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Wo die Schatten düster werden

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Von: Silvia Bielert

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Düstere Gestalten, die Steiner-Prag später im Exil für seine Hoffmann-Illustrationen ein zweites Mal erschuf.
Düstere Gestalten, die Steiner-Prag später im Exil für seine Hoffmann-Illustrationen ein zweites Mal erschuf. © Rolf Oeser

Das Klingspor-Museum zeigt einen Teil des Nachlasses von Buchillustrator Hugo Steiner-Prag. Seit 1961 liegt das Material, ein großer Teil des Steiner-Prag’schen Nachlasses, in der Museumsbibliothek, wurde von A nach B verschoben, geriet in Vergessenheit und kam jetzt wieder zum Vorschein.

Dorothee Ader hatte nicht gezielt danach gesucht. Rein zufällig stieß die Mitarbeiterin des Klingspor-Museums in der hauseigenen Bibliothek auf knapp 200 Originalzeichnungen, Skizzen und Andrucke des böhmisch-deutschen Buchillustrators Hugo Steiner-Prag. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1901 und 1943.

Seit 1961 liegt das Material, ein großer Teil des Steiner-Prag’schen Nachlasses, in der Museumsbibliothek, wurde von A nach B verschoben, geriet in Vergessenheit und kam jetzt wieder zum Vorschein. „Ans Licht gebracht“, das ist auch der Name der Ausstellung, den Ader der Ausstellung gegeben hat, die ab morgen im Museum zu sehen sein wird. „Ich war überrascht, als der Name plötzlich auftauchte“, sagt Museumsleiter Stefan Soltek.

Der Illustrator sei vielen nicht bekannt, weil er nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten nach Schweden und New York emigrierte und so aus dem Gedächtnis der Buchkunstgeschichte gerissen wurde, ergänzt Ader. Dabei hatte der in Prag geborene Vorreiter der schönen Buchkunst über 30 Jahre lang in Deutschland gewirkt, war Vorsitzender des Vereins deutscher Buchkunst, unterrichtete viele Jahre an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig und organisierte 1927 sogar die Internationale Buchausstellung in Leipzig. Für Verlage hat Steiner-Prag rund hundert Buchbände gestaltet.

Radikale Wende 1915

„Die Ausstellung ist ein Rundgang durch sein Leben und seine Zeit“, sagt Ader; sein Werk ab 1900 bis zu seinem Tod in allen Aspekten nachzuvollziehen. Dabei fällt auf: Steiner-Prags künstlerisches Schaffen war zweigeteilt. Als er mit 20 Jahren die ersten Verlagsaufträge bearbeitet, zeigt sich, wie sehr er vom Jugendstil beeinflusst war. Illustrationen für die Künstlerzeitschrift „Die Kralle“ oder die Rilke-Sonderausgabe der Literaturzeitschrift „Frühling. Moderne Flugblätter“ zeugen davon.

1915 dann die radikale Wende. Mit den Lithografien zu Gustav Meyrincks fantastischem Roman „Der Golem. Prager Phantasien“ legte Steiner-Prag die Grundlage für eine eigene Zeichenform, die er bis zu seinem Tod beibehalten sollte: Spiritistische Szenen in Schwarz-Weiß, in denen sich das Dunkle zu beunruhigend-bedrohlichen Flächen verdichtet. „Dabei setzte Steiner-Prag Lichtpunkte in seinen Zeichnungen“, die meist das Gute bezeichnen. Eine Form, die die Stummfilme der 20er Jahre stark rezipierten, so Ader.

Da passte es, dass Steiner-Prag viele Ausgaben der Fantasiegeschichten von E.T.A. Hoffmann illustrierte. Einige sind in der Klingspor-Ausstellung zu sehen. Darunter zwölf Figuren-Zeichnungen aus dem Jahr 1923 zum Mappenwerk „Phantastische Galerie“, die in nur 25 Buchexemplare Eingang fanden.

Mit der neuesten Ausstellung im Klingspor-Museum wird aber nicht nur das Werk des Buchillustrators beleuchtet, sondern auch die Geschichte des Museums. Denn die zugrunde liegende Buchsammlung des Offenbacher Schriftgießers Karl Klingspor wurde erstmals 1927 bei der Internationalen Buchkunstausstellung in Leipzig vorgestellt.

Der Ausstellungsraum „Zimmer eines Bibliophilen“ enthielt etwa Theodor Fontanes „Effi Briest“ mit Lithografien von Max Liebermann oder ein Markus-Evangelium mit Rudolf-Koch-Grafiken. Manches Einzelstücke die nur in Offenbach zu sehen: Etwa die großformatige Ausgabe von Goethes Faust II, illustriert von Max Slevogt.

„Steiner-Prag blieb unbeeindruckt von allen Avantgarden seiner Zeit, nahm selbst aber auf viele Künstler Einfluss“, sagt Ader. Unbeeindruckt blieb er in seinem Werk auch vom Versuch der Nazis, seine Drucksteine zu vernichten. Steiner-Prag erschuf einige ein zweites Mal und illustrierte damit später „The Tales of Hoffmann“. Das war im Jahr 1943 – in New York.

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