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Noch bis zum 31. März hat die Stadt Zeit, einen Käufer für das verschuldete Klinikum zu finden.
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Noch bis zum 31. März hat die Stadt Zeit, einen Käufer für das verschuldete Klinikum zu finden.

Offenbacher Klinikum

Patienten sollen nichts vom Druck spüren

  • Sigrid Aldehoff
    VonSigrid Aldehoff
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Das Personal des defizitären Offenbacher Klinikums zeigt große Einsatzbereitschaft und Solidarität. Am 31. März endet die Verkaufsfrist.

Noch bis zum 31. März haben Kaufinteressenten Zeit, ein Angebot für das hoch verschuldete Offenbacher Klinikum abzugeben. Nicht nur die Stadt als alleinige Gesellschafterin wartet mit Spannung darauf, dass der Verkaufsbevollmächtigte Friedrich Grimminger Namen nennt und Angebote vorlegt. Auch die 2300 Mitarbeiter möchten endlich wissen, wie es mit ihnen und ihrem Arbeitsplatz weitergeht.

Franziska Mecke-Bilz, die seit August 2011 Geschäftsführerin des Hauses ist, lobte schon Ende vergangenen Jahres nach turbulenten Zeiten die Leidensfähigkeit der Belegschaft: Die Mitarbeiter stünden wie eine Eins hinter dem Klinikum, die Zahl der Kündigungen sei nicht gestiegen. Nicht nur die Verbundenheit mit dem Haus, auch die Solidarität der Berufsgruppen untereinander sei seiner Wahrnehmung nach bei der Belegschaft des Offenbacher Klinikums höher als in anderen Häusern, sagt Betriebsratsvorsitzender Holger Renke. Ärzte und Pflegekräfte, deren Stellen erfahrungsgemäß bei einer Übernahme weniger gefährdet seien, erkundigten sich immer wieder, welche Chancen es denn für das Servicepersonal gebe. 450 Menschen arbeiten – oft in Teilzeit – in der Kantine, Reinigung, Logistik.

Keine Nachricht zum Verkauf

Holger Renke ist in diesen Tagen ein gefragter Mann: Deutlich häufiger klingelt bei ihm das Telefon im Betriebsratsbüro, und auch beim Gang durch das Haus wird er öfter gefragt, ob er schon etwas über die Verkaufsverhandlungen gehört habe. „Aber wir wissen tatsächlich nichts und wir sind nicht glücklich darüber“, betont Renke. Auch der zuständige Dezernent, Bürgermeister Peter Schneider (Grüne), kann keine Namen nennen. „Das ist ein äußerst sensibles Thema, die Bieter wollen in Ruhe verhandeln.“

Das Thema Verkauf beherrsche aber nicht den Alltag im Klinikum, betont Renke. „Unsere Hauptaufgabe ist es, kranke Menschen gesund zu machen, dem ist alles untergeordnet – die Kollegen zeichnen sich durch hohe Professionalität aus.“

„Wir wollen vor allem, dass endlich Ruhe einkehrt“, sagt eine Krankenschwester, die seit mehr als 30 Jahren dabei ist, aber nicht genannt werden möchte. „Für viele von uns ist das Klinikum ein bisschen Heimat geworden.“ In ihrer Abteilung sei der Zusammenhalt trotz der vorangegangenen Sparmaßnahmen und des gestiegenen Arbeitsdrucks noch gut: „Wir machen unsere Arbeit wie bisher, schlimm war es vor allem, als der Verkauf bekannt gegeben wurde.“ Werde die Arbeit zu viel und der Dienstplan zu dünn besetzt, sei der ein oder andere im Team auch mal bereit, eine Stunde früher zu kommen oder länger zu bleiben. „ Aber wir gehen schon oft auf dem Zahnfleisch.“ Wenn eine Vollzeitkraft kündige, würden nur noch Teilzeitkräfte nachkommen. „Wir müssen immer mehr in immer weniger Zeit erledigen“, sagt sie, „und wir ackern wie verrückt, damit es möglichst die Patienten nicht merken“. Viele der Kranken seien gut informiert über das Verkaufsverfahren und den Sparzwang und zeigten Verständnis. „Viele fragen sogar uns, wie es uns dabei geht und haben Verständnis, wenn vieles schneller gehen muss.“ Die Krankenschwester sagt: „Wir machen uns darauf gefasst, dass wir mit der Übernahme Abstriche machen müssen.“

Vermutlich wird die Öffentlichkeit erst am 18. April erfahren, wer das Klinikum übernehmen will. Einen Tag vorher wird der Magistrat über die Interessenten beraten und einen Beschluss fassen, am 2. Mai sollen die Stadtverordneten über den Verkauf entscheiden.

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