+
Baden verboten: Am Offenbacher Schultheisweiher ein gewohnter Anblick.

Offenbach

Der Problemsee

  • schließen

Filter für den Schultheisweiher würden 600 000 Euro kosten.

Es gibt kaum eine Sache in Offenbach, die so zuverlässig Stoff für Berichterstattungen liefert wie der Schultheisweiher: Jahr für Jahr sorgt die ehemalige Baggergrube im Mainbogen zwischen Rumpenheim und Bürgel für negative Schlagzeilen. Das Ganze folgt, so könnte man meinen, einer bestimmten Regel: Der See wird Anfang Mai für den Badebetrieb geöffnet, Umweltamt und Stadt loben die Wasserqualität und dass alle Bemühungen zur Instandhaltung gefruchtet hätten, kurz darauf muss dann der Badebetrieb doch eingestellt werden.

So auch in diesem Jahr. Seit Ende Mai ist der See für den Badebetrieb gesperrt, die Blaualgen (Cyano-Bakterien) haben sich auch in diesem Jahr wieder stark vermehrt. Diese können bei einigen Menschen heftige allergische Reaktionen hervorrufen.Vergangene Woche spitzte sich die Situation dann weiter zu: Durch Sauerstoffmangel, die hohe Blaualgenbelastung und die hohen Temperaturen verendete eine große Anzahl an Fischen, auch die seit 2017 in dem Gewässer ausgesetzten Aale waren davon betroffen. Freiwillige Feuerwehr und Angelsportverein retteten 45 noch lebende Fische in andere Gewässer, die auf dem Wasser treibenden Kadaver wurden die Woche über abgefischt.

„Das Hauptproblem des Sees ist der hohe Phosphatgehalt“, sagt Stadtsprecher Fabian El-Cheikh. Dadurch würde der Sauerstoffgehalt so sehr absinken, dass die Fische absterben. Die Cyano-Bakterien dagegen vermehren sich stark und sorgen für ein weiteres Absinken des Sauerstoffgehalts.

Nur die Entfernung der Phosphate aus dem Wasser mittels Filteranlage würde laut Stadt dauerhaft den See retten – doch diese ist teuer. Vergangenes Jahr sagte Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach noch, eine solche Anlage würde 400 000 Euro kosten, aktuell spricht die Stadt von Kosten in Höhe von 600 000 Euro. Auch wenn die Stadt nichts dazu schreibt, ist davon auszugehen, dass der Einsatz einer Filteranlage Folgekosten etwa für Wartung und Überprüfung nach sich zieht. Die Begeisterung der Stadtverordneten für diesen Vorschlag dürfte sich auch in diesem Jahr angesichts der immer noch angespannten Haushaltslage und der ohnehin hohen Ausgaben für Schulbau und -sanierung in Grenzen halten.

Dabei hat die Stadt schon viel Geld in den See investiert: Über 200 000 Euro werden Jahr für Jahr im Schnitt für den See ausgegeben. Ein Mähboot für Wasserpflanzen im See wurde angeschafft, Berufsfischer fischten den Graskarpfen ab, der einst zur Verringerung der Wasserpflanzen ausgesetzt wurde, über Jahre gab es eine aufwendige Seesanierung. Vor zwei Jahren begann dann der Versuch, die im See ausgesetzten Amerikanischen Roten Sumpfkrebse mit eigens eingesetzten Aalen zu bekämpfen. Denn der Sumpfkrebs zerstört wie zuvor der Graskarpfen Wasserpflanzen, die für mehr Sauerstoff im See sorgen würden. Allerdings würden das auch die Aale auf der Futtersuche tun, hatte schon 2017 ein Biologe des Regierungspräsidiums im Gespräch mit der FR angemerkt.

Lösungsvorschläge abseits der Filteranlage gab es in der Vergangenheit auch einige, etwa einen künstlichen Zufluss zu schaffen oder eine Wasserumwälzanlage zu installieren. Laut Stadt würde jedoch nur eine Filteranlage dauerhaft für Abhilfe sorgen.

Den Badebetrieb einzustellen, würde die Stadt aber nicht ihrer Verpflichtung entbinden, den See als Naturschutzgebiet zu erhalten. Daher steht nun wieder eine Entscheidung an: Entweder über eine halbe Million Euro für die Filteranlage ausgeben oder zusehen, wie der See langsam zum Sumpfgebiet wird. Beides sind keine rosigen Aussichten für die Bürger.

Schultheisweigher

Der Schultheisweiher hat eine Wasserfläche von knapp 10,4 Hektar und ist eine ehemalige Baggergrube.

Seinen Namen hat der See von der Firma Schultheis, die ab 1928/29 im Mainbogen Sand und Kies abbaute. Bis Ende der 1970er Jahre füllte sich die Baggergrube mit Wasser.

1975 stimmten die Firmen Schultheis und Cassella, der ein Teil des Areals gehörte, zu, dass der See in den Besitz der Stadt übergeht. Bis dahin wurde der See von Angelvereinen, aber auch von Tauchgruppen genutzt. Alte Zeitungsberichte erwähnen auch eine illegale Surfschule und illegale Müllentsorgung am See.

Seit 1983 ist ein Teil des Sees als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 2008 wurde er zum Europäischen Vogelschutzgebiet ernannt, da er für viele Wasservögel ein wichtiger Rastplatz ist.

Baden ist im Schultheisweiher von Anfang Mai bis Mitte September erlaubt. Wegen des Naturschutzgebiets dürfen weder Boote noch Luftmatratzen im See benutzt werden, auch Verkaufsstände sind dort nicht gestattet. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare