialen Wohnungsbau gebraucht. Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft DreieichBau errichtet deshalb an der Schlagfeldstraße einen zweigeschossigen Ersatzbau mit 18 Zimmern und zwei Appartements, sechs Gemeinschaftsküchen und einem Sozialarbeiterbüro. Die stadteigene Tochtergesellschaft, die das Heim im Laufe des April fertigstellt und dann möbliert, verantwortet auch den Betrieb. „Es ist das erste Objekt der DreieichBau, das bezugsfertig wird“, sagt Bürgermeister Martin Burlon (parteilos).

Die neue Satzung regelt auch, dass die bisherige Flüchtlingsunterkunft an der Gleisstraße 6 zur Obdachlosenunterkunft wird. Drei anerkannte Flüchtlinge leben aktuell in der Gemeinschaftsunterkunft; für sie ändert sich durch den Beschluss des Stadtparlaments aber nichts. Der Kreis zahlt für sie derzeit schon eine Nutzungsgebühr von 12,50 Euro pro Person und Tag – also monatlich genau die 375 Euro, die nun auch in der neuen Obdachlosenunterkunft an der Schlagfeldstraße verlangt werden. In den kommenden Tagen werden an der Gleisstraße vier weitere „Personen mit Fluchterfahrung“ – so der offizielle Wortlaut – eingewiesen, denen zum 31. März die Wohnung gekündigt wurde.

Der Bürgermeister verteidigt die drastische Gebührenerhöhung für die Obdachlosenunterbringung in seiner Stadt. „Wir nehmen jetzt die Gebührensätze, die im Rahmen der Flüchtlingsunterbringung abgerechnet werden“, sagt er. Wenn die DreieichBau alle Kosten umlegen würde, müsste sie für das Objekt an der Schlagfeldstraße 590 Euro und an der Gleisstraße 400 Euro pro Person und Monat verlangen. „Unter dem Strich zahlen wir drauf“, sagt Burlon, aber das sei eben der Anteil, den die Stadt „zur Vermeidung von Gefahr für Leib und Leben“ beitrage.

„Obdachlose zahlen die Gebühr in den allerwenigsten Fällen selbst“, sagt Burlon. Die meisten seien im Sozialhilfe- oder Hartz-IV-Bezug, so dass der Kreis Offenbach die Gebühr übernehme.

Die neue Unterkunft an der Schlagfeldstraße, in der laut Burlon bis zu 40 Menschen unterkommen können, sei mit den Unterkünften an der Hainer Chaussee nicht zu vergleichen. „Dort gab es beispielsweise Gemeinschaftssanitärbereiche“, so Burlon. Mit dem Umzug solle auch die sozialpädagogische Betreuung der Obdachlosen engmaschiger und intensiver werden.

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