Chillen am Fluss - dieses Jahr wird es das nicht mehr geben.
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Chillen am Fluss - dieses Jahr wird es das nicht mehr geben.

Offenbach Mainufer

Schatten auf dem „Sonnendeck“

  • vonJörg Echtler
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Die Betreiber des „Sonnendecks“ am Offenbacher Mainufer beenden die Saison vorzeitig. Der Grund: Unbekannte sind in den vergangenen vier Wochen dreimal in der mobilen Bar-Lounge eingebrochen.

Das Isenburger Schloss im warmen Gegenlicht eines Sommerabends. Darüber der Schriftzug: „Manaia – das Sonnendeck“. Ein Plakatmotiv zum Träumen. Auf einer weißen Sichtschutzplane steht noch „opening soon“, schon etwas verblasst. Als Michael (29) und Oliver Reif (25) ihre mobile Bar-Lounge am Mainufer erreichen, ziehen dunkle Wolken auf. Und düster sieht es auch um die nächste Zukunft des Projekts aus, das die beiden Brüder im vergangenen Jahr mit viel Elan gestartet haben.

Der Grund: Diebstahl und Sachbeschädigung. Bereits im August 2012 räumten Unbekannte das Getränkelager aus, warfen Liegestühle ins Wasser und versuchten, Feuer zu legen. Fünfmal mussten die Reifs in ihrer ersten Saison die Polizei rufen. In diesem kam es nun noch dicker. Drei Vorfälle in wenigen Wochen. Die Türen des aufwendig restaurierten 50er-Jahre-Barwagens wurden mit Brechstangen traktiert, Pflanzen zerstört. „Wir sind an der Grenze des Erträglichen“, sagt Michael Reif.

200.000 Euro investiert

Viel Zeit und Geld haben die beiden Brüder aus Dessau, die vor acht Jahren nach Offenbach kamen, in ihr Projekt investiert. Rund 200.000 Euro ist die Ausstattung der Bar inzwischen wert – einschließlich eines Toilettenwagens mit geschlossenem Wasserkreislauf und ebenfalls im schicken Retrodesign, mit dem die Reifs eine städtische Auflage erfüllten. Für den Betrieb der Bar mussten sie außerdem einen eigenen Strom- und Wasseranschluss legen.

In der ersten Saison machte „Manaia“ einen Verlust von 19.000 Euro. Es sollte dennoch weitergehen – mit einer Bodenplatte und Verglasung der beiden Zelte für die Gäste. Das Hochwasser ,machte den Brüdern einen Strich durch die Rechnung. Und die erneuten Einbruchsversuche und Sachbeschädigungen. Am Wochenende hat die Bar noch einmal geöffnet, dann ist Schluss für dieses Jahr. „Das finanzielle Risiko ist zu groß“, sagt Michael Reif.

Trotz ihrer Erfahrungen halten die Brüder das Offenbacher Mainufer weiter für einen Ort mit Potenzial. Für die fast drei Millionen Radfahrer, die dort jährlich vorbeikommen, sei es die Visitenkarte der Stadt. Umso unverständlicher ist es aus ihrer Sicht, dass nichts geschehe, um diesen Ort sicherer zu machen – etwa durch bessere Beleuchtung. Um die Situation zu verbessern, starten die Brüder mit anderen jetzt die Initiative Mainpromenade. Auch Georg Klein vom Kulturwaggon klagt über vermehrte Einbrüche in der letzten Zeit, bei denen Maschinen, Mikrofone und Geld gestohlen wurde. „Eine günstigere Beleuchtung wäre schon hilfreich“, sagt er. Auch über häufigere Streifen würde er sich freuen.

„Wir fahren dort mehrmals täglich vorbei, auch in den Abendstunden“, sagt Polizeisprecher Rudi Neu. Die Vorfälle seien aufgenommen und verfolgt worden. Da die „Spurenlage“ aber „sehr dünn“ sei, konnten bisher keine Täter ermittelt werden. Das Mainufer gelte bei der Polizei aber nicht als Kriminalitätsschwerpunkt. „In der Innenstadt ist es viel brisanter“, so Neu.
Stadtsprecher Matthias Müller lobt das Engagement der Reifs am Flussufer. „Es ist toll, dass dort etwas passiert.“ Dennoch sei das Gebiet auch aus Sicht der Stadt kein Brennpunkt der Straftaten. Für zusätzliche Außenbeleuchtung oder eine Überwachungsanlage müssten die Betreiber des „Manaia“ einen Antrag stellen, über den dann entschieden werde. Doch es gebe Bedenken, „das ganze Mainufer zu überwachen“.

www.facebook.com/mainpromenade

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