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Notarzt des ASB während eines Einsatzes (Symbolbild).

Offenbach

ASB sucht Betreiber für seine Sozialstation in Offenbach

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Offenbach: Der Regionalverband Mittelhessen des Arbeiter-Samariter-Bunds zieht angesichts anhaltender Defizite die Reißleine. Geschäftsführer hat den ASB verlassen.

Seit fünf Jahren schreibt die Sozialstation des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Offenbach rote Zahlen. Damit die Hilfsorganisation nicht erneut wie 2011 in eine finanzielle Schieflage gerät, hat der Regionalverband Mittelhessen jetzt die Reißleine gezogen. Er will sich von der Sozialstation trennen und sucht deshalb einen Betreiber. Es würden Gespräche mit drei privaten Anbietern und einem Verband geführt, sagte gestern der Vorsitzende im Vorstand des mittelhessischen ASB, Marcus Schönbach. Nach seinen Angaben lag das Minus der Sozialstation bei jährlich rund 100 000 Euro.

Eine Entscheidung über den neuen Träger werde in den nächsten zwei Wochen fallen, sagte Schönbach. Der Betreiberwechsel soll dann zum Jahresende erfolgen. Die 30 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien Mitte August über diesen Schritt informiert worden. Der bisherige Geschäftsführer Ulrich Müller hat den ASB-Regionalverband laut Schönbach in „beiderseitigem Einvernehmen“ Ende August verlassen. Kommissarische Geschäftsführerin ist seine bisherige Assistentin Sofia Samartzi.

Der ASB will Schönbach zufolge in den Verhandlungen erreichen, dass ein neuer Betreiber sowohl die Beschäftigten wie auch die etwa 500 Patienten übernimmt. Denn gerade in der Pflege sei es wichtig, dass die sozialen Bindungen erhalten blieben. Er betonte, dass von den Veränderungen nur die Sozialstation mit ambulanter Pflege und hauswirtschaftlicher Hilfe betroffen sei. Bei anderen ASB-Angeboten wie Rettungsdienst, Hausnotruf, Menü-Service oder der Schülerbetreuung bleibe alles beim Alten.

ASB
Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Mittelhessen hat rund 500 Beschäftigte. In der Stadt Offenbach sind es etwa 170 inklusive der 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation.

Trennen will sich der ASB nur vom ambulanten Pflegedienst und der Hauswirtschaftlichen Hilfe. Für alle übrigen Angebote wie den Rettungsdienst, den Menü- und Hausnotrufservice, die Dementenbetreuung, den Seniorentreff, die Schülerbetreuung und die Kitas bleibt der ASB zuständig. ags

Als der Regionalverband 2011 eine Million Euro Verlust gemacht hatte, übernahm der Landesverband das Defizit. Warum half er jetzt den Offenbachern nicht mit einer Finanzspritze aus der prekären Lage? Schönbach sagt, weil die Situation von damals und heute nicht vergleichbar sei. 2011 habe der Geschäftsführer den Baukostenzuschuss für eine Kita in Karben für andere Zwecke verwendet. Das Geld sei später zurückgezahlt worden. „Das war damals kein strukturelles Problem“, sagt er.

Nach dem Millionendefizit hat sich laut Schönbach gezeigt, dass eine Sanierung des Verbands nur gelingen könne, wenn die verschiedenen Geschäftsfelder (ohne die Kosten für Verwaltung und Mieten) eine schwarze Null erreichen. In Offenbach wird dieses Ziel seit fünf Jahren verfehlt. Auch deshalb, weil eine Quersubventionierung kaum noch möglich ist.

Früher hätte beispielsweise der Rettungsdienst dazu beigetragen, Verluste bei anderen ASB-Angeboten auszugleichen. Der Fachkräftemangel mache den Betrieb aber inzwischen „exorbitant teuer. Wir müssen Zeitarbeiter beschäftigen, und wir haben Überstunden ohne Ende. Das nimmt uns die Luft zum Atmen“, sagt Schönbach, der auch zweiter Vorsitzender im Landesverband des ASB ist.

Nach dem Millionendefizit 2011 war beim ASB ein Controlling installiert worden, das Hinweise auf finanzielle Probleme geben sollte. Hat also das Frühwarnsystem nicht funktioniert? Doch, sagt Schönbach. Man habe die Probleme früh erkannt und immer wieder darauf hingewiesen, dass die Sozialstation „auf der Kippe“ stehe. Die operative Leitung habe Verbesserungen versprochen, die seien aber nicht von Dauer gewesen.

Die finanzielle Schieflage sei in erster Linie dem Regionalverband geschuldet. „Unsere große Schwäche ist unsere Größe“, sagt Schönbach. Als Beispiel nennt er die Sozialstation mit Bereichs-, Pflegedienst- und stellvertretender Pflegedienstleitung. Mit nur einer Leitung ließe sich effizienter arbeiten, ist er überzeugt. In einem Punkt allerdings sei das Problem hausgemacht. Es habe in Offenbach viele Leitungswechsel gegeben. Das habe der Einrichtung geschadet.

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