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Helmut Keim und Wilhelm Ott am neu entdeckten Brunnen.

Ein Stück Heimat aus Sandstein

Dreieich Wilhelm Ott hat den „Grünen Born“ aufgespürt und freigelegt

Von Nina Lenhardt

Von einem „Grünen Born“ habe sie noch nichts gehört, sagt die Dame auf der Brücke über der Götzenhainer Umgehungsstraße. Dabei liegt dieser nur knapp hundert Meter in Richtung der Aussiedlerhöfe Am Kirchborn entfernt. Allerdings galt der „grüne Brunnen“ auch seit über 50 Jahren als verschollen.

Am Samstag präsentierte Wilhelm Ott die „wiedergefundene“ Quellfassung des Bieberbachs aus vier roten Sandsteinplatten, den sogenannten Grünen Born. Noch ist die Mulde trocken, im Herbst aber, so hofft Ott, würde sie sich wieder mit Wasser füllen. Der Bach, der hier seinen Ursprung findet, fließt über Dietzenbach, Heusenstamm und Offenbach-Bieber nach Mühlheim, wo er schließlich in den Main mündet.

Der pensionierte Chemiker Ott ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Hessischen Landesamtes für die Erfassung von Grenzsteinen und hat eine besondere Passion für Steine, die ihn seit der Kindheit faszinieren. „Das ist schon mehr als ein Hobby“, sagt er.

Schon im Jahr 1270 erwähnt

Vor etwa einem halben Jahr habe der 64-Jährige in einem Buch von Heimatautor Helmut Keim gelesen, dass niemand den Brunnen gesehen hätte. „Das hat mein Interesse geweckt“, sagt Ott. Bei seinen Recherchen entdeckte er, dass schon im Jahr 1270 in einer Schenkungsurkunde die Rede von einem „Grunenbrunnen“ war. Nach Gesprächen mit Götzenhainer Einheimischen schätzt Ott, dass der Brunnen bis in die 50er Jahre frei gelegen haben muss.

Außerdem stieß er auf eine Sagengeschichte, laut der vor langer Zeit Dietzenbacher Burschen am Quellort den Teufel herauf beschworen hätten. „Seitdem wohnt er wahrscheinlich bei den Dietzenbachern unter dem Dach“, so steht es heute auf der neuen Infotafel am Grünen Born.

Auch in einer topografischen Karte, dem Messtischblatt, ist die Quelle eingezeichnet. Wilhelm Ott untersuchte diesen Ort, doch dort habe er vorerst nichts finden können. In Absprache mit verschiedenen Behörden habe er mit einer privat finanzierten Grabung begonnen. Zutage kamen dabei ein Hufeisen, historische Glasflaschen und Scherben von Urberacher Tonwaren. Schließlich entdeckte Ott auch die Steinfassung des „Born an einem grün bewachsenen Platz“, die er dann wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt hat.

Es habe Spaß gemacht, das Projekt durchzuführen, sagt der Ehrenamtler rückblickend. Die Stadt fände es gut, aber würde eben kein Geld zur Verfügung stellen, das habe er vorher gewusst und daher die Grabung aus eigener Tasche bezahlt. Die Zahl der „kulturhistorisch interessanten Landschaftselemente“ hat sich laut Ott in den letzten Jahren stark reduziert. „Mit einem verschwundenen Grenzstein geht auch ein Stückchen Heimat verloren, und mit dem Grünen Born gibt es jetzt also ein Stückchen Heimat mehr“, sagt Ott.

Es wird weiter geforscht

Auf jeden Fall will Wilhelm Ott weiter forschen nach verschiedenen Steinen, dazu hat er bereits eine umfangreiche Webseite eingerichtet, auf der er verschwundene Objekte auflistet und beschreibt. Er würde sich wünschen, dass noch mehr Steine auftauchen, die wieder an ihren Standort zurückgebracht werden können. „Ein Grenzstein hat nur dann seinen ideellen Wert, wenn er an seinem ursprünglichen Platz steht“ und nicht etwa im Museum.

Fragt man den Brunnenentdecker nach seiner Motivation zur Erforschung historischer Steindenkmäler, antwortet er schmunzelnd: „Es ist schon interessant, wenn man durch die Brombeerhecken robbt, um einen Grenzstein zu finden.“ Das sei wegen dem historischen Hintergrund viel besser als Geocaching: „Wenn ich Glück habe, lesen die Leute das auch in 200 Jahren noch, das ist was Besonderes.“

Eine Liste der verlorenen Steine unter www.steine-in-der-dreieich.de.

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