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Angenehmer Besuch: Oberbürgermeister Schneider begrüßt russische Studentinnen aus Orjol.

Offenbach

Eine lebendige Partnerschaft

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Russische Studenten aus Orjol sind zu Gast in Offenbach. Orjol und Offenbach sind bereits seit 1988 verschwistert. Man kümmere sich nicht um die große Politik, sondern pflege Freundschaften.

„Unsere Zusammenarbeit könnte nicht besser sein“, sagt Werner Frei, Vorsitzender des Städtepartnerschafts-Klubs Offenbach-Orjol. Er spricht von Freundschaften, die seit der Besiegelung der Verschwisterung im Jahr 1988 durch zahlreiche gegenseitige Besuche entstanden seien.

Auf politischer Ebene ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland wegen des Ukraine-Konflikts momentan zwar angespannt. Aber beim Empfang von 21 russischen Studentinnen und Studenten und ihren Betreuern aus Orjol gestern im Klingspor-Museum war davon nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die Stimmung war äußerst herzlich. Frei sagt: „Wir haben schon bei der Klub-Gründung beschlossen, dass wir uns nicht um die große Politik kümmern. Wir wollen Freundschaften pflegen.“

Das scheint gelungen zu sein. In einem Fall sei aus Freundschaft sogar eine Liebesbeziehung geworden, wie Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) verriet. Nach seinen Worten sind die Kontakte wichtig, um zu verhindern, dass neue Feindbilder entstehen. Nach Angaben Freis ist die Verbindung mit Orjol die lebendigste aller 13 Offenbacher Partnerschaften, und das, obwohl die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg unermessliches Leid über die Stadt gebracht hatte.

Der gestrige Empfang diente auch dazu, eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Offenbacher Klub und der Orjoler Universität zu besiegeln, an der Deutsch gelehrt wird. Ziel ist es zum einen, künftige Begegnungen zuverlässiger planen, an Wettbewerben teilnehmen und auch Zuschüsse beantragen zu können.

Keine Ressentiments gegen Deutschland

Galina Skripkina, Professorin am Lehrstuhl für Deutsch an der Orjoler Universität, nannte einen weiteren Vorteil. Ihre Studenten können ihre Sprachkenntnisse in Offenbach testen und teilweise sogar in deutschen Gastfamilien wohnen. Dieses Angebot ist nicht ganz unwichtig. Denn Englisch sei auf dem Vormarsch. Sie hoffe aber, dass Deutsch zweite Fremdsprache vor Französisch bleibe, sagte die Professorin.

In Offenbach gibt es an der Schillerschule keinen Russischunterricht und keinen Schüleraustausch mehr, nachdem sich Eltern für Spanisch statt für die slawische Sprache entschieden hatten. Auch wenn Frei betont, dass die Freundschaft bei der Städtepartnerschaft im Vordergrund stehe, hat er die Studenten dennoch gefragt, was sie von Putin halten. Die Reaktion sei Schweigen gewesen, erzählt er. Später sagten sie, es gebe halt keine Alternative zu Putin, weil dieser aus russischer Sicht alles richtig mache.

Skripkina betonte, dass es auch nach den Sanktionen gegen ihr Land keine Ressentiments gegen Deutschland gebe. Allerdings ärgert sie sich über die einseitige Presseberichterstattung im Westen. Sie widerspricht Vorurteilen, die Russen seien nicht gut informiert. Das sei falsch. „Alle haben Internet, können vergleichen und sich eine eigene Meinung bilden“, sagte sie.

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