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Die Rosinen der Kreativszene

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Von: Sigrid Aldehoff

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Großer Andrang beim 25. Sammelsurium mit handverlesenem Angebot in der Stadthalle

Bloß nicht irgendwo anstoßen oder hängenbleiben! Wer sich am Wochenende gemeinsam mit 5000 bis 6000 meist Besucherinnen des Kreativmarkts Sammelsurium durch die Standreihen drängte, musste höllisch aufpassen, nicht die vielen oft filigranen Ausstellungsobjekte mitzureißen. Kunst und Kitsch, vor allem aber Originelles wurde bei der 25. Verkaufsveranstaltung präsentiert.

Das Konsumentenherz juchzte und ließ sich von Schlüsselreiz zu Schlüsselreiz treiben: Mode! Schmuck! Taschen! Schalen! - äh: Gebilde?!?! Nicht jedes Exponat erschloss sich dem Betrachter sofort bezüglich seines Nutzwertes, aber schön anzuschauen waren die meisten doch. Etwa die Objekte von Elsbet Wiens, die denn auch nur Titel wie „klein und piggelig“ trugen, was ihnen gerecht wurde.

Lange Warteliste

Die Anfänge des Sammelsuriums waren deutlich bescheidener als der heutige Auftrieb: Ursula und Klaus Merbach organisierten den ersten Kreativmarkt vor 25 Jahren im Jugendzentrum Lauterborn, „weil es für Leute wie mich, die keine Bilder malen, sonst wenig Präsentationsmöglichkeiten gab“, erinnert sich Ursula Merbach, die feine durchscheinende Schals und Tops aus Nähgarn mit Filz sowie individuelle Schmuckkreationen anbietet. 750 Besucher kamen zum ersten Sammelsurium und je mehr Ausstellungsfläche im Hof und in den umliegenden Schulen dazugenommen wurde, desto mehr Besucher strömten jährlich dorthin.

Seit 13 Jahren hat das Sammelsurium jeweils am 2. Novemberwochenende seinen festen Platz in der Stadthalle - und die Kreativen stehen Schlange. „Mehr als die 168 Aussteller können wir nicht unterbringen“ bedauert Ursula Merbach, die eine lange Warteliste verwaltet. Die Aussteller sind von ihr und ihrem Mann handverlesen. „Wir sind viel auf Kreativmärkten in Deutschland und gehen auch im Internet spazieren“, beschreibt sie die Rosinensuche im großen Angebot.

Man kennt sich inzwischen in der Szene „das ist wie eine Familie“. Bei der Standbelegung achten sie darauf, dass sich die Themen nicht wiederholen. Jeweils 30 Aussteller pro Jahr werden ausgewechselt, um dem Stammpublikum immer wieder einen Anreiz zum Besuch zu geben.

Optiker Dieter Knott fertigt Brillengestelle auf Wunsch an – für eine Friseurin mit kleinem Kamm und Schere am Gestell, für eine Reiterin mit Hufeisen als Nasensteg und Pferdetrensen am Bügel. Seine Einzelstücke kosten auch nicht mehr als ein Sahneteilchen von Gucci. Kommoden in Miniaturform fertigen Ruth und Paul Pfeffer aus Holz, das lange im Lago Maggiore gelegen hat. „Wir machen praktisch in alles kleine Schubladen, wir können nicht anders“, lachen sie.

„Wir suchen aus, was uns am besten gefällt“, erläutert Ursula Merbach ihr Erfolgsgeheimnis. Wie lange es Sammelsurium noch geben wird? „Wir machen das so lange wir können, aber wir sind beide über 75 Jahre.“

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