„Ein einmaliger Ausrutscher“

Dreieich Jugendlicher wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt / Bewährungsstrafe

Von Sonja Jordans

Es klingt nach echtem Bedauern. „Es tut mir leid, was ich gemacht habe“, sagt der 19-jährige Mohammad W. aus Dreieich am Montag vor dem Darmstädter Amtsgericht und wirkt dabei zerknirscht wie ein Schuljunge.

Dabei ist das, was W. im Mai 2010 getan hat, kein Lausbubenstreich: Er ließ sich von einer damals Zwölfjährigen oral befriedigen. Da das Mädchen laut Gesetz als Kind gilt, hat sich der volljährige, bis dato nicht vorbestrafte W. am Montag wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor dem Jugendschöffengericht verantworten müssen.

„Sie sind hier gleich ganz oben eingestiegen“, beschreibt der Vorsitzende Richter Dennis Wacker denn auch die Tat, für die er W. nach Jugendstrafrecht zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre, zudem muss W. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. „Wären Sie nach Erwachsenenrecht verurteilt worden, hätten Sie mindestens zwei Jahre ohne Bewährung erhalten“, gibt Wacker dem Angeklagten zu verstehen.

Im Mai 2010 hatte W. die zwölfjährige Jessica H. im Internet-Netzwerk „SchülerVZ“ kontaktiert und angeboten, ihr Geheimnisse über einen Jungen zu verraten, den das Mädchen damals „gut fand“, so die Anklage. So könne sie mit jenem Jungen „zusammenkommen“. Im Gegenzug sollte sie W. dafür oral befriedigen. „Blas’ mir einen“, forderte W. das Mädchen unverblümt auf. Die Zwölfjährige folgte der Aufforderung schließlich und traf sich mit W. in einer Frankfurter Grünanlage. Dort hockte sie sich laut Anklage vor ihn und begann, W. oral zu befriedigen. Nach wenigen Minuten jedoch habe sie mit den Worten „Ich lasse mich nicht erpressen“ von W. abgelassen und sei zu ihren Freundinnen zurückgekehrt, die auf sie warteten.

„Verliebtheit macht blind“, erklärt der Vater des Mädchens am Montag im FR-Gespräch, warum sich seine Tochter damals mit dem Angeklagten traf. Zwar wirkt sie gefasst, leide aber noch darunter. Eine Aussage bleibt Jessica dann auch erspart, da der Angeklagte die Tat einräumt.

„Es wäre unangenehm geworden, hier Fragen zu stellen“, unterstreicht auch der Verteidiger in seinem Plädoyer. Es habe zudem „widersprüchliche Aussagen der Geschädigten“ gegeben, die versucht habe, die Anzeige zurückzuziehen. Er fordert, ebenso wie die Staatsanwaltschaft, eine Bewährungsstrafe für W.

Diesen Anträgen folgt das Gericht nach kurzer Beratung. „Es ist unverständlich, wie jemand, der ein freiwilliges soziales Jahr abgeleistet hat und einen sozialen Beruf ergreifen möchte, so etwas machen kann“, betont Richter Wacker in seiner Urteilsbegründung . „Sie haben schwere Schuld auf sich geladen.“ Das Gericht wertet die Tat dennoch als „einmaligen Ausrutscher“.

Auch der Vater der Geschädigten kann mit dem Urteil leben: „Wir haben ein Zeichen gesetzt.“

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