Wer sich die Preziosen des Deutschen Ledermuseums noch einmal anschauen möchte, sollte seinen Besuch für die nächsten Tage planen. Joschka Fischers berühmte Turnschuhe sind schon ins Depot verräumt. Am 1. Juli schließt das Haus und öffnet seine Ausstellungen erst von November an nach und nach wieder, bis es 2011 wieder komplett zugänglich sein wird - wann genau, ist noch unklar.
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Wer sich die Preziosen des Deutschen Ledermuseums noch einmal anschauen möchte, sollte seinen Besuch für die nächsten Tage planen. Joschka Fischers berühmte Turnschuhe sind schon ins Depot verräumt. Am 1. Juli schließt das Haus und öffnet seine Ausstellungen erst von November an nach und nach wieder, bis es 2011 wieder komplett zugänglich sein wird - wann genau, ist noch unklar.

Ledermuseum

Ein Saal für das Schönste und Feinste

  • Madeleine Reckmann
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Das Offenbacher Ledermuseum schließt wegen des Umbaus bis November - möglich machen das großzügige Spender und Stiftungen. Ein Großteil der Anbauten steht bereits. Von Madeleine Reckmann

Wer sich die Preziosen des Deutschen Ledermuseums noch einmal anschauen möchte, sollte seinen Besuch für die nächsten Tage planen. Am ersten Juli schließt das Haus und öffnet seine Ausstellungen erst von November an nach und nach wieder, bis es 2011 wieder komplett zugänglich sein wird - wann genau, ist noch unklar. Grund ist die Erweiterung des Museums, bei der die Ausstellungsfläche um 500 auf 4000 Quadratmeter anwachsen soll.

Jetzt stehen die Umbauten im Innern des Gebäudes an. Im Foyer soll eine Decke eingezogen werden, um einen 100 Quadratmeter großen Saal zu schaffen. Er ist laut Museumsleiter Christian Rathke für das "Schönste und Feinste" bestimmt, was das Museum zu bieten hat: Minnekästchen, Bucheinbände, Behältnisse für Tafelgeschirr aus sieben Jahrhunderten. Der Saal wird Wilhelm-Düncher-Galerie heißen, nach dem Gründer der Taschenherstellerfirma Düncher.

Sein Enkel Rolf Düncher führte das Offenbacher Unternehmen bis 2001 und spendete für den Umbau 150.000 Euro. Die Treppen im Foyer werden nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr zu sehen sein. Eine Wand soll das Treppenhaus abschließen und so für mehr Ruhe sorgen.

Ein Raum für Lederwaren " Made in Offenbach"

Ein Großteil der Anbauten, mit deren Bau im März begonnen wurde, stehen bereits. Sie konnten bei laufendem Betrieb errichtet werden. Eine Decke über den Innenhof wurde bereits eingezogen. Dort sollen später Taschen und Gürtel der Offenbacher Lederwarenindustrie aus dem 20. Jahrhundert ausgestellt werden.

Auch der Obergeschoss-Durchgang wurde verbreitert und aufgestockt. Die Dacharbeiten folgen demnächst. Die Bauarbeiten förderten einige Überraschungen zutage. So ist jetzt etwa klar, warum bei Platzregen das Wasser im Keller stand: "Die Abwasserrohre endeten nicht in der Sickergrube, so dass das Wasser in der Erde versickerte", berichtet Museumsleiter Christian Rathke.

Unter dem Keller des 1928 errichteten Museums wurden außerdem Reste eines früheren Gebäudes gefunden. Deshalb mussten die Fundamente für den Anbau tiefer gelegt und verstärkt werden.

Mehrere Tunnel verlaufen unter dem Gebäude, zu denen die Pläne bislang keine Auskunft geben. Trotz der Unwägbarkeiten erhöht sich der Finanzbedarf nicht. "78 Prozent der Aufträge wurden vergeben. Wir liegen nur 40.000 Euro über den erwarteten Kosten", sagt Rathke.

Der Umbau kostet insgesamt 835.000 Euro. Außer den 150.000 Euro von Rolf Düncher gab es weitere Spenden. 150.000 Euro gibt auch die Stadt dazu, 400.000 Euro stammen aus dem Konjunkturprogramm des Landes Hessen. Die Dr.-Marschner-Stiftung gibt bis zu 135.000 Euro für die Innenausstattung eines Ausstellungssaals, der auch als Vortragsraum genutzt werden soll.

"Die Erweiterung erlaubt uns, zusammenzuführen, was zusammengehört", schwärmt Rathke von den Ausstellungsmöglichkeiten nach dem Umbau. Allein für die Asienabteilung sind zusätzliche 200 Quadratmeter Fläche vorgesehen.

Die Exponate könnten nun ganze Geschichten erzählen, etwa von der tibetanischen Gesellschaft. Denn die sei weniger spektakulär, dafür aber menschlicher, als in Europa bekannt sei. Aus Tibet stammen eine lederbezogene Picknicktruhe, die der Adel auf Ausflügen mitnahm, samt Behältnisse für Lebensmittel, eine Klostertruhe und ein Andachtsbild.

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