Missbrauch in Offenbach

Töchter jahrelang missbraucht

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Ein Vater missbraucht seine Töchter jahrelang sexuell. Das Landgericht Darmstadt verurteilt den 53-Jährigen nun zu sechs Jahren und vier Monaten Haft.

Wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs seiner beiden 11 bis 14 Jahre alten Töchter hat das Landgericht Darmstadt gestern einen 53-jährigen Mann aus Seligenstadt zu sechs Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Nach drei Verhandlungstagen sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Vater die Mädchen zwischen 1996 und 2005 in Offenbach, wo die Familie bis 2003 wohnte, und zwei anderen Orten im Kreis missbraucht hat. In sieben der insgesamt acht Fälle waren die Töchter jünger als 14 Jahre gewesen. 13 Taten waren angeklagt gewesen, fünf jedoch bereits verjährt.

Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft beantragt. Sie hatte dem Angeklagten vorgehalten, dieser habe seine Vertrauensstellung als Vater „gnadenlos und perfide“ ausgenutzt und seine sexuellen Fantasien an den Töchtern ausgelebt. Diese hätten ein fünfzehnjähriges Martyrium hinter sich. Seinem Antrag, den Haftbefehl wegen Fluchtgefahr sofort zu vollstrecken, da der Mann neben der deutschen die brasilianische Staatsangehörigkeit besitzt, wurde nicht stattgegeben. Vorsitzender Richter Marc Euler sah keine Fluchtgefahr.

Anwältin nennt ihn „Monster“

Die Anwältinnen Friederike Vilmar und Annette Vester-Weber als Nebenklage-Vertreterinnen hatten ebenfalls „mindestens“ acht Jahre Haft gefordert. Vilmar betonte, es handele sich bei den nun verhandelten Taten lediglich um „die Spitze des Eisbergs“. Denn tatsächlich habe sich der Vater bereits an seiner sechs bis sieben Jahre alten Tochter vergriffen. Es sei lächerlich, was als Anklage übrig geblieben sei, sagte sie. Nach ihren Worten hat der Angeklagte das Harmoniebedürfnis und die Folgsamkeit der älteren Tochter ausgenutzt, die alles getan habe, um die Familie zusammenzuhalten. Beide Töchter seien „bis zur Selbstaufgabe“ manipuliert, sexuell angelernt und missbraucht worden. Ihr emotionales Leid sei kaum zu sühnen. „Statt einen Vater haben sie ein Monster gehabt, das sie entjungferte“, sagte sie.

Die Anwältin lobte in ihrem Plädoyer den Mut und das Durchhaltevermögen der inzwischen 25 und 27 Jahre alten Frauen, die mehrfach ihre Glaubwürdigkeit gegenüber der Polizei, Gutachtern und dem Gericht unter Beweis stellen mussten. Die Schwestern hatten bereits 2011 Anzeige erstattet. Aber erst 2013 war Anklage erhoben und wohl wegen Überlastung des Gerichts das Verfahren, das bereits einmal für 2015 terminiert war, erst am 1. Juni eröffnet worden.

Vilmar hielt dem Angeklagten vor, den Mädchen den Auftritt vor Gericht nicht erspart zu haben. „So hätten Sie ein bisschen Vatersein zeigen können“, sagte sie. Jens Gajewski, der Verteidiger des Angeklagten, zog die Glaubwürdigkeit der Töchter nicht in Zweifel. Er nannte aber die zeitliche Eingrenzung der Taten problematisch. Bei manchen Angaben gebe es Widersprüche, etwa bei der Frage, wie alt die Mädchen zum Zeitpunkt der Übergriffe waren. Er forderte 24 Monate Haft auf Bewährung.

Als letzte Zeugin wurde gestern eine Polizistin gehört, die die Töchter und auch die Mutter 2011 vernommen hatte. Sie bezeichnete es als „Glücksfall für uns Ermittler“, dass es gelungen sei, Einzeltaten herauszuarbeiten, weil sich die Schwestern an Besonderheiten nach Umzügen, neuem Sofa, Ausflügen oder Urlauben erinnern und die Taten zeitlich zuordnen konnten.

Übergriffe folgten Muster

Nach ihren Angaben folgten die Übergriffe einem Muster: Zunächst habe der Vater mit der Tochter beim Fernsehen auf der Couch gekuschelt, diese später unter der Kleidung und im Intimbereich gestreichelt, und schließlich sei es zum Geschlechts- und Oralverkehr gekommen. Die meisten Übergriffe passierten zu Hause, wenn die Mutter arbeiten war. Dann wurde die Wohnungstüre von innen verschlossen. Die Polizistin nannte die Ausführungen der beiden Frauen absolut glaubwürdig. Beide hätten keinen „Eifer“ an den Tag gelegt, den Vater zu belasten.

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