Über 400 Siemens-Mitarbeiter demonstrierten für den Erhalt der Offenbach-Niederlassung.
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Über 400 Siemens-Mitarbeiter demonstrierten für den Erhalt der Offenbach-Niederlassung.

Offenbach

Politiker werfen Siemens Missmanagement vor

  • vonFrank Sommer
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Magistrat und Gewerkschaften kritisieren Siemens für die geplante Standortschließung in Offenbach. Auch andere Unternehmen wollen in Hessen Stellen streichen.

Seit Siemens Anfang November verkündet hat, weltweit 6900 Stellen abbauen zu wollen, reißt die Kritik am Vorgehen des Konzerns nicht ab. Auch Offenbach ist von den Kürzungsplänen betroffen, die Niederlassung am Kaiserlei mit rund 700 Arbeitsplätzen im Kraftwerksbereich soll nach dem Willen des Konzerns nach Erlangen verlegt werden.

Mit einem Demonstrationszug von Kaiserlei über die Berliner Straße in die Innenstadt protestierten am Donnerstag Beschäftigte und IG Metall gegen die Kürzungspläne. Über 400 Angestellte und Gewerkschafter, die Veranstalter sprechen von über 500 Teilnehmern, beteiligten sich an dem Protestmarsch.

Betriebsratsvorsitzender Matthias Thiessen lobt die überparteiliche Zustimmung für den Protest der betroffenen Arbeitnehmer. Mit Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), Stadtkämmerer Peter Freier (CDU), SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel und dem jüngst gewählten DGB-Vorsitzenden für Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, haben sich namhafte Vertreter von Politik und Gewerkschaft bei der Kundgebung für den Erhalt des Standortes ausgesprochen.

„Der Standort Offenbach ist bis 2019 ausgelastet und trotzdem will Siemens ihn schließen – das empört mich zutiefst“, ruft Schneider unter Applaus den Demonstranten zu. Auch Stadtkämmerer Freier kritisiert, dass der Konzern kurz zuvor noch mehrere Milliarden Euro Gewinn ausrief und anschließend die Schließungen und Zusammenlegungen verkündete.

Schäfer-Gümbel kritisiert Ideenlosigkeit

„6,6 Milliarden Euro sind dicke, schwarze Zahlen“, sagt Freier, diese rechtfertigten keine Schließung. Zudem sei es für den Konzern „mehr als fahrlässig, die Infrastruktur des Rhein-Main-Gebietes aufzukündigen“, Siemens sei auf schnelle Verbindungen angewiesen. „Wo liegt denn Erlangen?“, ruft er unter Gejohle und Applaus den Demonstranten zu. Die Energiewende sei lange bekannt, dass die Konzernspitze keine strategische Antwort außer Schließungen wüsste, sei „Management-Versagen, Teil Zwo“.

Ideenlosigkeit werfen auch Schäfer-Gümbel und Rudolph dem Management vor. „Seit Jahren wird ein Strukturwandel in de Energiewirtschaft diskutiert und statt darauf zu reagieren, fällt Siemens nichts anderes als Schließungen ein“, sagt Schäfer-Gümbel. Allerdings sei Siemens kein Einzelfall, in „dutzenden hessischer Unternehmen“ herrsche eine ähnliche Situation vor. So werde etwa am heutigen Freitag in Frankfurt gegen Stellenabbau bei General Electric demonstriert.

Der US-Konzern hatte jüngst angekündigt, über 1000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen zu wollen. Die Frankfurter Belegschaft schickte am Donnerstag solidarische Grüße in die Nachbarstadt, Offenbacher Demonstranten kündigten an, am nächsten Tag auch für deren Belange mitdemonstrieren zu wollen.

Betriebsrat und IG Metall kündigen weitere Demonstrationen an. „Leider rührt sich die Firmenleitung nicht, wir werden wohl einen langen Atem brauchen“, sagt Thiessen. Der Offenbacher Betriebsrat sammelt Unterschriften gegen die Schließung, online haben bereits über 3700 Menschen unterzeichnet.

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