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35 Schicksale von Selbstständigen wie Predrag Beck haben die Autoren ins Buch genommen.
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35 Schicksale von Selbstständigen wie Predrag Beck haben die Autoren ins Buch genommen.

Buch über Kioskbetreiber

35 Schicksalen auf der Spur

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Das Autoren-Duo Alexander Kaestner und Stephanie Ludwig beleuchten das Leben der Offenbacher Kioskbetreiber in einem Buch.

Das Autoren-Duo Alexander Kaestner und Stephanie Ludwig beleuchten das Leben der Offenbacher Kioskbetreiber in einem Buch.

Stephanie Ludwig fragt in die Runde: „Wissen Sie eigentlich, wie viele Kioske es in Offenbach gibt?“ Einer der Anwesenden liegt mit seiner Schätzung gar nicht schlecht: Es sind mehr als 100. Rund 35 von ihnen hat die Offenbacher Diplompädagogin zusammen mit dem ehemaligen Theologen Alexander Kaestner nun in einem kleinen Buch vorgestellt. „Kunde ist König“ eröffnet zahlreiche Einblicke in das karge Leben der Betreiber von Kiosken, Wasserhäuschen und Trinkhallen – und ist gleichzeitig eine kleine „Sozialstudie“ über das Leben in Offenbach.

So ungewöhnlich wie das Buch, so ausgefallen ist auch dessen Vorstellung: Die beiden Herausgeber lesen vor einem Kiosk aus ihrem Werk. Sie haben das kleine Lädchen von Panagiokis Chalulou in der Karlstraße 5 für die zwei Geschichten ausgewählt, die sie dort zum Besten geben wollen. Leider haben sich nur ganz wenige Zuhörer eingefunden; vom „Stammpublikum“ lässt sich niemand blicken.

"Kunde ist König"

Dabei hätten sowohl das 48-seitige Buch als auch Kioskbetreiber Chalalou durchaus Zuspruch verdient gehabt. Immerhin ist der Grieche mit seiner Frau Kerasia täglich von 6 bis 22 Uhr für seine Kundschaft anwesend. Es ist nicht das Stammpublikum an den kleinen Verkaufshäuschen, die Alexander Kaestner und Stephanie Ludwig in „Kunde ist König“ unter die Lupe genommen haben, sondern das Leben des Mannes oder der Frau hinter der Verkaufsluke. „Uns interessieren Menschen mit ihren Schicksalen“, erklärt die Herausgeberin. Die Menschen, die in den Kiosken, Wasserhäuschen und Trinkhallen einen großen Aufwand betreiben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, hätten es verdient, aus dem Schattendasein herauszutreten.

So wie der grauhaarige Grieche, der an diesem Nachmittag die Ohren spitzt, als es bei der Lesung um seinen kleinen Kiosk geht. „Wir sind seit 15 Jahren hier“, tönt es den Anwesenden aus der Verkaufsluke entgegen. Und als das Herausgeber-Duo den griechischen Wein und den Ouzo erwähnt, den es hier nicht nur für die Landsleute zu trinken gibt, kommt wie aus der Pistole geschossen die Frage: „Wollen Sie einen haben?“

Dass die Zusammenarbeit zwischen Kunde und Verkäufer hier und an den anderen Offenbacher Kiosken so gut läuft, hat den evangelischen Theologen Kaestner schon während seiner Recherche fasziniert. Übereinstimmend hätten Käufer und Kioskbesitzer erzählt, dass sie in Offenbach „eine Familie“ seien.

Kioskbesitzer auch Sozialarbeiter

Es ist viel Erschütterndes, aber auch Lustiges, was sich in den 48 Seiten verbirgt. Da ist zum Beispiel Mohan Viel, der sich über den Ärger mit alkohol- und drogenabhängigen Kunden beklagt und die Zigaretten in seiner Trinkhalle für 30 Cent pro Stück einzeln verkauft. Oder der Grieche Babakos, der seinen Kiosk an der Groß-Hasenbach-Straße schon 1987 als junger Mann übernahm und heute immer noch da ist, obwohl er schon lange weg will. Oder Farid Nadir, der seinen Traum, Wirtschaftsprüfer zu werden, aufgegeben hat und in seinem Einkaufskiosk Bilder von großen Künstlern mit Ölkreide nachmalt.

Viele Kioskbesitzer sind tagein, tagaus nicht nur Verkäufer, sondern in gewisser Weise auch „Sozialarbeiter“. So wie Regina Dehm, die manchem Kunden in ihrem Kiosk am Wilhelmsplatz beim Ausfüllen von Formularen hilft und mit ihrem Lebenspartner auch bei Behördengängen behilflich ist.

„Kunde ist König“ ist in einer Auflage von lediglich 200 Stück erschienen. Verdienen werden die Herausgeber daran nach eigener Aussage nichts – auch wenn es nicht, wie ursprünglich geplant, an den Kiosken verkauft wird. Der Aufwand wäre zu groß gewesen. „Wir hätten alle 35 Kioske abfahren müssen, um das Geld aus dem Verkauf einzusammeln“, sagt Kaestner. Außerdem bezweifelt er, dass die Kiosk-Kundschaft dieses Geld ausgeben würde. In diesem Zusammenhang bedankt er sich bei der IHK und der SOH. „Ohne deren finanzielle Unterstützung könnten wir das Buch nicht für 5,90 Euro verkaufen“, erklärt er.

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