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Dem privatisierten Klinikum in Offenbach droht der Betreiber Sana mit Stellenabbau.
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Dem privatisierten Klinikum in Offenbach droht der Betreiber Sana mit Stellenabbau.

Offenbach Klinikum Sana

Stellenabbau im Klinikum

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Der private Klinikbetreiber Sana will im Offenbacher Klinikum 350 Mitarbeiter entlassen. Der Betriebsrat fordert von den Verantwortlichen in Offenbach, "politische Verantwortung" zu übernehmen. Von den Kürzungen sei auch die Patientenversorgung betroffen.

Die Schamfrist war kurz: Keine drei Monate nach der Übernahme des städtischen Klinikums Offenbach hat der Sana-Konzern angekündigt, 350 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Verdi geht davon aus, dass einige von ihnen weiterbeschäftigt werden – in einer neu gegründeten Servicegesellschaft und für weniger Geld. „Das ist Lohndumping“, sagt Gewerkschaftssekretärin Hilke Sauthof-Schäfer.

Sana ist nicht die einzige private Klinikkette, die versucht, auf diesem Weg Personalkosten zu sparen. Der Rhön-Konzern, der 49 Prozent an den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) hält, streitet sich derzeit mit dem Betriebsrat der HSK-Tochter HSK Service vor dem Arbeitsgericht. Der Vorwurf: Mitarbeitern wurden Verträge gekündigt oder Fristverträge nicht verlängert. Viele von ihnen sollen ihre bisherigen Tätigkeiten nun als billige Leiharbeiter ausüben.

Politische Verantwortung gefordert

Noch haben in Offenbach die Verhandlungen zwischen Arbeitgebervertretung und Gewerkschaft nicht begonnen. „Aber wir werden gewiss ein unmoralisches Angebot bekommen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Holger Renke der FR. Die Belegschaft habe mit Personalabbau gerechnet. „Aber nicht mit dem Tempo und dass es so weit reicht.“ Schlecht zu sprechen ist er auf die Verantwortlichen bei der Stadt: Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) müsse „politische Verantwortung für das Desaster übernehmen“. Dessen Namensvetter und Bürgermeister, Peter Schneider (Grüne), versteht die Aufregung nicht: „Spätestens seit dem Verkauf an Sana war klar, dass es in diese Richtung geht.“ Der Sozialfonds werde die Härten abfedern und nicht allen 350 Betroffenen drohe die Arbeitslosigkeit. Die Stadt hält zehn Prozent der Klinikanteile, hat aber kein Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen.

Am Montag hatte die Geschäftsführung eine „Teilbetriebsstilllegung“ angekündigt. Betroffen seien 350 Mitarbeiter, sowohl direkt am Klinikum angestellte als auch aus der vor Jahren ausgelagerten Servicegesellschaft OKM. Als konkrete Abteilungen nannte sie den zentralen Reinigungsdienst, Technik, Archiv und Poststelle. Dem Betriebratsvorsitzenden zufolge sind Bettenaufbereitung, Logistik und Cafeteria ebenfalls betroffen. Außerdem Verpflegungsassistenten, die bei der Essensausgabe helfen, den Pflegedienst unterstützende Kräfte oder die Zentralsterilisation. „Das geht schon an die Patientenversorgung.“

Keine schwarzen Zahlen

Geschäftsführer Jens Schick hat in seiner Ankündigung unmissverständlich klargestellt, die Kosten für Service und Betrieb seien „viel zu hoch“. Ohne Personalabbau rückten die schwarzen Zahlen in weite Ferne – was sich negativ auf alle Mitarbeiter auswirke. Medizin und Pflege, betonte er, seien von den Kürzungsplänen nicht betroffen, die spätestens Mitte nächsten Jahres greifen sollen. Auf solche Aussagen gibt Renk wenig. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des 900-Betten-Hauses mit 2200 Beschäftigten. Auch Gewerkschaftssekretärin Hilke Sauthof-Schäfer fragt sich, welche Bereiche im nächsten Jahr folgen werden.

Für die hessische Linke zeigt sich, dass Privatisierung der falsche Weg ist. Die öffentliche Hand müsse Kliniken angemessen finanzieren. Private Betreiber würden stärker die Löhne kürzen und schneller wirtschaftlich unrentable Abteilungen schließen als öffentliche Häuser.

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