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"Bisher mein bestes Atelier": Michelle Concepción arbeitet seit 2014 im ehemaligen Zollamt.

Kreative in Offenbach

Zentrum für Kreative bleibt vorerst

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Der Mietvertrag der Offenbacher Zollamt-Studios ist bis zum Jahr 2022 verlängert worden. Einige Ateliers sind derzeit noch zu haben - am Donnerstag, 22. November, gibt es deshalb einen Rundgang.

Fotografie, Musik, Tattoo-Kunst, Grafikdesign, Werbung – es sind alle möglichen kreativen Professionen, die sich in den 52 Ateliers und Büros in der Frankfurter Straße finden, die zusammen unter dem Namen „Zollamt-Studios“ bekannt sind. Mittendrin arbeitet seit vier Jahren die Künstlerin Michelle Concepción. Ihre oft großformatigen Gemälde wirken organisch, fotografisch oder sogar dreidimensional: „Es ist bis jetzt mein bestes Atelier, hier bin ich am glücklichsten“, erzählt die in Miami aufgewachsene Künstlerin, die nach ihrem Studium an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in den 90ern in Offenbach geblieben ist. 

„Ich hatte Glück“, stellt Concepción fest. Denn nach der von der Stadt beförderten Umwandlung des alten Zollamts in ein Zentrum für Kreative 2014 war dort schnell alles vermietet – auch an Leute, die zuvor in der Mato-Fabrik tätig waren, die Reihenhäusern weichen musste. Concepción hatte Glück: Sie zog damals in ihren Wunschraum, mit Blick auf das Ledermuseum und mit einer Kammer, wo sie Bilder verstauen kann, die noch nicht ins Lager sollen. Nun hat sie wieder Glück: Der Mietvertrag für die Zollamt-Studios, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) an die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) vermietet, wurde gerade bis ins Jahr 2022 verlängert. 

„Mit den Ateliers unterstützen wir die Kreativbranche, die in Offenbach zunehmend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist“, sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke (SPD). Von einem „Best-Practice-Beispiel“ spricht der Leiter der Wirtschaftsförderung, Jürgen Amberger. In der Tat scheint das Konzept aufzugehen, Kreativen ohne Kaution Ateliers und Büros zu vermieten, so dass diese in Offenbach ihre Ideen verfolgen können – und möglichst auch wirtschaftlichen Erfolg haben. 

So ist es bei der Agentur „Urban Media Project“ gelaufen, die nach vier Jahren an der Frankfurter Straße mit ihren acht Mitarbeitern jüngst in größere Büros an der Kaiserstraße gezogen ist. „Es war einfach zu eng“, erzählt Gründer Loimi Brautmann, der auch Mitglied des achtköpfigen Zollamtbeirats ist, der über die Vergabe der Ateliers entscheidet. Dem Beirat gehören unter anderem Mitglieder der Wirtschaftsförderung, der Kulturszene und der HfG an, die mit dem Institut für Klangforschung auch selbst Mieter in den Studios ist.

Brautmann begründet den Erfolg des Komplexes mit der zentralen Lage, der geringen Miete, mit den Austauschmöglichkeiten und den Raumgrößen, die bei zehn Quadratmetern beginnen: „So kleinteilig kriegst du in Innenstadtlage fast nichts“, sagt Brautmann. Die Miete wurde zwar gerade von 4,90 auf 5,81 Euro pro Quadratmeter erhöht – doch ist das immer noch vergleichsweise günstig. Auch ist das Gebäude schlecht isoliert. Doch die Mieterinnen und Mieter wissen: Zu vergleichbaren Konditionen finden sie in der Stadt wohl nichts Neues.

Die von Brautmann aufgezählte Mischung war auch der Grund, warum Alexandra Brückmann im vergangenen Jahr den Schritt von der Heimarbeit in die Zollamt-Studios gewagt hat, wo sie sich nun ein Atelier mit einer Illustratorin teilt. Brückmann vertreibt mit ihrem Label „Alma“ fair gehandelte Mode, die sie „veredelt“, also bedruckt. Brückmann kritisiert aber, dass sie nicht langfristig planen könne. „Ich bin unruhig mit diesen drei Jahren“, erzählt sie. Diese Unsicherheit war wohl auch der Grund, warum sich vor der Vertragsverlängerung Leerstände in den Studios aufgetan haben. Sie sollen nun schnell wieder gefüllt werden, ein Rundgang unter dem Titel „Reboot Zollamt“ dient diesem Ziel.

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