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Pfarrerin Brigitte Hoßbach und Jan Gramberg packen ein, die Gemeinde bricht auf.
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Pfarrerin Brigitte Hoßbach und Jan Gramberg packen ein, die Gemeinde bricht auf.

Lauterborngemeinde

Reihenhäuser statt Kirchengemeinde

Zum letzten, dem Umzugsgottesdienst, hatte die Lauterborngemeinde geladen. Kirche und Gelände sind verkauft, ab Sommer werden die Gebäude abgerissen und Reihenhäuser gebaut. Den Umzug startete die Gemeinde am Sonntag gemeinsam.

Von Madeleine Reckmann und Martin Brust

Die Begriffe „Ewigkeit“ und „neuer Morgen“ in einem Kirchenlied sind nicht überraschend. Am gestrigen Sonntagmorgen im Lauterborn waren sie aber doppeldeutig. Die evangelische Lauterborngemeinde hatte zum Umzugsgottesdienst geladen. Denn Kirche und Gemeindehaus wurden nicht für die Ewigkeit gebaut, sie werden abgerissen. Dort werden Wohnhäuser gebaut. Zum letzten Mal läutete die Kirchenglocke an diesem Ort gegen den Fluglärm an. Im Inneren der Kirche waren fast alle Stühle besetzt. Manches Gemeindemitglied verdrückte heimlich eine Träne im Augenwinkel.

Der Umzug brachte den Gemeindemitgliedern einen ungewohnten Gottesdienst, der in zwei Hälften geteilt war. Nach der ersten halben Stunde brach die Gemeinde gemeinsam zu Fuß oder in Fahrgemeinschaften in die Paul Gerhardt-Gemeinde auf, die für den neuen Morgen steht. „Wir gehen nicht alleine, wir gehen zusammen“ hatte zuvor Pfarrer Simon Pascalis gesagt, von Wehmut und Unsicherheit gesprochen. „Geschichten, die ins Herz geschrieben sind“, so Pfarrerin Brigitte Hoßbach, und die mit ihrer Kirche zusammenhängen, erzählten dann Gemeindemitglieder wie Hannah, die hier getauft wurde oder Jessi, die von sich sagte, sie sei hier „fast so etwas wie erwachsen geworden“.

Viele Gemeindemitglieder trugen eigenhändig kleinere Gegenstände aus dem alten ins neue Domizil, wo der Gottesdienst fortgesetzt wurde. Mit „Nehmt Abschied Brüder“ verabschiedete der Posaunenchor der Gerhardt-Gemeinde die Lauterborner aus ihrer alten Kirche. Obwohl ihr künftiges Gotteshaus nur 1200 Meter entfernt ist, wurde auch Kritik laut. „Es ist traurig, dass die Kirche platt gemacht wird, sie ist als sozialer Treffpunkt für die Menschen im Lauterborn unverzichtbar“, sagte ein langjähriges Gemeindemitglied, dass seinen Namen aber nicht in der Zeitung sehen will.

Das Gelände der Kirchengemeinde hat der evangelische Kirchengemeindeverband kürzlich dem Wiesbadener Projektentwickler Traumhaus Projekt Alpha verkauft. Das Grundstück werde im Spätsommer übergeben, teilt Dekanin Eva Reiß mit. „Wir brauchen Zeit, um den Verbleib einiger Dinge wie Glocke oder Kirchturmkreuz zu klären.“

Die Zahl der Protestanten im Lauterborn ist von 4750 im Jahr 1970 auf heute 1476 gesunken. Die Gemeinde fusioniert mit Paul-Gerhardt-, Luther- und Schlosskirchengemeinde zu einer 5500 Mitglieder starken Gemeinde. „Uns ist wichtig, dass jetzt Wohnhäuser entstehen, die Familien Heimat geben“, so Reiß. Traumhaus Projekt Alpha möchte etwa 20 Reihenhäuser zu 140 Quadratmetern Wohnfläche erstellen. Der Fluglärm über dem Lauterborn ist kein Hindernis: Das Grundstück liegt in der Tagschutzzone 1, die lediglich lärmisolierte Bauweise vorschreibt.

Vom Erlös für den Verkauf wird der Umbau des Paul-Gerhardt-Gemeindezentrums in der Lortzingstraße bezahlt. Zudem kommt das Geld der Umgestaltung der Kindertagesstätte in der Felix-Mendelssohn-Straße zugute. Dort soll die Hausaufgabenbetreuung einziehen.

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