Die jetzt im Offenbacher Nordend eingerichteten Hilfeinseln sind mit einem knuffigen Polizei-Löwen namens Leon plakatierte Geschäfte, an die sich Kinder in Notfällen wenden können. Allerdings hatte CDU-Politiker und Kinderfarm-Aktivist Simon Isser schon 2009 den Magistrat befragt, ob Offenbach nicht auch wie in anderen Städten "Noteingänge für hilfesuchende Kinder" schaffen wolle. Die Antwort damals fiel einhellig negativ aus. Das von Birgit Simon (Grüne) geführte Sozialdezernat sah damals pädagogische Mängel.
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Die jetzt im Offenbacher Nordend eingerichteten Hilfeinseln sind mit einem knuffigen Polizei-Löwen namens Leon plakatierte Geschäfte, an die sich Kinder in Notfällen wenden können. Allerdings hatte CDU-Politiker und Kinderfarm-Aktivist Simon Isser schon 2009 den Magistrat befragt, ob Offenbach nicht auch wie in anderen Städten "Noteingänge für hilfesuchende Kinder" schaffen wolle. Die Antwort damals fiel einhellig negativ aus. Das von Birgit Simon (Grüne) geführte Sozialdezernat sah damals pädagogische Mängel.

Koalition

Reizthema Kinderkommissar

Wer hatte die Idee, und wie gut ist die eigentlich? In der Koalition hängt der Haussegen schief. Schuld daran ist ein knuffiger Plüschlöwe und das mit ihm beworbene Kinder-Projekt Hilfeinseln.

Von Jörg Muthorst

Wer hat's erfunden? Nein, diesmal nicht die Schweizer. Aber auch nicht die Christdemokraten, selbst, wenn sie sich gerne als Ideengeber für die jetzt im Offenbacher Nordend eingerichteten Hilfeinseln verstehen. Das sind im Wesentlichen mit einem knuffigen Polizei-Löwen plakatierte Geschäfte, an die sich Kinder in Notfällen wenden können.

Allerdings hatte CDU-Politiker und Kinderfarm-Aktivist Simon Isser schon 2009 den Magistrat befragt, ob Offenbach nicht auch wie in anderen Städten "Noteingänge für hilfesuchende Kinder" schaffen wolle. Die Antwort damals fiel einhellig negativ aus. Das von Birgit Simon (Grüne) geführte Sozialdezernat sah pädagogische Mängel.

Dennoch wurde dieses "Schaufensterprodukt" (Grüne) jetzt eingeführt: mit Hilfe des Ordnungsdezernenten Paul-Gerhard Weiß (FDP). Für den grünen Koalitionspartner ein eigenmächtiger Alleingang, eine Missachtung eines verbindlichen Beschlusses, kurz: ein Politikum.

Starttermin - mit Absicht im Urlaub der Bürgermeisterin?

Während die Union jubelt, Weiß habe sich offenbar gegen seine Magistratskollegin durchgesetzt, hängt in der Ampel-Koaltion der Haussegen schief. Weiß habe seinen "politischen Wackelkurs" nicht abgestimmt, mit dem Magistrat nicht, mit dem Sozialdezernat nicht und mit den Koalitionspartnern schon gar nicht, schimpft Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Schneider und argwöhnt, auch der Starttermin sei bewusst in den Jahresurlaub Simons gelegt worden. Vertrauliche Partnerschaft sieht anders aus.

Weiß, inzwischen ebenfalls in Urlaub, hält die Kritik der Grünen für überzogen. Das Thema gebe so viel Aufregung gar nicht her. Während FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck den Magistratsbeschluss als "Situationsbeurteilung" , die keinen Gesetzescharakter habe, zu relativieren versucht, bemüht sich der Stadtrat um Schadensbegrenzung.

Er sei im Präventionsrat mit OB Horst Schneider (SPD) und auch Bürgermeisterin Simon übereingekommen, das dort von den Initiatoren, der Polizei und dem freien Bildungsträger Starthaus, vorgestellte Hilfeinsel-Konzept kommunal zu begleiten und nach einem Jahr auszuwerten. Den Beginn der Aktion habe nicht er, sondern Starthaus benannt.

Keine Staatsaffäre

Für Stirböck ist nicht nachvollziehbar, warum die Grünen das jetzt "zur Staatsaffäre hochstilisieren". Soweit mag auch Peter Schneider nicht gehen. Die Koalition funktioniere gut, in Einzelfällen sei man eben unterschiedlicher Auffassung.

So auch bei der von der FDP favorisierten Brötchentaste, gegen die die Grünen schon wetterten, noch bevor der Magistrat dazu eine Position bezogen hatte. Ein "unfreundlicher Akt", so Weiß. Dennoch arbeite er mit Simon dezernatsübergreifend gut zusammen. Vielleicht fehlt den Partnern im Rathaus eben einfach nur eine Hilfeinsel.

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