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Spurensuche unter der Erde

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Von: Jörg Echtler

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Thomas Welker spürt mit der Magnetsonde mögliche Blindgänger auf.
Thomas Welker spürt mit der Magnetsonde mögliche Blindgänger auf. © Martin Weis

Experten untersuchen die Industriebrache der Schmirgelwarenfabrik am Odenwaldring auf Altlasten. Viele Firmen sind interessiert an einer Ansiedelung dort - doch dafür muss das Gelände bebaubar sein.

Langsam gräbt sich die Baggerschaufel in den Boden. Doch ist es nicht nur Erde, die zum Vorschein kommt. Rötliche Ziegelstücke mischen sich darunter, auch Kabel und alte Eisenrohre. In rund 80 Zentimeter Tiefe trifft die Maschine plötzlich auf Widerstand. Eine Eisenplatte versperrt den Weg. Möglicherweise ein vergrabener Öltank. Denn einen halben Meter weiter kommt noch ein runder Deckel zum Vorschein, ehe die Schaufel an eine Mauer stößt.

Katharina Kunz lässt den Bagger stoppen. Die Mitarbeiterin der Firma Sakosta steigt in die Grube und entnimmt Proben: eine schwarze Substanz, die an Kohle erinnert und ein weißes Granulat, vermutlich ein Bindemittel. Die Spezialisten suchen derzeit auf dem Grundstück der ehemaligen Schmirgelwarenfabrik MSO nach Altlasten. Das rund ein Hektar große Areal an der Kreuzung von Odenwaldring und Waldstraße ist in einer Toplage, die die Stadt gerne vermarkten möchte. Genaueres will Sprecher Matthias Müller nicht sagen, „aber wir haben sehr viele Anfragen“, bestätigt er, vor allem von Firmen aus dem Dienstleistungsbereich. Deshalb wolle man die Fläche so schnell wie möglich bebaubar machen.

Proben wandern ins Labor

Zu besten Zeiten arbeiteten 1500 Menschen in der Fabrik von Mayer & Schmidt. Das Gelände zwischen Senefelder- und Waldstraße war dicht bebaut, wie alte Ansichten zeigen. Ein Großteil der zwölf Hektar wurde nach Abriss der Werkshallen in den 80er Jahren neu besiedelt. Großflächige Handelsbetriebe wie Honda oder Dänisches Bettenlager ließen sich dort nieder. Das Restareal, um das es jetzt geht, blieb bis heute im Besitz der Stadt. Helmut Teichmann vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz zeigt auf einen Plan. Die dort verzeichneten Grundrisse wurden mit einer Linienmaschine, wie sie auch auf dem Sportplatz verwendet wird, auf den Boden übertragen und dienen als Orientierung.

Die Bodenproben, die die Sakosta-Mitarbeiter entnommen haben, werden im Labor auf chemische Rückstände untersucht. Eine Magnetsonde ist im Einsatz, ebenso ein Spezialist des Kampfmittelräumdienstes. Regierungspräsidium und Wasserschutzbehörde sind beteiligt. „Wir erwarten aber keine ernsthafte Kontaminierung“, beruhigt Teichmann. Vorhandene Keller wurden verfüllt – was das Sammelsurium erklärt, das beim Aushub zu Tage tritt. Es gehe darum, Planungssicherheit für mögliche Investoren zu schaffen, sagt Amtsleiterin Heike Hollerbach. Baurecht liegt für das Areal seit vielen Jahren vor. Läuft alles glatt, sollen die Untersuchungen heute Abend abgeschlossen sein. Die Kosten von rund 35000 Euro übernimmt das Land zu 90 Prozent.

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