Offenbach

Schulamt lädt klagende Lehrer ein

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Als Reaktion auf zahlreiche Überlastungsanzeigen aus Stadt und Kreis Offenbach lädt das Staatliche Schulamt sechs Schulen zu Gesprächen ein.

Tinnitus, Schlafstörungen, Bluthochdruck und Niedergeschlagenheit – unter Beschwerden wie diesen haben die Lehrer gelitten, die vor einem Jahr beschlossen, sich zu wehren. Da ihnen ihrer Meinung nach im Job zu viel abverlangt wird, stellten Kollegien von 53 Schulen im Juli 2015 beim hessischen Kultusministerium Überlastungsanzeigen. Allein 22 der Schulen liegen in Stadt und Kreis Offenbach, die meisten sind Grundschulen. Die Lehrer wollten ihrem Arbeitgeber damit mitteilen, dass sie sich um ihre Gesundheit sorgen.

Seitdem ist ein ganzes Schuljahr vergangen, ohne dass sich die Situation verbessert hätte. Inzwischen haben einige Kollegien wiederholt Überlastungsanzeigen gestellt. Allein beim Staatlichen Schulamt Offenbach, das wie die anderen Ämter vom Kultusministerium für zuständig erklärt wurde, sind seit Januar sechs zweite Anzeigen eingegangen. „Die Belastung für die Kollegen ist noch genauso hoch“, sagt Martina Billy, Personalrätin an der Regenbogenschule in Dietzenbach. Seit den Sommerferien seien bereits einige Lehrer krank geworden. Die Schule gehört zu den Schulen, die die Überlastungsanzeige wiederholten. „Wir merken, dass sich manche Kollegen trotz Krankheit bis zu den Ferien in die Schule schleppen“, erklärt Edeltraut Trinowitz, Personalrätin der Offenbacher Wilhelmschule, die ebenfalls eine zweite Anzeige einreichte.

Behörde sieht Fürsorgepflicht

Dennoch sind die Personalräte ein bisschen weniger pessimistisch als im vergangenen Jahr. Denn das für sie zuständige Staatliche Schulamt, das inzwischen von Susanne Meißner als stellvertretender Leiterin geführt wird, hat die sechs Schulen zu Gesprächen eingeladen. „Meißner nimmt uns ernst, wir werden gehört“, sagt Billy. Sie versuche Lösungen aufzuzeigen und sichere zu, die Probleme an das Kultusministerium weiterzugeben.

„Ich habe eine Fürsorgepflicht“, erklärt Meißner auf Anfrage. Für die Zuweisung von Lehrern sei sie nicht zuständig, aber sie versuche, das in ihrer Macht Stehende zu tun und Schulen etwa nicht mit weiterer Bürokratie zu belasten und Einstellungen rasch zu ermöglichen.

An Lehrer im Bezirk Offenbach würden höhere Herausforderungen gestellt, da dort ein hoher Anteil an Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern die Schulen besuchten, so Meißner. Deshalb sei es wünschenswert, über den Sozialindex hinaus für die betreffenden Schulen höhere Ressourcen zu erhalten. Meißner: „Ich habe das Gefühl, in Wiesbaden gehört zu werden.“

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