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Paul-Gerhardt-Gemeinde verpasst Frist

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Von: Wiebke Rannenberg

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Pfarrer Ulrich Knödler von der Lutherkirche in der Waldstrasse wirbt für die Kirchenvorstandswahl.
Pfarrer Ulrich Knödler von der Lutherkirche in der Waldstrasse wirbt für die Kirchenvorstandswahl. © Andreas Arnold

Am Sonntag entscheiden 19.500 Offenbacher Protestanten über ihre Kirchenvorstände. Schon 14-Jährige dürfen hier mitwählen. Von Wiebke Rannenberg

In der evangelischen Kirche wird man schnell erwachsen. Hier dürfen am Sonntag schon 14-Jährige mitbestimmen, wer in den kommenden sechs Jahren die Geschicke ihrer Gemeinde lenkt. "Ich wähl meine Kirche" heißt die Kampagne der Evangelischen Jugend zur Kirchenvorstandswahl am Sonntag, 21. Juni, in allen Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Zumindest in fast allen. Die Gläubigen in der Paul-Gerhardt-Gemeinde müssen bis 6. September warten. Zwar standen die Kandidaten schon im November fest, berichtet Pfarrer Simon Pascalis. Doch später habe sich herausgestellt, dass sie die kirchlichen Wahlgesetze falsch verstanden und einen Kandidaten zu wenig aufgestellt hatten. Es muss mindestens ein Viertel mehr Bewerber geben als gewählt werden.

Die Anzahl der Frauen und Männer im Kirchenvorstand (KV) hängt von der Größe der Gemeinde ab. Den größten KV haben in Offenbach die Bieberer mit 14 Plätzen, den kleinsten die Französisch-Reformierten mit vier.

Insgesamt kandidieren in den 14 Gemeinden 176 Menschen für 129 Plätze. 60 Prozent sind Frauen - im rechnerischen Durchschnitt. So liegt der Frauenanteil im Lauterborn bei 87 Prozent, in der Schlosskirchengemeinde nur bei 25 Prozent.

Gefunden wurden die Kandidaten in einem aufwendigen, von der Landeskirche genau geregelten, Verfahren, das den demokratischen Anspruch der Kirchenwahlen unterstreichen soll. Schließlich ist der ehrenamtliche Kirchenvorstand verantwortlich für die Finanzen und den Kindergarten ebenso wie für die Gottesdienstgestaltung, Seniorenkreise und Jugendarbeit.

Deshalb sollen die Kandidaten aus vielen Alters- und Berufsgruppen kommen. So hat die Luthergemeinde mit der 18-jährigen Carina Vogel eine besonders junge Kandidatin. Die Schülerin möchte, schreibt sie im Gemeindebrief, "dort Verantwortung übernehmen, wo ich gebraucht werde".

Junge und erfahrene Bewerber

In der Paul-Gerhardt-Gemeinde, die das Kinder- und Jugendzentrum Paula beherbergt, bewerben sich drei junge Leute um die 20. Die Friedensgemeinde hingegen hat mit dem 1936 geborenen Ulrich Angersbach einen der ältesten und erfahrensten Kandidaten zu bieten.

Die neue Wahlperiode ist aber auch deshalb besonders spannend, weil die Kirchenvorsteher über die künftige Struktur der Kirche in Offenbach entscheiden werden (siehe Artikel unten). Für den Architekten Andreas Kunz-Schleich ein Grund, sich in der Luthergemeinde zu engagieren. Er will dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit der zehn Innenstadtgemeinden "Fahrt aufnimmt und zu greifbaren Ergebnissen kommt".

Wählen dürfen 19 500 der 22 900 Protestanten. Da die Wahlbeteiligung um lediglich zehn Prozent schwankt, werben viele Gemeinden mit besonderen Gottesdiensten, Festen und Konzerten um Wähler. Geöffnet sind die Wahllokale nach dem Gottesdienst und meist bis nachmittags.

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