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Rasenstücke frisch serviert und in Empfang genommen von Kickers-Fan Andreas.

Offenbach

Kickers-Rasen hat ausgedient

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500 Fans haben sich ein Stück vom alten Gras gesichert / Wechsel ist wetterabhängig.

Zehn Jahre hat er es auf dem Bieberer Berg ausgehalten, ist mit Füßen getreten, mit Tränen benetzt, mit Fäusten malträtiert worden, hat Freudensprünge ausgehalten. Jetzt hat der Stadionrasen ausgedient und wird ausgewechselt, sobald es das Wetter zulässt. Die neuen Halme wachsen schon bei einem der wenigen deutschen Spezialanbieter in Hüttenfeld im Odenwald kommenden Heimspielen entgegen.

Denn was dem engagierten Tritt der Profi-Fußballer standhalten soll, hat mit heimischem Zierrasen kaum etwas gemein. „Stadionrasen ist eine besondere Grassorte aus verschiedene Samenarten“, erläutert Andreas Herzog, Geschäftsführer der Stadiongesellschaft Bieberer Berg Offenbach (SBB). Das mache sich schon daran bemerkbar, dass man so ein Stück Rasen nur sehr schwer auseinanderziehen könne.

Einen sechsstelligen Betrag investiert die SBB in den Austausch – inklusive Entsorgung des alten Belags, der Bodenaufbereitung mit Einarbeitung von 340 Tonnen Sand und dem Planieren mit leichtem Gefälle für die Drainage vom Anstoßpunkt aus. „Das ist mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar und passiert alles vollautomatisiert“, sagt Herzog Erst nach dieser Vorbereitung wird der neue Rasen aufgelegt, der dann auch sofort bespielbar ist.

Elfmeterppunkte ins Kickers-Museum

Für das alte Grün wurde am vergangenen Freitag noch eine große Abschiedsparty mit Fans in der VIP-Lounge des Stadions gefeiert. „In den zehn Jahren hat der alte Rasen die komplette Bauphase des neuen Stadions erlebt“, sagt Andreas Herzog, „das ist historisches Gut.“ Nur dank guter Pflege könne ein Fußballrasen überhaupt so lange erhalten bleiben. „In vielen anderen Stadien wird deutlich häufiger gewechselt.“ Durchschnittlich alle vier Jahre passiere dies, in der Bundesliga mindestens jährlich oder gar bis zu zweimal pro Jahr, sagt Herzog.

Trotz einer Dekade Beanspruchung ist der Rasen vom Bieberer Berg mit abgeschälten Boden aber noch benutzbar. Deshalb wird der schicksalsschwere Untergrund auch nicht einfach so in die Tonne getreten.

In Offenbach, durch jahrzehntelange katastrophale Verschuldung auf Sparsamkeit gedrillt, kommt so schnell nichts weg: Fans mit Neigung zum Gärtnern konnten deshalb im Rahmen der Feier am Freitag einen Gutschein für ein 30 mal 30 Zentimeter großes Stück als Souvenir erwerben, zum Stückpreis von 10 Euro, inklusive Echtheitszertifikat.

500 Stück gingen weg und finden nun einen neuen, vermutlich besseren Platz in Gärten oder Balkonkästen. Denn das Gedeihen in einem Stadion ist für so einen Grashalm nicht so leicht. Dabei sind nicht mal die Kicker das größte Übel. Die dem Spielfeld nahe Tribüne nimmt viel Licht weg, im Stadion trocknet der Platz schneller ab, erläutert Herzog.

Doch sei in dem Grün „kein Pilz drin, man schleppt sich nichts ein, wenn man sich ein Stück davon nach Hause holt“. Deshalb wird der komplett abschälte Rasen auch zunächst gehäckselt am Bierbrauerweg zwischengelagert und, weil’s guter, nahrhafter Boden ist, zum Auffüllen für andere Sportanlagen aufbewahrt.

Am Montag wurden die Souvenirs von den Fans am Stadion abgeholt. Die Elfmeterpunkte waren bereits am Mittwoch vergangener Woche herausgestochen worden. Sie werden professionell in Kunstharz gegossen und gehen als Spende an das Kickers-Fan-Museum. Dafür investierten die EVO und die Sparda-Bank Hessen jeweils 1000 Euro. Die entstandenen Lücken werden für das nächste Heimspiel wieder aufgefüllt, falls der komplette Austausch wetterbedingt noch verschoben werden muss.

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