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Die Mathildenschule erhält einen Anbau. An neun weiteren Schulen laufen Bauarbeiten.
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Die Mathildenschule erhält einen Anbau. An neun weiteren Schulen laufen Bauarbeiten.

Offenbach

Schulbau: Mehr Kinder und die Kosten

Die Stadt Offenbach muss aufgrund ihres Bevölkerungswachstums viel Geld in die Schulen stecken. Die Kosten steigen wegen der Baukonjunktur stark an und Förderung gibt es nur für Sanierungen, aber nicht für die Neubauten.

Offenbach ist mit 40,8 Jahren im Schnitt die jüngste Stadt in Hessen und die zweitjüngste kreisfreie Stadt in ganz Deutschland. Das hat kürzlich die Auswertung vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gezeigt. Wie jung die Stadt mit rund 140 000 Einwohner:innen ist, zeigt sich insbesondere daran, dass die Zahl der einzuschulenden Kinder in den kommenden Jahren stetig steigen wird. Bis zum Schuljahr 2025/2026 erwartet die Stadt rund 1600 Neueinschulungen, dann sind rund 6000 Schülerinnen und Schüler in den ersten bis vierten Klassen, 800 mehr als in diesem Schuljahr. „Wir haben ungewöhnlich große Geburtenjahrgänge“, sagte Schuldezernent Paul Gerhard Weiß (FDP). „Dementsprechend sind wir gezwungen, Schulen neu zu bauen.“

Mehr als die Hälfte der Investitionen des Haushalts 2022 laufen unter dem Punkt Schulträgeraufgaben. 49,95 Millionen Euro von 87,15 Millionen Euro. An zehn Schulen und Kitas laufen zur Zeit Bauarbeiten oder beginnen in den nächsten Monaten. Weitere vier Standorte kommen im Laufe der nächsten zwei Jahre hinzu. „Die projektierten Kosten aller schon laufenden oder anstehenden Schul- und Kitainvestitionen werden aktuell auf rund 300 Millionen Euro geschätzt“, teilt das Dezernat von Weiß, das Bauen, Planen und Schulen umfasst, mit.

Die Kosten werden über einen langen Zeitraum – rund 30 Jahre – abbezahlt. Zins- und Tilgung müssen entsprechend in die Haushalte eingeplant werden. „Das sind große Anstrengungen und engt den Spielraum an anderer Stelle natürlich ein“, so Stadtrat Weiß. Solange ein Projekt noch nicht konkret geplant und im Parlament beschlossen sei, liegen zunächst nur grobe Kostenschätzungen für eine vorläufige Anmeldung von Haushaltsmitteln zugrunde. „Die Stadt Offenbach setzt - das machen andere Kommunen anders - einen grob geschätzten Betrag in den Haushalt ein. Das könnte man auch lassen“, erklärt Weiß.

GESCHÄTZTE KOSTEN FÜR DIE SCHULPROJEKTE

Neubau Gymnasium am Güterbahnhof 72,0 Millionen Euro
Sanierung und Erweiterung Edith Stein Schule 37,7 Mio.
Neubau Grundschule mit Turnhalle und Kita in Bieber Nord 36,5 Mio.
Neubau Fröbelschule 30,0 Mio.
Sanierung und Erweiterung Geschwister Scholl Schule 29,5 Mio.
Sanierung und Erweiterung Mathildenschule 26,0 Mio.
Neubau Grundschule Gelände der IGS Lindenfeld 26,0 Mio.
Neubau Grundschule Standort Ernst Reuter Schule 23,6 Mio.
Neubau Betreuungsgebäude und Cafeteria Humboldtschule 5,9 Mio.
Sanierung Friedrich-Ebert-Schule 4,3 Mio.

So sorgte vor allem die Neuberechnung für den Schulbau der Grundschule Bieber Nord im Frühjahr für Aufregung. Aus zunächst geplanten 22 Millionen Euro wurden plötzlich 36,5 Millionen Euro. Und dabei hat man sogar auf mehrere Punkte der ursprünglichen Planung verzichtet, berichtete Weiß. Etwa ein integriertes Blockheizkraftwerk oder nur noch eine Zwei-Felder- statt einer Drei-Felder-Sporthalle.

In den vergangenen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung wurden für zwei Schulsanierungen Mehrkostenvorlagen eingebracht. 1,9 Millionen Euro mehr für die Humboldtschule und 4,3 Millionen Euro mehr für die Edith-Stein-Schule. „Wie alle Bauherren muss die Stadt derzeit auch mit massiven Preissteigerungen durch die überhitze Baukonjunktur in den Ballungsräumen umgehen“, hieß es aus dem Dezernat. Zusätzlich hätte die Pandemie die Kosten weiter nach oben getrieben - durch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen auf Baustellen, Lieferschwierigkeiten und Verzögerungen. Der Erweiterungsbau der Mathildenschule etwa, der ursprünglich im Frühjahr 2021 fertig sein sollte, wird frühestens nächstes Jahr fertig.

Die Kostensteigerung aller Projekte wird auf etwa 20 Prozent geschätzt. Auch kämen nicht kalkulierte, aber zwingend erforderlich gewordene Leistungen hinzu, etwa neue Anforderungen an erweiterten Ganztagsbetrieb, die Sanierung maroder Kanäle oder im Bauprozess entdeckter Schadstoffe. Das Hochbaumanagement und die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft würden zwar regelmäßig Kosteneinsparungen und die wirtschaftlichste Bauweise in den Projekten prüfen. Dennoch könnten Mehrkosten oft nicht vermieden werden. Auch künftig sei damit zu rechnen.

Kann sich die Stadt das denn überhaupt leisten? „Wir müssen es uns leisten können, weil es Pflichtaufgabe der Kommune ist“, sagt Weiß. Es seien schließlich sinnvolle Investitionen in die Zukunft und die Bildung von Kindern. Überall da, wo es möglich sei, versuche die Stadt, Fördermittel zu beantragen. Das Problem ist, dass es diese nur für Sanierungen, aber nicht für Neubauten gibt. „Wir versuchen, gemeinsam mit anderen Städten durchzusetzen, dass auch Fördermittel für neue Schulen gewährt werden.“ Er setzt seine Hoffnungen auf die neue Bundesregierung. Solange wird die Stadt die Kosten tragen müssen.

Die Grundschule Bieber Nord besteht derzeit aus Containern.

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