Hören Per Oldehaver (l.) zu: Jennifer Reffel und Renzo Buchelli.
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Hören Per Oldehaver (l.) zu: Jennifer Reffel und Renzo Buchelli.

Siemens in Offenbach

Protest gegen Siemens geht weiter

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Unterschriftensammlung für den Erhalt der Siemens-Arbeitsplätze in Offenbach läuft auf Hochtouren. Die nächste Kundgebung steht bereits am Donnerstag an.

Die Kollegin kommt mit der Eingabe der Unterschriften nicht nach“, sagt Luis Sergio. Der für die IG Metall Offenbach tätige Gewerkschaftssekretär spricht von den Unterschriftenlisten, die seit November überall in Hessen im Umlauf sind – und die ausgefüllt nun so langsam wieder im Gewerkschaftsbüro in der Berliner Straße eintrudeln. „Siemens bleibt in Offenbach“ steht in großen Lettern auf den Listen. Und es stehen die Erstunterzeichner darauf: Von Volker Bouffier (CDU) bis Janine Wissler (Linke) sind so ziemlich alle großen politischen Akteure aus Land und Region dabei. Beim Thema Siemens ziehen alle an einem Strang. So scheint es zumindest.

Auch die Offenbacher Linke hat am Dienstagmittag in der Fußgängerzone Unterschriften gesammelt. Bei eisigem Wind und vor einem Plakat, auf dem viele kleine Fische zu sehen waren, die einem großen Fisch hinterherjagen, schaffte es die Gruppe um Per Oldehaver, in zwei ungemütlichen Stunden, mehr als 80 Unterschriften zu sammeln: Unterschriften gegen die geplante Entlassung oder Verlegung der rund 800 Siemens-Beschäftigten, die am Standort Offenbach Gaskraftwerke planen.

Bereits mehr als 3600 Unterschriften gesammelt

„Wir waren von der Resonanz überwältigt“, sagte Oldehaver nach der „Solidaritätsaktion“. Die meisten der Passanten hätten beim Stichwort „Siemens“ sofort gewusst, worum es geht, und gefragt, wo sie unterschreiben können. Zeitgleich zur Sammelaktion hat die Linke im Bundestag den Antrag zu einem Gesetz gegen Massenentlassungen eingebracht.

Eine derer, die in Offenbachs Fußgängerzone ohne jegliches Zögern unterschrieben hat, ist Jennifer Reffel. Die Krankenpflegerin aus Obertshausen findet, dass ein Unternehmen, das große Gewinne macht, seine Beschäftigten unterstützen müsse – auch wenn sich die Marktsituation ändert. „Und wenn etwas Ungerechtes passiert, hat jeder die Pflicht, stop zu sagen“, fügt sie hinzu. Sofort unterschreibt auch Constanze Schneider: Die Offenbacherin macht sich vor allem Gedanken um die etwas älteren Angestellten, die wohnortnah so schnell sicherlich nichts Neues fänden. „Wir müssen Dampf machen“, sagt Schneider und eilt in Richtung Bushaltestelle.

Luis Sergio von der IG Metall schätzt, dass mittlerweile gut 3000 Unterschriften zur Digitalisierung im Gewerkschaftsbüro liegen – dazu kommen über 600 digitale Unterschriften, die direkt auf der Kampagnenseite siemens-bleibt-in-offenbach.de abgegeben wurden. Bis zur Hauptversammlung des Unternehmens im Januar wolle man auf jeden Fall weitersammeln, sagt Sergio. Zunächst gibt es in der Innenstadt aber wieder eine Kundgebung: Am Donnerstagmittag wird unter anderem Offenbachs OB Horst Schneider (SPD) erwartet.

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