Laufschuhe mit und ohne Spikes wühlen sich im Offenbacher Leonhard-Eißnert-Park durch Eis und Schnee.
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Laufschuhe mit und ohne Spikes wühlen sich im Offenbacher Leonhard-Eißnert-Park durch Eis und Schnee.

1. Suppenschüssel-Crosslauf

Schnell unterwegs in Schnee und Matsch

Was ein wahrer Läufer ist, den schreckt auch der tiefgefrorene Boden nicht. Im Leonhard-Eißnert-Park trotzen mehr als hundert Athleten dem winterlichen Wetter. Von Maurice Farrouh

Von Maurice Farrouh

Beim Crosslauf gibt es kein schlechtes Wetter. Für die Sportler, die abseits befestigter Wege durch Wald und Wiese hetzen, beginnt die Saison mit Einsetzen der ersten Herbststürme und endet, wenn der Frühling die letzten Reste der dunklen Jahreszeit verdrängt. Schnee, Eis, Regen und Matsch sind Verbündete des Crossläufers.

"Die winterliche Witterung macht das Laufen anspruchsvoll und die Strecken interessant", sagt Wolfgang Wegert vom Offenbacher Leichtathletikclub (OLC). So gesehen ist die Strecke, die Wegert und seine Vereinskollegen vom OLC am Samstag mit Flatterband im Leonhard-Eißnert-Park angelegt haben, sehr interessant.

Das Tauwetter der vergangenen Tage hat die Schneedecke zu einem matschigen Brei gemacht, der plötzliche erneute Frost in der Nacht zum Samstag hat ihn zu einer löcherigen Kraterlandschaft erstarren lassen. Wo sich in dem verkrusteten Matsch Pfützen gebildet hatten, lauern spiegelglatte Eisplatten.

Volles Tempo auf schlüpfrigem Untergrund

"Der Untergrund ist sehr anspruchsvoll heute, selbst für erfahrene Crossläufer", sagt Wegert. Die Sportler ficht das nicht an. Mehr als hundert haben sich zur ersten Auflage des neuen Volkslaufs im Park am Bieberer Berg eingefunden, um auf dem 1000 Meter langen Rundkurs zwei, vier oder acht Kilometer zurückzulegen. Eine Handvoll Spezialisten wagt sich zudem an den 800 Meter Sprintcross, bei dem in vollem Tempo über den schlüpfrigen Untergrund gespurtet wird.

"Super Sache, dass es diesen neuen Lauf gibt. Schließlich gibt es nicht viele Crossläufe in der Region", sagt Lars Spielvogel. Der 40-Jährige vom Team des Frankfurter Laufshops hat sein Rennen über 4000 Meter schon hinter sich.

Während sich ein paar Meter weiter die Läufer für die Langstreckendistanz warm machen, schält er sich aus seinem dampfenden Trikot und schlüpft in ein warmes Sweatshirt. "Hat viel Spaß gemacht" sagt er, während er ein paar kleine Blutflecken auf seiner Kleidung untersucht. "Bin wohl irgendwo hängen geblieben, nicht weiter schlimm."

Mit dem Untergrund haben Spielvogel und sein 29-jähriger Teamkollege Dennis Mickel keine Schwierigkeiten gehabt. "Dank der Spikes an den Sohlen ging das ganz gut", sagt Mickel. Die meisten Läufer haben sich angesichts der Bodenverhältnisse mit Stollen oder Spikes ausgerüstet.

Manche wagen sich aber auch mit normalen Joggingschuhen auf die Strecke. "Ich habe es ohnehin nicht auf eine gute Platzierung abgesehen", sagt Frank Riesenbürger. Normalerweise startet der 49-jährige Triathlet über die Ironman- und die Marathondistanz. Der Suppenschüssellauf - sein erster Crosslauf überhaupt - ist für ihn eine Trainingseinheit bei der Vorbereitung für den 50-Kilometer-Ultramarathon in Rodgau am nächsten Wochenende.

Elke Knörr (62) vom TSV Gräfenwiesbach und Peter Stjepovic (42) von der TuS Griesheim sind dagegen routinierte Cross-Veteranen. "Im Winter ist das eine willkommene Abwechslung", sagt Knörr. "Die Belastung ist eine ganz andere als bei Straßenläufen. Um die Unebenheiten abzufedern, ist die Motorik des ganzen Körpers gefordert", sagt Stjepovic. Die Crossläufe im Winter nutzt er vor allem als Konditionstraining für die Straßenrennen im Sommer.

Crosslaufen sei übrigens nicht verletzungsintensiver als das Laufen auf Asphalt, sagt Wolfgang Wegert vom OLC. Das sieht auch Peter Stjepovic so. "Man muss halt aufpassen, wo man hintritt. Mir ist zum Glück noch nie was passiert."

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