SOH-Chef Peter Walther ist gebürtiger Offenbacher, zweifacher Familienvater und 44 Jahre alt. Er lebt im Stadtteil Bürgel, engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde und gehört dem Lions-Club Lederstadt Offenbach an.
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SOH-Chef Peter Walther ist gebürtiger Offenbacher, zweifacher Familienvater und 44 Jahre alt. Er lebt im Stadtteil Bürgel, engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde und gehört dem Lions-Club Lederstadt Offenbach an.

Stadtwerke Offenbach Holding

Alle Geschäftsfelder auf dem Prüfstand

Der gebürtige Offenbacher Peter Walther ist seit Januar Chef der Stadtwerke Offenbach Holding. Sein Amtsantritt fällt in eine turbulente Zeit. Jörg Muthorst hat mit ihm über seine Pläne gesprochen.

Von Jörg Muthorst

Er ist der Mann, auf den sich die Streitköpfe in der Ampel-Koalition am ehesten verständigen konnten. Und auch die CDU-Opposition weiß Peter Walther hinter sich.

Bei der Regelung der Böger-Nachfolge galt der 44-Jährige früh als gesetzt, denn Walthers Kompetenzen sind unbestritten. Er hat sie schon beim Dienstleister ESO, den er auch weiterhin führen wird, und bei den Verkehrsbetrieben OVB unter Beweis gestellt.

Dass es anders, als geplant, doch keine Doppelspitze mit Dieter Lindauer geworden ist, hat Walther, den SOH-Talentscout Joachim Böger vor 16 Jahren "einfing", selbst überrascht. Lindauers Position als herausgehobener Geschäftsführer und oberster Projektentwickler wurde zwar gestärkt. Doch die Alleinverantwortung für die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) trägt seit Jahresbeginn Peter Walther.

Sein Amtsantritt fällt in eine turbulente Zeit. Viele Politiker fürchten parteiübergreifend, dass ihnen die Kontrolle der immer weiter wachsenden SOH entgleitet. Das Tempo, mit dem OB und Aufsichtsratsvorsitzender Horst Schneider (SPD) die Finanzholding vom städtischen Dienstleister auf Stadtentwicklungsgesellschaft getrimmt hat, ist vielen selbst in Schneiders eigener Partei suspekt.

Dazu spukte ein Böger-Strategiepapier, das das Eigenleben des Konzerns noch betonte, in den Fraktionsköpfen herum und sorgte für Unruhe, schaffte es allerdings nie als offizielle Vorlage in den Aufsichtsrat.

Locker und pragmatisch

Walther, bekennender Offenbacher und in seiner Heimatstadt fest verwurzelt, hat den Job trotz dieses Hintergrundes in der ihm eigenen Art angetreten: locker, unaufgeregt, pragmatisch. Und seine Signale an die Politik sind klar: Er will verlorenes Vertrauen wieder aufbauen, mehr Transparenz schaffen und den Politikern bei ihrer Entscheidungsfindung beratend zur Seite stehen. Es solle, sagt Walther, keine SOH-Entscheidungen geben, in die die Politik nicht eingebunden sei.

Umgekehrt wünscht sich der neue Stadtwerke-Chef, müsse der Rahmen, in dem sich die SOH als "verlängerter Arm der Kommune" bewege, klar politisch abgedeckt sein. Ständige politische Diskussionen, auch im Aufsichtsrat, hält er für wenig hilfreich.

Soll die SOH nur Dienstleister für die Daseinsvorsorge oder verstärkt auch Stadtentwickler von Projekten wie Hafen oder Stadion sein, die die Kommune selbst nicht zu stemmen vermag: Von einer klaren Antwort auf diese Frage nach der strategischen Ausrichtung ist die Koalition noch immer weit entfernt. Und auch die Frage nach einem zweiten Geschäftsführer ist noch unbeantwortet.

Entscheidungshilfe soll ein neues Unternehmenskonzept geben, das der parteilose SOH-Chef jetzt entwickeln wird und bei dem er auf eine enge Kooperation mit den Geschäftsführern der Tochtergesellschaften setzt. In der Vergangenheit, als sich die Aufgaben in Richtung Projektentwicklung häuften, seien die Kontakte zu den Töchtern nicht mehr so intensiv gewesen, sagt Walther.

Holding soll mehr steuern

"Ich habe einen klaren Willen, wo es lang geht", sagt er selbstbewusst. Er möchte die die Steuerfunktion der Holding stärken, Aufgaben stärker bündeln und setzt dabei auf Synergien wie auf Teamgeist, um die Effizienz des Unternehmens zu steigern.

Walther will alle Geschäftsfelder auf den Prüfstand stellen. Will er auch Dienstleistungen zurück an die Kommune geben? Das Thema Rekommunalisierung sei weniger eine Frage der Steuerersparnis als eine Frage, wer solche Aufgaben schneller und flexibler wahrnehmen könne, Stadt, Stadtwerke oder auch Dritte. Die SOH seien hier aufgrund ihrer inneren Struktur gut aufgestellt.

Die Elektromobilität könnte in der SOH, bei der die Leitstelle der Modellregion angesiedelt ist, ein eigenes Geschäftsfeld und damit Motor für die Ansiedlung von Wirtschaftspartnern werden. Ob dies auch für die von der EVO nicht besetzte regenerative Energiegewinnung gelte, müsse geprüft werden.

Womöglich kämen für große Photovoltaik-Anlagen wie am Schneckenberg eher Privatinvestoren in Frage. "Wir dürfen uns nicht verzetteln", tendiert Walther dazu, die Aufgabenfelder zu deckeln. Mit Baugebieten wie An den Eichen gingen die Stadtwerke bereits ein hohes Risiko ein.

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