Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pflegekräfte in den Bereichen OP, Intensivpflege, Zentrale Notaufnahme und Anästhesie bekommen ab dem 1. März statt 250 nur noch 200 Euro außertarifliche Zulage. Ab 2022 nur noch 100 Euro.
+
Pflegekräfte in den Bereichen OP, Intensivpflege, Zentrale Notaufnahme und Anästhesie bekommen ab dem 1. März statt 250 nur noch 200 Euro außertarifliche Zulage. Ab 2022 nur noch 100 Euro.

Offenbach

Sana-Klinikum in der Kritik: Bald weniger Geld für Pflegekräfte – mitten in der Corona-Pandemie

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
    schließen

Den Pflegekräften der Sana-Klinik in Offenbach wird die außertarifliche Zulage gekürzt. Betriebsrat, Verdi, SPD und Linke sprechen von einem fatalen Signal.

  • Pflegekräfte am Sana-Klinkum in Offenbach sollen zukünftig insgesamt weniger Lohn erhalten: Die außertariflichen Zulagen werden schrittweise gekürzt.
  • Der Betriebsratsvorsitzende Holger Brenke berichtet, erste Pflegekräfte würden sich wegen der angekündigten Kürzungen nach anderen Jobs umsehen.
  • Auch, weil die Corona-Pandemie in Deutschland weiterhin eine Krise ist, zeigen sich viele Politiker:innen über die Kürzungen am Sana-Klinikum in Offenbach irritiert.

Offenbach - Unverständnis und Frust. Zwischen diesen Emotionen schwanken die Mitarbeiter:innen des Sana-Klinikums Offenbach, die in den Intensivstationen, der Anästhesiepflege, der zentralen Notaufnahme und den Operationsteams arbeiten. So berichtet es Holger Renke, der Betriebsratsvorsitzende.

In Zukunft weniger Lohn für Pflegekräfte im Sana-Klinikum Offenbach

Bislang erhielten diese Pflegekräfte eine außertarifliche Zulage von 250 Euro pro Monat, diese wird ab dem 1. März zunächst um 50 Euro auf 200 Euro ab dem 1. März 2022 um 150 Euro auf 100 Euro gekürzt. „Ein Teil der bisherigen, freiwillig gezahlten, übertariflichen Zulage ist jetzt tariflich abgesichert“, argumentiert Sascha John, Regionalgeschäftsführer Hessen. „Ab 1. März 2021 erhalten die Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst eine monatliche Pflegezulage in Höhe von 70 Euro, die ein Jahr später auf 120 Euro erhöht wird.“

Renke berichtet, dass die Geschäftsführung die Zulage ganz streichen wollte. Der Betriebsrat habe der Kürzung zähneknirschend zugestimmt, denn sonst wäre die Zulage ganz weggefallen. „Wir haben appelliert, diese Entscheidung zu überdenken, da es andere Häuser im Rhein-Main-Gebiet gibt, die für diese Berufsgruppen deutlich mehr zahlen - auch tariflich“, sagt Renke. Es gebe viele Pflegekräfte, die sich nun nach anderen Jobs umschauen würden.

Hohe Arbeitsbelastung durch Corona, Lohn wird insgesamt trotzdem niedriger ausfallen

Die Gewerkschaft Verdi, die SPD und die Linken sprechen von einem „fatalen Signal“ der Geschäftsführung. „Wenn der Sana-Konzern seine Mitarbeiter vergraulen und loswerden will, dann muss die Geschäftsführung nur so weitermachen“, sagt Saadet Sönmez, Offenbacher Landtagsabgeordnete der Linken. Die Mitarbeiter im Klinikum in Offenbach leisteten gerade in der Corona-Pandemie Außergewöhnliches. Die Arbeitsbelastung sei schon davor enorm gewesen und es mangelte an Personal. „Jetzt die persönliche Zulage mit der tariflichen Lohnerhöhung zu verrechnen ist irrwitzig und zeigt, wie wenig Wertschätzung die Geschäftsführung ihren Beschäftigten entgegenbringt“, kritisiert Sönmez.

Der Offenbacher SPD-Vorsitzende Christian Grünewald hält die Entscheidung der Sana-Geschäftsleitung für „ethisch problematisch, sie muss hinterfragt werden.“ Die Argumentation mit höheren Tarifen sei nicht korrekt. „Hinten kommt jetzt bei vielen deutlich weniger heraus, als eigentlich in den Tarifverhandlungen verhandelt wurde – Ein Taschenspielertrick, der auch mich maßlos enttäuschen würde“, sagt Grünewald.

Viel Kritik aus der Politik für Entscheidung des Sana-Konzerns

Hilke Sauthof-Schäfer, Gewerkschaftssekretärin von Verdi rechnet vor: Für eine Vollzeitkraft im Bereich des OP oder der Anästhesie gibt es lediglich die Pflegezulage von 120 Euro ab dem 1. März. Durch die Reduzierung der Arbeitsmarktzulage um insgesamt 150 Euro ab dem kommenden Jahr steht ein Minus von 30 Euro gegenüber dem heutigen Einkommen. In anderen Bereichen, wo es die Wechselschichtzulage gibt, bleibt zwar ein Plus, aber ein deutlich geringeres, als man in den Tarifverhandlungen erstritten habe. „Wertschätzung drückt sich auch über Geld aus“, sagt Sauthof-Schäfer.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg kann verstehen, dass nun Mitarbeiter:innen überlegen würden, das Sana-Klinikum zu verlassen. „Das Klinikum muss seine Entscheidung dringend noch einmal überdenken“ fordert Gersberg. In der Corona-Krise und den steigenden Fallzahlen sei zudem die Angst vor der Überlastung der Intensivstationen sehr groß. „Was passiert, wenn gerade jetzt Personal kündigt?“, fragt sich Gersberg. (Von Timur Tinc)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare