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In Frankfurt und Offenbach erreicht man die Behörden unter der Telefonnummer 115. Hier probiert das Bundesinnenminister Schäuble aus.

Service-Nummer 115

Mehr Zeit für die Beratung

Die neue zentrale Telefonnummer 115 für Frankfurter und Offenbacher Behörden entlastet Offenbachs Bürgerbüro - denn viele allgemeine Fragen beantwortet inzwischen ein zentrales Servicecenter. Jetzt wird die Testphase verlängert.

Von Jörg Muthorst

Am Montag wird es rund gehen im Bürgerbüro. Zumindest erwartet das Amtsleiterin Martina Fuchs. Denn am 1. November gibt es die neuen Ausweise. Vor allem bei jungen Leuten sei der „Perso“ im Scheckkartenformat gefragt. An den Service-Schaltern im Rathaus-Parterre könnte es dann schon mal länger dauern, denn das Ausstellen der neuen „Papiere“ erfordert mehr Aufwand.

Gut, wenn die Mitarbeiter dann nicht auch noch telefonische Routineanfragen beantworten müssen und mehr Zeit für die persönliche Beratung haben. Und das gilt besonders auch für Anliegen im Sozialbereich. Die Beantwortung von Standardfragen etwa zur Ummeldung von Wohnsitz oder Auto übernimmt seit Mitte September einer der 30 Mitarbeiter des Frankfurter Servicecenters. Denn dort laufen jetzt nicht nur die Anrufe von rund 800.000 Bürgern aus Frankfurt und Offenbach auf, die im Vorwahlbereich 069 die bundeseinheitliche Behörden-Rufnummer 115 gewählt haben.

Erst probeweise im Juli und nun zumindest bis Oktober nächsten Jahres ist die Bürgerbüro-Nummer 069/80654222 auf das Servicecenter umgeschaltet worden. Bis zum Ende des Pilotbetriebes. Im Einvernehmen mit dem Nachbarn Frankfurt hat der Offenbacher Magistrat soeben beschlossen, die Testphase des gemeinsamen Projektes bis Herbst 2011 zu verlängern.

Welcher Anrufer kommt aus Frankfurt - und welcher aus Offenbach?

Bis dahin sollen die Offenbacher Stadtverordneten mit Hilfe einer neuen Software „Basiszahlen“ mit einer genauen Differenzierung zwischen Frankfurter und Offenbacher 115-Anrufern an die Hand bekommen, um über eine dauerhafte Verlängerung der Dienstleistung zu entscheiden, sagt Projektleiter Manfred Müller vom Offenbacher Hauptamt.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) wie auch Frankfurts Projektleiter Christian Ley sprechen von einem „wichtigen Element regionaler Zusammenarbeit“. Ley zufolge findet das gemeinsame Serviceangebot der beiden Nachbarstädte inzwischen bundesweite Beachtung.

Während das regionale 115-Fazit noch aussteht, zieht Fuchs nach fünf Wochen Rufumleitung eine positive Zwischenbilanz. Die telefonische Erreichbarkeit sei deutlich gestiegen. Von den wöchentlich etwa 1000 Anrufen im Bürgerbüro hätte bislang nicht einmal jeder dritte angenommen werden können. Nun jedoch liege die Quote bei 93 Prozent.

Und die Service-Zeiten ließen sich mit Hilfe der Behördennummer um 40 Prozent erweitern. Denn jetzt würden Anrufe montags bis freitags nicht mehr von 8 bis 15, sondern von 8 bis 18 Uhr angenommen.

Anlaufschwierigkeiten in den ersten Monaten werden weder von Frankfurter noch Offenbacher Seite bestritten. Sie hätten aber eher spezielle Anliegen und nicht die bundesweit hundert meistgestellten Fragen betroffen, sagt Manfred Müller. Immerhin 70 Prozent der Anrufe könnten vom Servicecenter abschließend beantwortet werden. Der Rest werde telefonisch oder per Mail an die Verwaltung geleitet. Die lückenhafte Erreichbarkeit in einzelnen Mobilfunknetzen in Stadtrandlage wie in Waldhof oder Rumpenheim lasse sich wohl erst beheben, wenn auch die Nachbarkommunen bis 2013 die Servicenummer eingeführt hätten.

Finanziell zahlt sich die Kooperation mit Frankfurt bislang aus. Das Verlängerungsjahr kostet Offenbach 100.000 Euro. Ein eigenes Servicecenter würde mit 430.000 Euro plus 120.000 Euro Investitionen zu Buche schlagen.

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