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Bis Ende kommender Woche dient der Mariensaal als provisorisches Lager.

Tafel

Die Tafel gibt nicht auf

Viel Unterstützung bekommt die Offenbacher Einrichtung nach dem Wasserschaden im Lebensmittellager.

Radieschen, Blumenkohl, Spargel – mit geübten Handgriffen stecken die Helferinnen das Gemüse in die Einkaufstaschen ihrer Kunden. Im Foyer des Gemeindetreffs von Sankt Marien herrscht Trubel: Kisten voller Obst und Gemüse werden gestapelt, Helferinnen wie Veronika Krause sortieren Backwaren. Und vor der Tür der Lebensmittelausgabe in der Krafftstraße wird die Schlange der Kunden immer länger.

„Wir verteilen ganz normal Lebensmittel. Obwohl seit gestern eigentlich nichts normal ist“, sagt Christine Sparr, die Leiterin der Offenbacher Tafel. Denn ein Wasserrohrbruch am Mittwoch im Hochhaus in der Neusalzer Straße, in dem die Tafel nicht nur eine Ausgabestelle, sondern auch ihr Hauptlager unterhält, hat den Verein schwer getroffen. Ein Großteil der Lebensmittel wurde dabei vernichtet, und das Lager ist für mehrere Wochen nicht nutzbar.

„Die Hilfsbereitschaft aber ist unglaublich“, sagt Sparr und muss sich die Tränen aus den Augen wischen. „Leute, die selbst kaum etwas haben, melden sich und wollen uns etwas spenden, Firmen rufen an und fragen, was sie tun können.“ Der Pfarrer von Sankt Marien hat der Tafel bis Freitag kommender Woche den großen Saal als provisorisches Lager überlassen, ein Unternehmen bot schon an, Mitarbeiter zum Warentransport zu schicken.

Die Offenbacher Tafel wurde am 31. Januar 2006 als Sektion der Frankfurter Tafel gegründet. Seit April 2018 ist sie eigenständig.

Dienstags und mittwochs verteilt die Tafel Lebensmittel, an drei Tagen beliefert sie die Ausgabe von St. Marien.

Spenden werden bei der Frankfurter Volksbank unter IBAN DE 24 5019 0000 0006 4067 42 entgegengenommen. som

www.tafel-offenbach.de

Sparr weist auf stapelweise Kisten mit Salat. „Ein Kelsterbacher Unternehmen hat uns die heute gespendet.“ Da alle Kühlschränke des Vereins bei dem Wasserrohrbruch beschädigt wurden, müssen sämtliche gekühlten Waren noch verteilt werden. Gelagert werden könne nur ein kleiner Teil in den drei Kühlautos, mit denen die Lebensmittel von Supermärkten abgeholt werden. „Es gab zwar genug Leute, die uns Kühlschränke angeboten haben, aber das musste ich schweren Herzens ablehnen“, sagt Sparr. Denn die strengen Hygienevorschriften gestatten der Lebensmittelausgabe nur den Gebrauch von Industriekühlschränken.

In zwei Garagen wurden am Mittwoch die verwertbaren Lebensmittel untergebracht. Kiloweise Reis, Mehl, Zucker oder Nudeln mussten dagegen entsorgt werden. „Ich bin der ESO dankbar, dass sie uns dabei so geholfen hat“, sagt Sparr. Was nun an Spenden hereinkommt, wird bei Sankt Marien gelagert. „Die Woche drauf bekommen wir eine Garage als Lager, und in vier oder fünf Wochen können wir hoffentlich wieder in die Neusalzer Straße.“

Im Sanitärbereich der Tafel-Ausgabe im Erdgeschoss sei der Wasserrohrbruch entstanden, heißt es bei der GBO, die für die Hausverwaltung in der Neusalzer Straße zuständig ist. Der Schaden sei behoben, nun müssen die Räume noch trocknen. Die Bildungseinrichtung Starthaus ist Mieter der Räumlichkeiten, diese stellt der Tafel den Kiosk und das Lager kostenfrei zur Verfügung.

Zwar kommt die Versicherung für den Schaden an den Räumen auf, doch nicht für die Schäden bei der Tafel. Kühlschränke und Lebensmittelvorräte muss die Organisation aus eigener Tasche ersetzen. „Wir waren vorher schon eine der ärmsten Tafeln Deutschlands“, sagt Sparr, nun müsse man noch mehr aufs Geld schauen. Die Fahrten zu den Behelfslagern aber würden sich auf die Benzinkosten auswirken, weiß sie.

„Aufgeben ist aber keine Lösung“, sagt Rolf Widmann, einer der Helfer, während er kistenweise Lebensmittelspenden sortiert. „Die Leute, die zu uns kommen, haben nichts. Wir müssen einfach weitermachen.“

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