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Das havarierte Tankschiff steckte verkantet in der Offenbacher Schleuse fest.

Offenbach

Tankschiff havariert in Schleuse

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Ein 109 Meter langes Tankschiff ist gegen die Wand der Offenbacher Schleuse gestoßen und auf der Seite aufgerissen.

Am Donnerstagmittag läuft alles schon wieder in geordneten Bahnen: Ein großer Frachter mit Schüttgut passiert gerade die neue Schleusenkammer der Offenbacher Schleuse. Nichts deutet darauf hin, dass hier ein paar Stunden vorher das Tankschiff „Köpenick“ hängengeblieben und beschädigt worden ist. Wer genauer hinsieht, entdeckt aber doch einen Hinweis: In Höhe des Schleusentors sind auf der Kaimauer Blinklichter aufgestellt, die die Unfallstelle absichern und verhindern sollen, dass Personen dort entlanglaufen.

Was war passiert? Am Mittwoch gegen 21.30 Uhr stieß das Tankschiff, das unter deutscher Flagge aus dem Frankfurter Ölhafen mainabwärts unterwegs war, bei der Einfahrt in die nördlich gelegene Schleusenkammer mit der rechten Seite gegen die Kaimauer. Durch die Wucht des Aufpralls driftete der 109 Meter lange Koloss nach links und krachte mit dem Bug an eine hervorstehende Kante der Schleusenspundwand. Dort riss es sich auf zwei Metern Länge die Bordwand auf, verkantete sich und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. „Das Schiff hatte ursprünglich Heizöl geladen, war aber jetzt leer“, sagt Bernd Konze, Schichtleiter im Schleusenbetriebsdienst an der Offenbacher Schleuse. Eine Gefahr für die Umwelt bestand somit nicht. Da sich der Riss oberhalb der Wasserlinie befand, war auch ein Sinken des Schiffes ausgeschlossen.

„Wir haben das havarierte Tankschiff in der Nacht festlegen lassen“, sagt Dietmar Droste von der Abteilung Wasserstraßenüberwachung beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg. Der Schiffsverkehr sei kaum beeinträchtigt worden, da die Schiffe in die südlich gelegene alte Schleusenkammer einfahren konnten. „Die Schleusung dauerte einfach ein bisschen länger, weil statt zwei Kammern nur eine zur Verfügung stand“, sagte Droste.

In den Morgenstunden begann dann die Bergung. Dazu wurde der Main zwischen Offenbach und Mühlheim laut Droste zunächst um zehn Zentimeter aufgestaut. Dann wurde auf der rechten Schiffsseite Wasser in einen Tankraum eingefüllt und auf der linken Seite Ballast abgelassen. Dadurch hob sich das Schiff. Um 10.40 Uhr konnte es mit mit Zughilfe eines Arbeitsbootes vom Wasser- und Schifffahrtsamt rückwärts von der Schadensstelle gezogen werden. Taucher und Schlosser kamen zum Einsatz, die überprüften, inwieweit die Schleuse Schaden genommen hatte.

„Verletzt wurde niemand, und auch der Schaden ist Gott sei Dank keine große Sache“, sagt Konze. Zur Schadenshöhe konnte die Polizei noch keine Aussage treffen. Um 11 Uhr ging die nördliche Schleusenkammer wieder in Betrieb.

Das Tankschiff durfte seine Fahrt fortsetzen, erhielt aber vom Schifffahrtsamt die Auflage, die Werft in Wesel anzufahren, um den Schaden reparieren zu lassen. Außerdem müsse der Laderaum während der Fahrt stets auf Wassereintritt überprüft werden.

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