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Angelika Trabert beim Mannheimer Maimarkt-Turnier auf Ariva-Avanti.

Dreieich

Geerdet von der Arbeit in Guinea

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Die Reiterin und Ärztin Angelika Trabert hat sich durch ihre Behinderung nie einschränken lassen. Sie hat so viel erreicht und viel bewegt.

Die vermutlich erfolgreichste Sportlerin Dreieichs kann kaum noch zählen, wie viele Medaillen sie hat. Mehr als 20 sind es auf jeden Fall. Angelika Trabert, Ärztin und Dressurreiterin aus Buchschlag, hat fünf Mal an der Behinderten-Olympiade Paralympics teilgenommen, war bei fünf Europa- und fünf Weltmeisterschaften – und auch bei den Paralympics 2016 in Rio wäre die 47-Jährige gerne wieder dabei.

Ihr Lebensmotto „It’s ability, not disability that counts“ lässt sich nur holprig ins Deutsche übersetzen: Es zählen, so ist sie überzeugt, die Fähigkeiten, nicht die Einschränkungen. Trabert wurde ohne Beine und mit einer Fehlbildung der rechten Hand geboren. Mit Prothesen kann sie laufen, sie taucht, sie wedelt mit einem Spezial-Ski durch den Schnee, und vor allem ist sie seit Kindertagen eine begeisterte Reiterin – eine außergewöhnlich talentierte.

Gerade hat sie nun auch die Sportmedaille ihrer Heimatstadt verliehen bekommen. So spät erst? „Ach, das lag an meinem vollen Terminkalender“, sagt sie und lacht. „Der Bürgermeister hat mir in den vergangenen Jahren immer zu meinen Siegen gratuliert.“

Großes Engagement für Afrika

Mehrere Pferde hat Trabert auf dem Hof ihres langjährigen Trainers Heinrich Brähler in Herbstein im Vogelsberg stehen. Die Tiere wollen regelmäßig bewegt und gepflegt werden, sie muss natürlich selbst trainieren, und dann hat sie ihren Berufsalltag als Anästhesistin am Sana-Klinikum Offenbach und in einer Tagesklinik in Frankfurt-Höchst. Und ganz nebenbei ist sie ja auch noch verheiratet. Traberts Energie ist bewundernswert, und die ist offenbar auch mit dem Vollprogramm Reiten-Arbeiten-Privatleben noch längst nicht aufgebraucht.

Denn die Ärztin engagiert sich auch auf bewundernswerte Weise im westafrikanischen Land Guinea, in dem es kaum Krankenhäuser gibt. Der Frankfurter Verein „Mango“ (Medizinische Aktionen in Guinea) entsendet regelmäßig Delegationen von Ärzten in den Ort Koolo Hinde.

Dreimal hat Trabert die Gruppe als Anästhesistin begleitet, und gerne wäre sie auch Anfang 2015 wiedergekommen. Doch wegen der grassierenden Ebola-Epidemie wurde die Reise abgesagt. „Ich wusste schon im Februar von einem ersten Fall in Guinea“, berichtet Trabert. „Aber die Medien hat das erst interessiert, als es Erkrankungen in Spanien und den USA gab.“ Mittlerweile ist es wieder still geworden, doch die Krankheit wütet weiter, von den reichen Industriestaaten mehr oder weniger ignoriert.

2009 besuchte Trabert das Elf-Millionen-Einwohner-Land Guinea zum ersten Mal. „Damals war ich unsicher, ob ich mitfahren sollte“, erzählt sie. „Ich dachte, Hilfsorganisationen könnten eine Rollstuhlfahrerin nicht gebrauchen.“ Der Gründer von Mango, der aus Guinea stammende Arzt Baba Alimou Barry, überzeugte sie schließlich aber doch, weil er dringend noch einen Facharzt im Team benötigte. Bereut hat sie das nicht. Es sei schon erstaunlich, was acht bis zehn Helfer in knapp zwei Wochen Operationstagen erreichen könnten. Bis zu 130 Patienten werden in dieser Zeit operiert. „Mich erden diese Besuche“, sagt sie. „In Deutschland meckern wir doch auf hohem Niveau.“

Herzlichen, fröhlichen Menschen ist sie begegnet. „Als ich das zweite Mal kam, waren die Leute ganz erstaunt“, erinnert sie sich. „Ihnen ist sehr wichtig, dass wir wiederkommen.“ Der Weg allerdings ist anstrengend, Direktflüge gibt es keine, Touristen auch nicht. Hilfsgüter nehmen die Ärzte meist in ihrem Reisegepäck mit, denn viele Medikamente, die man im Land kaufen kann, sind gefälscht und wirkungslos. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt gerade einmal 42 Jahre. Malaria und Gelbfieber sind weit verbreitet.

Für die 400 Kilometer von der Hauptstadt Conakry bis nach Koolo Hinde braucht ein Bus zwölf Stunden. Fließendes Wasser gibt es nicht, der einzige Kühlschrank ist für die Arzneimittel in dem OP-Zentrum reserviert. „Sie glauben gar nicht, wie sehr man sich dann über eine Flasche kaltes Bier oder eine heiße Dusche freut“, sagt Trabert. „Ich hoffe, ich kann 2016 wiederkommen!“

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