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Eduard Oehler war einer der ersten Telefonbesitzer in Offenbach.  Nummer 2 führte in seine Fabrik.
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Eduard Oehler war einer der ersten Telefonbesitzer in Offenbach. Nummer 2 führte in seine Fabrik.

Geschichte

Offenbachs Telefon-Pioniere

Beim Telefonieren waren die Offenbacher ihrer Zeit voraus und früh am Netz. Stadtarchivarin Anjali Pujari hat sich auf Spurensuche begeben.

Von Angelika Ohliger

Carl Naumann war der Erste. Seine Seifen- und Parfümfabrik in der Speyerstraße hatte die Telefonnummer 1. Das war 1884. Telefonbücher gab es damals noch nicht, doch in einem Adressbuch von 1888/89 hat Stadtarchivarin Anjali Pujari Telefonnummern gefunden. Offenbach war also damals ganz auf der Höhe der Zeit und stand Berlin nur wenig nach.

Vor 130 Jahren, am 14. Juli 1881, erschien in der Hauptstadt das „Verzeichnis der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“. Es gilt als das erste Telefonbuch Deutschlands. Das erste Offenbacher Telefonbuch ist vermutlich nicht erhalten, doch in Adressbüchern konnte man Nummern mit Anschluss finden. Ein kleines Symbol – Piktogramm würde es heute genannt – zeigt einen Telefonhörer. Einen der Art, die früher getrennt von der Sprechmuschel ans Ohr gehalten wurde.

Dass die Offenbacher mit dem Telefonieren früh anfingen, hatte nach Pujaris Überzeugung hauptsächlich zwei Gründe: Die Industrialisierung und die Nähe zu Frankfurt. Die Deutsche Reichspost hatte 1884 ihre Diensträume in der Frankfurter Straße 31 aufgegeben und das neu gebaute Gebäude am Aliceplatz 10 bezogen. Dort nahm am 28. Dezember desselben Jahres die Fernsprechvermittlungsstelle ihren Betrieb auf.

„Die ersten Telegrafenmasten führten nach Frankfurt“, hat die Stadtarchivarin recherchiert. Das Fräulein vom Amt am Aliceplatz konnte durch Umstöpseln nach Bedarf 19 Offenbacher Teilnehmer miteinander und mit Frankfurt verbinden.

Anfang der 1890er Jahre sprach Professor Karl Brockmann im Auftrag des Gewerbevereins über die neue Erfindung. „Bei seinem Vortrag benutzte er eine Leitung, die von dem Gasthaus Zum Schwan bis zu dem Haus des Metzgermeisters Wagner ging, und einen Lautsprecher“, ist in einem Zeitungsartikel aus den 1930er Jahren zu lesen.

Unter den ersten Teilnehmern waren mit großer Wahrscheinlichkeit keine Privatleute. Doch wer in Offenbach eine Fabrik oder ein Unternehmen hatte und Geschäfte machen wollte, kam bald um ein Telefon nicht herum. Keine große Überraschung ist deshalb die Tatsache, dass der Anschluss mit der Nummer 2 in die Chemiefabrik von Eduard Oehler führte. Er hatte das überschaubare Teerfarbenwerk als Nachfolger seines Vaters zu einem Chemiestandort mit mehreren hundert Arbeitern ausgebaut. Das Telefon wird dem Unternehmen dabei bald eine große Unterstützung gewesen sein.

Offenbach entwickelte sich in jeder Zeit schnell. 1885 hatte die Stadt 32000 Einwohner, 15 Jahre später waren es schon 50000.

Das erste reine Telefonbuch, das Anjali Pujari in den Beständen des Archivs gefunden hat, ist das „Telephon-Adressbuch 1924“. Vermutlich wurde es finanziert mit Werbung. Viele Geschäftsleute hatten Anzeigen platziert. Sie wussten, dass das Heft durch viele Hände gehen würde, denn längst waren die Nummern mehr als einstellig.

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