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Verführerische Kombination: Stiefeletten aus dem 18. und 21. Jahrhundert.

Offenbach

Von der Stiefelette zu den High Heels

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Schuhdesign im Wandel: Ausstellung im Ledermuseum kombiniert historische und moderne Exponate.

Mit der Wahl seiner Schuhe konnte man sich schon immer aus der Masse herausheben. Man denke nur an Joschka Fischer, der bei seiner Vereidigung zum ersten grünen Minister in Hessen 1985 weiße Turnschuhe trug. Was heute kaum noch registriert würde, war damals eine Provokation. In der Fernsehserie „Sex and the City“ stöckelten die Protagonistinnen auf High Heels durch New York und lösten einen Boom auf die hochhackigen Schuhe aus.

Die Beispiele zeigen, dass der Schuh längst nicht nur Schutz der nackten Füße, sondern auch Ausdruck einer politischen Haltung, der Persönlichkeit, des Stils oder ein Statussymbol ist. Das Deutsche Ledermuseum (DLM) präsentiert in seiner neuen Sonderausstellung „Step by Step: Schuhdesign im Wandel“ eindrucksvoll, wie sich Aussehen und Funktion veränderten, aber es macht auch Kontinuitäten sichtbar. Für die Schau konnte das DLM aus seiner weltweit einzigartigen, über 10 000 Objekte umfassenden Schuhsammlung schöpfen.

Herausgekommen ist eine Überblicksausstellung zu Schuhen aus aller Welt und allen Epochen – vom Mokassin aus Maisstroh bis zu fragilen High Heels. Mehr als die Hälfte der 150 ausgestellten Exponate ist zum ersten Mal zu sehen. Dazu gehören ein aufwendig gestaltetes Sandalenpaar aus Peru aus der Zeit von 300 bis 200 v. Chr. und 14 Zentimeter hohe historische Badeschuhe aus Syrien genauso wie Edel-Pumps internationaler Designer und futuristische Sneaker aus dem 3D-Drucker.

Spannung bezieht die Ausstellung aus der Konfrontation historischer Schuhe mit Exemplaren der Jetztzeit. So finden eine Stelzsandale aus Damaskus und eine Adilette von Adidas zusammen. Beide Sandalen waren für das Tragen in Badeanstalten gedacht. Mittlerweile besitzt die Adilette, einst als Schuhwerk der Stillosen verschrien, Kultstatus.

Beim Thema Stiefel vereint die Ausstellung ein Objekt aus der Römerzeit mit einem Schnürstiefel der Marke Timberland. Trotz der zeitlich großen Distanz von mehr als 2000 Jahren werden Gemeinsamkeiten wie etwa die Schnürung augenfällig.

Ein extravagantes Paar bilden eine Schnürstiefelette, entworfen um 1870/75 von François Pinet, und eine Stiletto-Stiefelette des Designlabels Alexander McQueen aus dem Jahr 2019. Dieses Paar lieferte auch das Covermotiv für den Katalog. Auch an diesem Beispiel werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut sichtbar. Der Stiletto-Absatz, ein das Gewicht tragender Stahlstift, wird bei McQueen zum ästhetischen Detail des Schuhs, während bei Pinet der Absatz wie auch der Schaft mit Seide verkleidet sind. Gemeinsam ist beiden die Verzierung mit Blütenmotiven.

Mit der Ausstellung „Step by Step“ setzt Direktorin Inez Florschütz die 2016 begonnene Neukonzeption des Ledermuseums fort, indem sie Schuhe aus allen Kulturen, also den europäischen wie den außereuropäischen, unter thematischen Gesichtspunkten zusammenbringt. „Wir wollen das nicht mehr trennen“, sagt sie. Die alten Abteilungen „Schuhe Europas“ und „Schuhe der Welt“ wurden Anfang 2019 geschlossen.

Dieser Ansatz, der einen Bogen über alle Ethnien und Zeiten schlägt und auf eine strikte Chronologie verzichtet, trägt zur Attraktivität der Ausstellung bei. Der Besucher unternimmt nicht nur einen Streifzug durch die Geschichte des Schuhdesigns, sondern er erfährt unter anderem auch, woher der Flip-Flop kommt, seit wann zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden wird und worin der erotische Reiz von bestimmten Schuhen besteht.

Die Ausstellung

„Step by Step: Schuhdesign im Wandel“ lautet der Titel der Sonderausstellung im Deutschen Ledermuseum Offenbach, Frankfurter Straße 86, die Hessens Kunstministerin Angela Dorn am Freitag, 25. Oktober, um 19 Uhr eröffnet. Sie dauert bis 31. Mai 2020.

Museumsdirektorin Inez Florschütz führt am 27. Oktober durch die Ausstellung. Weitere Führungen finden in diesem Jahr am 14. und 24. November sowie am 12. Dezember statt. Nähere Infos unter www.ledermuseum.de.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Verlag „Arnoldsche Art Publishers“ mit 288 Seiten und 330 Abbildungen. Er kostet 34 Euro. 

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