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Auf der Suche nach Erklärungen

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Von: Madeleine Reckmann, Sigrid Aldehoff

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Da machte Mission Olympic noch Spaß: Schüler der Rudolf-Koch-Schule beim gemeinsamen Tanz.
Da machte Mission Olympic noch Spaß: Schüler der Rudolf-Koch-Schule beim gemeinsamen Tanz. © Rolf Oeser

Das Offenbacher Finanzdebakel von Mission Olympic ist beispiellos. Die Ratlosigkeit nach Bekanntwerden der hohen Kosten für das Sportereignis ist groß.

Das Offenbacher Finanzdebakel von Mission Olympic ist beispiellos. Die Ratlosigkeit nach Bekanntwerden der hohen Kosten für das Sportereignis ist groß.

Stuttgart hatte die Teilnahme am Finale von Mission Olympic 2009 bereits kurzfristig abgesagt, weil die Stadt plötzlich entdeckte, dass der Wettbewerb teurer als erwartet werden würde. Dann trieben die städtischen Verantwortlichen irgendwo Geld auf und stopften das Loch – von 50 000 Euro.

Dass in Offenbach Mission Olympic eine Finanzierungslücke von 280 000 Euro hinterlässt, ist beispiellos. Uwe Kleinert, Projektleiter von Mission Olympic, hat noch nie von einem so hohen Defizit im Zusammenhang mit dem Sportevent gehört. Ohne die Budgets der Städte zu kennen wisse er von Kommunen, die mit der Anschubfinanzierung von Coca-Cola und den Beiträgen lokaler Sponsoren die Ausgaben komplett deckten. Die Anschubfinanzierung für die Stadt Offenbach betrug 40 000 Euro. 15 000 Euro erhielt sie als Preisgeld für den zweiten Platz im Wettbewerb. Dem stehen Gesamtkosten von 336 000 Euro gegenüber.

Im September richtete das Sportamt das zweitägige Sportereignis aus, das von Coca-Cola und dem Deutschen Olympischen Sportbund gefördert wird. Ziel war, möglichst viele Bürger in Bewegung zu bringen. Offenbach trat gegen Bocholt an und verlor.

Ehrenamtliche empfohlen

Die Veranstalter von Mission Olympic empfehlen den teilnehmenden Kommunen, Sponsoren zu werben. Dafür gibt es Tipps und Musterbriefe. Empfohlen wird aber auch, die meisten Leistungen mit Ehrenamtlichen abzudecken, allein schon, weil das dem Sportgedanken am nächsten komme. Dass Offenbach eine Agentur mit dem Sponsoring beauftragte, ist laut Kleinert für Großstädte wie Stuttgart oder Freiburg nicht ungewöhnlich. Die kleineren schafften dies aber oft mit eigener Manpower.

Dass dies gelingen kann, zeigt ausgerechnet Offenbachs Finalgegnerstadt Bocholt. Dort haben je eine Person aus dem Stadtmarketing, dem Sportamt und dem Stadtsportbund um Spenden geworben und die gesamte Organisation gestemmt. Der Bocholter Pressesprecher Karsten Tersteegen teilt auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit, dass die drei gegenseitig ein effizientes Controlling betrieben; im Übrigen seien viele Ehrenamtliche im Einsatz gewesen.

80 000 Euro hat die Stadt im Münsterland für den Wettbewerb insgesamt gezahlt. Neben dem Startgeld von Coca-Cola von 40 000 Euro und Spendeneinnahmen von 28 000 Euro gingen nur 12 000 Euro auf Stadtrechnung – keine fünf Prozent der Offenbacher Kosten.

Offenbach wollte Spezialisten haben

Im Presseamt von Offenbach müht man sich derweil um Erklärungen, wie der Differenzbetrag in Offenbach zustande gekommen sein könnte. Die für rund 50 000 Euro beauftragte Eventagentur sei ins Boot geholt worden, weil man Spezialisten für das Thema Sport haben wollte, sagt Matthias Müller, Pressesprecher der Stadt Offenbach. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung sei zudem ein eigenes Sicherheitskonzept notwendig.

Generell seien für alle öffentlichen Events nach der Katastrophe bei der Duisburger Love Parade die Anforderungen an die Zahl der Sicherheitsleute und der Sanitäter gestiegen. Für diese sei eine eigene Sanitätsstadt aufgebaut worden, alle Aufbauten hätten nachts bewacht werden müssen.

Während Bocholt die Veranstaltung weitgehend auf einen Ort fokussiert habe, sei die Veranstaltung in Offenbach dezentral gelaufen. Die Leistungen der städtischen Gesellschaften seien aufgrund der Vorgaben des Doppik-Haushaltes alle präzise aufgelistet worden, in anderen Städten hätten Arbeiten vom Bauhof nebenbei erledigt werden können, ohne als Kosten ausgewiesen zu werden. Zu den Stromkosten zähle auch der Aufbau von zahlreichen Verteilerkästen, von denen jeder allein 1000 Euro koste.

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