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Herr Vittoratos wagt sich aufs Eis vor seiner Haustür.

Offenbach

Riesenpfütze mit Schokopudding

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Im Offenbacher Lauterborn erobert sich die Natur ein Stück Stadt zurück. Dort lebt ein Anwohner seit Jahren mit einer Senke vor der Haustür, in der das Wasser steht.

Wenn Christos-Nikolas Vittoratos aus seiner Haustür tritt, steht er an einem Kleinod biologischer Diversität. Und das, obwohl Herr Vittoratos im Offenbacher Lauterborn wohnt, in der Egerländer Straße.

Dort, wo eigentlich zwei Autos parken sollten, breite sich ein See aus, nicht tief, aber von schier unglaublicher Größe, erzählt er. Dort planschten im Sommer nach Unterrichtsende die Kinder der Lauterbornschule, „manchmal auch in Regenkleidung und Gummistiefeln“. Im Winter, und das hat Herr Vittoratos selbst schon ausprobiert, lässt es sich prima Schlittschuhfahren. Natürlich ist das nicht erlaubt. Denn der Stadtservice hatte die Riesenpfütze schon vor drei Jahren eingezäunt. Allerdings nur auf drei Seiten, sagt Herr Vittoratos.

Der Teich sei so groß, dass selbst im Rekordhitzesommer 2018 bis zuletzt das Wasser in der Senkung stand. Am Ende habe es sich zwar brackig und dickflüssig in der Mitte gesammelt, mit einer Konsistenz „beinahe wie Schokopudding“. Aber es war noch da. Und im Frühjahr und im Herbst machten hier die Zugvögel Station. Sogar ein Entenpaar habe sich schon hierher verirrt. Vielleicht sei das Zufall gewesen, sagt Herr Vittoratos, der meint: Wenn hier kein Asphalt wäre, die Offenbacher Senke wäre ein prima Biotop für Pflanzen.

Drei Jahre mindestens breite sich der See nun schon vor seiner Haustür aus, sagt Herr Vittoratos. Seine kleinen Töchter kennen die Straße gar nicht anders. Solange wie er in diesem Haus wohne, habe sich der Boden immer wieder abgesenkt, was die Stadt auch jedes Mal behoben habe. Bis ihm vor drei Jahren von einer Besuchergruppe der Stadt gesagt worden sei, das lohne sich nicht, besser sei es, ein Ablaufrohr zum nächsten Kanal zu legen.

Dann wurde die dreiseitige Absperrung aufgestellt, und seitdem: nichts. Auch nicht, nachdem Herr Vittoratos vor einem Jahr noch einmal den Online-Mängelmelder der Stadt bemüht hat. Die Absperrung und die Straße seien zwischenzeitlich eine unauflösliche Symbiose eingegangen, sagt Herr Vittoratos. Eine Anfrage der FR bei der Stadt blieb gestern aus personellen Gründen unbeantwortet.

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