Amadeus Pawlica vor dem Theateratelier. Hier hatte "Liebe" (siehe kleines Plakat) Premiere.
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Amadeus Pawlica vor dem Theateratelier. Hier hatte "Liebe" (siehe kleines Plakat) Premiere.

Kultur in Offenbach

Ein Ort zum Tanzen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Choreografen und Tänzer Katerina Vlasova und Amadeus Pawlica wollen mehr modernen Tanz nach Offenbach holen. Ihr Traum ist ein eigenes Tanztheater in der Stadt.

Katerina Vlasova und Amadeus Pawlica können zufrieden sein. Ihre getanzte Hommage an die Schmetterlinge im Bauch, an das Gefühl, das man Liebe und Verliebtsein nennt, war ein voller Erfolg an jenem Oktoberabend im Theateratelier in der Bleichstraße. Sechzig Leute drängten in den Raum, die Vorführung war ausverkauft. Beim zweiten Auftritt kamen immerhin vierzig Tanzinteressierte.

Wenn Pawlica daran denkt, muss er schmunzeln. Auf dem Wochenmarkt am Wilhelmsplatz hat der junge Choreograf und Tänzer, den man an kühlen Tagen wie diesen ganz gut an seiner roten Strickmütze erkennt, vor den Aufführungen noch Handzettel verteilt. Das, so vermutet er, war wohl mit ein Grund dafür, dass bei der Offenbacher Premiere des Stückes „Liebe“ so ziemlich alle Generationen im Publikum vertreten waren. Und einige Leute, die sich vielleicht noch nie mit Tanztheater beschäftigt haben.

Die Liebe war es auch, die Amadeus Pawlica vor anderthalb Jahren dazu gebracht hat, das Ensemble des Theaters Osnabrück zu verlassen und nach Offenbach zu ziehen. Eigentlich wollte der Tänzer und Choreograf nach Frankfurt, fand dort aber keine passende und bezahlbare Bleibe. „So bin ich in Offenbach gelandet“, sagt er und lacht. Man kennt diese Geschichte ja: Aus dem zunächst recht pragmatisch gewählten Wohnort wird ein Zuhause, wo man Wurzeln schlägt.

Nur ein Tanzensemble gibt es in Offenbach eben nicht. Pawlica und Katerina Vlasova haben sich zwischenzeitlich als Choreografie-Duo selbstständig gemacht, sie schaffen eigene Stücke und lassen diese dann idealerweise von anderen tanzen – sodass sie sich ganz auf die Choreografie konzentrieren können.

Mit dem Konzept, ihre Stücke vor allem an kleineren Orten zu zeigen, wo es sonst an modernem Tanz mangelt, haben die beiden womöglich eine Art Marktlücke aufgetan. Und so sitzen sie ständig im Zug, zeigen ihre Werke in Städten wie Hildesheim, Bamberg oder Ludwigsburg. Oder eben in Offenbach. „Wir wollen neue Leute für Tanztheater begeistern“, sagt Pawlica.

Einen zweiten geografischen Fixpunkt stellt für die beiden Freunde Altenburg im Osten Thüringens dar. In dem pittoresken, seit dem Mauerfall von 51 000 auf 33 000 Einwohner zusammengeschrumpften Städtchen lebt Vlasova. Dort können die beiden den alten Ballettsaal zum Proben nutzen. In Offenbach greift ihnen dankenswerterweise eine Ballettschule unter die Arme und auch in Frankfurt gibt es Räume, in denen die beiden oder ihre Tänzerinnen und Tänzer, die für einzelne Aufführungen engagiert werden, proben können.

Der Wechsel zwischen all diesen Orten ist auch anstrengend. Und finanziell sei das Ganze sowieso ein „Balanceakt“, erzählt Pawlica. Trotzdem ist das Freien-Dasein gut angelaufen. Vor allem gelingt es dem Duo immer wieder, andere tanzen zu lassen. Dann sind Vlasova und Pawlica, was sie vor allem sein wollen: Choreografin und Choreograf.

Künstlerische Inspiration kommt unter anderem von Pina Bauschs legendärem Tanztheater in Wuppertal. Bauschs emotionale und zutiefst menschliche Arbeiten haben Pawlica schon während seiner Schulzeit an einer Essener Schule – dort gab es einen Tanz-Leistungskurs – begeistert und inspiriert.

Sein Traum wäre nun ein eigenes Tanztheater in Offenbach – oder zumindest ein Raum, der Bestand hat und vielleicht städtisch gefördert wird. Etwas Eigenes, wo das Duo wirken kann. Die Besucherzahlen der ersten Auftritte in der Stadt sind für die beiden da auf jeden Fall schonmal Motivation.

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