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Die Mobilitätssparte bescherte den Stadtwerken Offenbach hohe Verluste. Das Foto zeigt einen Bus mit Elektroantrieb während einer Testfahrt.

Stadtwerke Offenbach

Zusätzliche Busfahrer und Streik verhageln die Bilanz

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Die Stadtwerke in Offenbach machen 2019 ein Plus von 2,8 Millionen Euro, liegen aber deutlich unter dem Plan. Corona birgt zahlreiche Risiken für die Zukunft.

Die Mehrkosten bei der Umsetzung des Nahverkehrsplans mit einer deutlichen Ausweitung des Busangebots haben den Stadtwerken Offenbach die Bilanz für 2019 verhagelt. Das Geschäftsjahr schließt zwar mit einem Konzernjahresüberschuss von 2,8 Millionen Euro ab. Das im Wirtschaftsplan prognostizierte Plus von 3,9 Millionen Euro wurde jedoch deutlich unterschritten. Verfehlt wurde das Ziel, weil unerwartet viele Busfahrer benötigt wurden und die Fahrgeldeinnahmen im Geschäftsfeld Mobilität im Vergleich zu 2018 unter anderem wegen eines längeren Streiks um 3,6 auf 14,9 Millionen Euro zurückgingen.

Stadtwerke-Chef Peter Walther sprach gestern trotz dieser Zahlen von einem „ganz normalen Jahr“. Vielleicht hatte er schon die Zukunft im Blick. Denn die geplante Erweiterung des Liniennetzes ab Dezember 2020, die mit einer Vergrößerung der Busflotte und der entsprechenden Einstellung weiteren Personals einhergeht, wird laut Bericht mittelfristig zu weiteren Mehrkosten führen. Dennoch hält Walther am Ziel fest, jedes Jahr ein positives Ergebnis vorlegen zu wollen.

Für die Unternehmensgruppe mit ihren vier Geschäftsfeldern Immobilien, Stadtservice, Mobilität und Veranstaltungen ist dies eine große Herausforderung. Zwar äußerte Walther Verständnis dafür, dass die Investitionen in öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge angesichts des rasanten Bevölkerungsanstiegs in Offenbach wachsen müssten.

Bilanz für 2019

Die Stadtwerke (SOH) Unternehmensgruppe hat das Geschäftsjahr 2019 zwar mit einem Überschuss von 2,8 Millionen Euro abgeschlossen, sie lag damit aber 1,1 Millionen unter dem Plan. Verursacht wurde die Abweichung im Wesentlichen durch Mehrkosten bei der Umsetzung des Nahverkehrsplans und geringeren Erlösen (minus 3,6 Millionen Euro) im Personennahverkehr. Die Umsatzerlöse betrugen 124 Millionen Euro, ein Rückgang um 10,3 Prozent gegenüber 2018. Die Bilanzsumme stieg leicht auf 370 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten nahm um 49 auf 993 zu. Die Personalkosten stiegen um 2,6 auf 46,2 Millionen Euro.

Dass dies aber keine leichte Aufgabe ist, wird im Geschäftsbericht deutlich. „Überdies sind die Stadtwerke gezwungen, Forderungen der Politik wie etwa die nach einer Mobilitätswende, zu realisieren“, heißt es dort. Kämmerer Peter Freier (CDU) betonte die ökonomische Relevanz der Stadtwerke für Offenbach und den städtischen Haushalt. Eine besondere Rolle kommt dem Energieversorger Evo zu, der 2019 mit 6,8 Millionen Euro den größten Beitrag erbrachte. Positive Ergebnisse lieferten auch der Stadtservice und die Immobiliengesellschaften, während die beiden anderen Bereiche Verluste machten.

Walther meinte zwar mit Blick auf die Folgen der Pandemie, die Unternehmensgruppe sei auch für die Zukunft gut aufgestellt und in der Lage, die aktuelle Krise zu meistern. Er benannte aber auch die Risiken durch das Coronavirus. Der Geschäftsführer rechnet für die Zukunft mit einem geänderten Kundenverhalten im öffentlichen Nahverkehr,und Kostensteigerungen beim Umbau des Betriebshofs und den bestellten Elektrobussen.

Weitere Risiken durch die Pandemie sieht er unter anderem durch steigende IT-Hard- und Softwarekosten sowie in eventuell erhöhten Krankenquoten. In diesem Jahr sei der Krankenstand sogar gesunken, sagte Walther. Bislang sei auch kein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert.

In der Sparte Immobilien könne es zu einem Leerstand von Wohnungen und dem Ausfall von Mieteinnahmen kommen. Als Beispiel nennt die Veröffentlichung die Offenbacher Kickers, die wie andere Klubs unter dem Abbruch der Fußballsaison litten. Wegen der Corona-Einschränkungen gebe es aber keine Alternative für die Stadiongesellschaft, das Ergebnis zu verbessern.

Walther betonte, niemand werde wegen Corona seine Wohnung verlieren, selbst wenn er die Miete mal nicht zahlen könne. Auch im Veranstaltungssektor erwartet er deutlich niedrigere Umsätze. Für 2020 rechnet er als Folge der Pandemie für die Stadtwerke mit einer Ergebnisbelastung von einer Million Euro.

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