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Nicht kostendeckend: Die ASB-Sozialstation an der Offenbacher Waldstraße hat keine Zukunft mehr. Am 29. Februar ist letzter Arbeitstag für die Beschäftigten. 

Offenbach

ASB schließt defizitäre Sozialstation in Offenbach

Die Übernahme des ambulanten Pflegedienstes in Offenbach durch einen Betreiber aus Darmstadt scheitert. Vorstand ist von Absage „überrascht“. Beschäftigte kritisieren Schließung.

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wird seine Sozialstation in Offenbach Ende Februar schließen. Seit Herbst vergangenen Jahres hatte der Regionalverband Mittelhessen nach einem neuen Träger gesucht. Der in einem „aufwendigen Prozess“ ausgewählte Betreiber sei jüngst „überraschend für uns“ abgesprungen, teilte Verbandsvorsitzender Marcus Schönbach mit. Betroffen von der Schließung sind 28 Beschäftigte und rund 80 verbliebene Kunden (von einst knapp 400).

Schönbach zufolge waren intensive Verhandlungen mit der Darmstädter Mission Leben geführt worden. Dieser habe zum Jahresanfang nach der Kündigung der bisherigen Pflegedienstleitung eine neue zur Verfügung gestellt. Nichts habe auf ein Scheitern hingewiesen. Die Absage am 23. Januar „hat uns total überrollt“.

Auf Nachfrage sei dem Vorstand von den Darmstädtern mitgeteilt worden, eine Prüfung habe ergeben, dass die Sozialstation auch in drei Jahren keine schwarzen Zahlen schreiben würde. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die ASB-Beschäftigten der Sozialstation nach Tarif bezahlt werden und damit teurer sind als die kirchlichen Mitarbeiter. Mission Leben äußerte sich gegenüber der FR nicht zu den Gründen.

Der ASB hat nach feigenen Angaben mehr als 500 Beschäftigte und rund 50 000 Mitglieder. Die Sozialstation in Offenbach ist - im Gegensatz zu der in Karben und Altenstadt - seit langem ein Minusgeschäft. Wegen anhaltender Defizite von 100 000 Euro jährlich hatte der Rerband 2019 die Reißleine gezogen und beschlossen, das ambulante Pflegeangebot in Offenbach aufzugeben.

Bedingung des ASB an einen potenziellen Betreiber war, dass dieser die Beschäftigten übernimmt, für gleiche Arbeitsplatzbedingungen sorgt und die Qualität in der Pflege garantiert. Die Suche nach einem Träger schien erfolgversprechend. Doch die Übernahme durch einen ersten Interessenten sei am „enormen Widerstand“ der Mitarbeiter gegen den privaten Anbieter gescheitert, sagt Schönbach. Nach dem Rückzug der Darmstädter verkündete der ASB-Vorstand die Schließung der Sozialstation und versprach eine „möglichst faire Abwicklung für alle Beteiligten“.

Die Beschäftigten sind auf den Vorstand nicht gut zu sprechen. Betriebsratsvorsitzender Marcus Warmbrod sagte, die Mitarbeiter seien stinksauer und enttäuscht, weil es keinen Versuch gegeben habe, die 1996 eröffnete Sozialstation zu retten. Stattdessen sei die Belegschaft im August vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Seiner Ansicht nach hätte es zu Übernahme oder Schließung eine Alternative gegeben, wenn der Vorstand die Mitarbeiter „mit ins Boot“ genommen hätte. Denkbar wäre eine Zielvereinbarung gewesen, um Abläufe zu optimieren und wieder auf eine schwarze Null zu kommen. „Wir hätten die Sozialstation retten können. Aber man hat uns vor die Tür gestellt“. Nach Angaben des Betriebsrats wird nun über einen Sozialplan verhandelt. Den Beschäftigten wurden Stellen in anderen ASB-Sozialstationen angeboten. Das Interesse daran sei äußerst gering. Warmbrod ist optimistisch, dass die Beschäftigten einen neuen Job finden werden. Pflegekräfte würden überall gesucht.

Schönbach betonte, der ASB bleibe mit anderen Angeboten wie Rettungsdienst, Menü-Service oder Schülerbetreuung in Offenbach. Man werde alles tun, damit die Kunden der Sozialstation „gut unterkommen“. Die Betreuung werde aufrechterhalten, bis ein neuer Pflegedienst gefunden worden sei.

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