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Pro Jahr werden rund 80 Kinder mit schweren Brandverletzungen im Sana-Klinikum behandelt.
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Pro Jahr werden rund 80 Kinder mit schweren Brandverletzungen im Sana-Klinikum behandelt.

Sana-Klinikum

Die Station ohne Spiegel

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Das Zentrum für Schwerbrandverletzte lindert Leiden von mehr als 200 Patienten jährlich. Davon sind 30 Prozent Kleinkinder.

Das Zentrum für Schwerbrandverletzte lindert Leiden von mehr als 200 Patienten jährlich. Davon sind 30 Prozent Kleinkinder.

Bei Ärzten genießt die Spezialeinrichtung einen exzellenten Ruf, aber vielen Einheimischen ist sie nicht bekannt: Das zweitgrößte Zentrum für Schwerbrandverletzte in ganz Deutschland steht in Offenbach. Das behauptet zumindest der Chefarzt des Zentrums, Professor Henrik Menke, und bezieht sich auf die Zahl der behandelten Brandverletzungen. Sicher ist jedenfalls: Hinter den Mauern des Sana-Klinikums befindet sich das einzige Verbrennungszentrum in Hessen. Pro Jahr behandeln die Ärzte dort weit mehr als 200 schwere Verbrennungen und Verbrühungen.

In einem großen Aktionstag hat das Sana-Klinikum gestern Nachmittag das Thema „Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern“ in den Mittelpunkt gestellt. Und hat so auf das Gefahrenpotenzial hingewiesen. „Die meisten Unfälle passieren aus Unachtsamkeit“, sagt der Chefarzt des Zentrums für Schwerbrandverletzte der Klinik für plastische Chirurgie.

Geschlossene OP mit eigenem OP

Der überwiegende Teil der Betroffenen – Menke spricht von rund 30 Prozent – seien Kleinkinder, deren Eltern nicht berücksichtigen, dass die Kinder einen anderen Aktionsradius haben. Am häufigsten sieht er sich bei seinen kleinen Patienten mit Verbrühungen konfrontiert, aber auch Kinder mit Kontaktverbrennungen oder Verbrennungsverletzungen durch Strom werden eingeliefert.

Das Zentrum für Schwerbrandverletzte ist eine geschlossene Abteilung mit eigenem OP, speziellem Schock- und Baderaum sowie klimatisierten Einzelzimmern. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Patienten in bis zu 30 Grad warmen Räumen liegen und nicht auskühlen. Die neun Betten sind zu 80 bis 100 Prozent belegt – und manchmal sogar darüber. „Die Durchschnittsbelegung liegt bei 85 Prozent“, sagt Menke. Das sei sehr viel; die meisten anderen deutschen Zentren lägen um die 60 Prozent.

Neun Ärzte arbeiten in der Klinik für plastische Chirurgie, die Hälfte davon behandeln Verbrennungen. 20 Pflegekräfte versorgen die Patienten und nehmen bis zu zweimal täglich die oft aufwendigen Verbandswechsel vor, um die Wunde keimfrei zu halten.

Auch Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen im Haus gehören zum sogenannten „Burnteam“. Der Professor spricht von einer hohen psychischen Belastung für die behandelnden Ärzte.

Teure Folgekosten

Im Verbrennungszentrum gibt es keine Spiegel. Aus gutem Grund: „Es ist ein großer Unterschied, was wir als Behandlungserfolg sehen und was der Patient sieht“, sagt Menke. Außerdem schwillt der ganze Körper in den ersten Tagen massiv an. Es kommt zur Einlagerung von Flüssigkeit; erst nach rund einer Woche ist der „Normalzustand“ wieder hergestellt. Verbrennungskrankheit nennen das die Ärzte.

„Es gibt Patienten, die sind zehn Tage da. Andere bleiben zehn Monate“, sagt der Chefarzt. Der Großteil der Behandlungskosten seien aber Folgekosten. Auch Jahre später können Operationen erforderlich sein, um funktionsbehindernde Narben zu beseitigen. „Ein Schwerbrandverletzter braucht zeitlebens einen plastischen Chirurgen an seiner Seite“, erklärt Menke.

Manche Patienten sind so schwer geschädigt, dass sie nicht mehr genügend Haut für eine Transplantation haben. Für sie wird dann körpereigene Haut in einer Petrischale gezüchtet. Da das bisher nur bedingt möglich ist, forscht das Offenbacher Zentrum hier gemeinsam mit der Universität Frankfurt.

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