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Am Arbeitspult: Andreas und Helena Malsy.
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Am Arbeitspult: Andreas und Helena Malsy.

Offenbach Startup-Unternehmen

Ohne Schaumschlägerei

  • VonJörg Echtler
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Die Startup-Unternehmer Helena und Andreas Malsy schätzen den Standort Offenbach. Sie kamen wegen der günstigen Gewerbeflächen am Kaiserlei und der guten Verkehrsanbindung. Doch Offenbach hat Unternehmern mehr als das zubieten.

Das Ortsschild steht nur hundert Meter westlich, und die Gerbermühle, eine Urfrankfurter Institution, liegt näher als der Offenbacher Marktplatz. Dennoch waren Freunde entsetzt, als Helena und Andreas Malsy ihre neue Firma „Das Ei Medienproduktion“ im Kaiserlei eröffneten. „Spinnt ihr? In Offenbach?“

2009 war das. Das Ehepaar, das mit drei Kindern in Frankfurt-Riedberg wohnt, kam wegen der günstigen Gewerbeflächen. „Hier konnten wir sogar Parkplätze anmieten“, sagt Helena Malsy. „In Frankfurt wären die unbezahlbar.“ Aber wichtig für die Kunden. Liegt doch die Autobahnausfahrt nur wenige Meter entfernt. „Der Standort ist einfach genial“, lobt Malsy.

Das Gebäude Strahlenbergerstraße 123, in dem „Das Ei“ nun residiert, wirkt von außen wenig einladend, und Besucher brauchen Spürsinn, um das Büro der Medienproduktion im dritten Stock zu finden. Drinnen warten große Räume mit viel Licht. Auf rund 100 Quadratmetern brütet das Ehepaar seine kreativen Ideen aus.

Andreas Malsy sitzt an einem Tisch vor mehreren Bildschirmen. Die Postproduktion von Filmen ist sein Metier, das er seit rund 20 Jahren betreibt – zunächst angestellt, dann als selbstständiger Unternehmer. Da sind Erfahrungen zusammengekommen, die der 44-Jährige in prägnante Sätze gießt: „Die Kunden interessieren keine Äußerlichkeiten, sondern die Qualität meiner Arbeit“, sagt er. Während er für die praktische Umsetzung zuständig ist, kümmert sich seine 41-jährige Frau um das Kaufmännische, die Aquise von Kunden und die Präsentation der Arbeiten, schreibt aber auch Konzepte für Filme. Die eigene Ausbildung „im grafischen Bereich“ helfe ihr dabei enorm.

„Wir machen alles, was mit bewegten Bildern zu tun hat“, umreißt Helena Malsy das Arbeitsfeld. Vom klassischen Werbefilm über Animationen für Messen und Präsentationen bis hin zu gefilmten Gebrauchsanweisungen. Der Kundenkreis ist breit gestreut: von großen Banken und Finanzdienstleistern bis hin zum mittelständischen Unternehmen, wie dem Fenster- und Türenhersteller Portas aus Dreieich. Die meisten kommen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet.

Viele gute Leute

Für die Umsetzung ihrer Filmideen greifen die Malsys von Fall zu Fall auf einen Pool von freien Mitarbeitern zurück. So war es auch bei einer der jüngsten Arbeiten, einem Werbespot für die UDI, ein auf grüne Geldanlagen spezialisiertes Nürnberger Finanzhaus. Dabei ergab es sich, dass alle Beteiligten aus Offenbach kamen: der Schauspieler Frank Geisler – bekannt aus dem Theater T-Raum – die Kamerafrau Petra Bereiter oder das Tonstudio m&s music aus der Heyne-Fabrik. Auch der Drehort war offenbacherisch – ein Wohnatelier in einer ehemaligen Lederfabrik im Nordend.

Zufall ist das für Helena Malsy nicht. „Es gibt hier sehr gute Leute in allen kreativen Bereichen“, weiß sie inzwischen. Der raue Charme der Stadt hat es dem Ehepaar angetan. Auch nach Feierabend wagen sie inzwischen gern den Sprung über den Kaiserlei-Kreisel.

Etwa in die Akademie für interdisiplinäre Prozesse am Goetheplatz. „Dort treffe ich die unterschiedlichsten Menschen – Künstler, Unternehmer, Studenten“, schwärmt die Geschäftsfrau. „Die Gespräche mit ihnen inspirieren unheimlich.“ Sie liebt den Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz, und auch die soziale Arbeit im Boxclub Nordend beeindruckt sie sehr.

Die Stadt habe eben viel mehr zu bieten als günstigen Büroraum. „Offenbach ist die hochbegabte kleine Schwester, die immer im Schatten Frankfurts steht“, sagt Helena Malsy. Um das zu ändern, müssten die Bürger selbst aktiv werden. Sie selbst ist Mitglied der Wirtschaftsjunioren und macht Bewerbungstraining mit den Jugendlichen. In Kooperation mit dem Stadtmagazin Mut&Liebe entsteht zurzeit ein Internet-TV-Format, das im Dezember online gehen soll. Non-profit-Projekte. „Aber es macht Spaß und bringt Offenbach voran“, sagt Malsy und lacht.

Die beiden Startup-Unternehmer haben hier viel Offenheit erfahren. „Hier geht vieles unbürokratisch, Sie sitzen nicht ewig bei den zuständigen Stellen rum“, berichtet die Geschäftsführerin. Bei den Unternehmern der Stadt gebe es viel Sinn für Realität und „wenig Schaumschlägerei“. Die kleineren und mittleren Betriebe der Kreativwirtschaft sollten weiter gestärkt werden, wünscht sich Helena Malsy. „Offenbach soll zum Markenzeichen für kreative Arbeit werden.“

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