Streichholzkarlchen04_231020
+
So sieht ein Offenbacher Held aus. (Foto: Rolf Oeser)

Offenbach

Streichholzkarlchen in Kinderbuch verewigt

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
    schließen

Offenbach Arm, aber gut drauf – Autor Jalil Reggai hat das Offenbacher Streichholzkarlchen als Kinderbuch verewigt.

Er steht noch immer da, mitten in der Stadt, immer ein Lächeln auf den Lippen. Die Rede ist vom „Streichholzkarlchen“, geboren 1880 in Zell am Main, gestorben 1939 in Offenbach. Dort lebt er bis heute weiter, als Statue auf dem Wilhelmsplatz.

Die kann man leicht mal übersehen. Karlche, eigentlich Karl Winterkorn, war laut Berichten nur 1,30 Meter groß. Winterkorn überlebte, indem er Streichhölzer in Offenbacher und Sachsenhäuser Apfelweinkneipen verkaufte.

Der Autor und Zeichner Jalil Reggai widmet dem Offenbacher Original ein eigenes Kinderbuch – das teilt die Bloggerin Isabel Thelen im Auftrag des Autors mit. „Streichholzkarlchen“ ist vor ein paar Tagen im Noel-Verlag erschienen, illustriert ist es abwechselnd mit historischen Fotos und Zeichnungen von Reggai. Ein liebenswerter Kerl sei der echte Karlchen gewesen, heißt es in der Ankündigung. Den Kickers habe er die Plakate zum Aushang in die Ladengeschäfte getragen. Gefragt, was er denn von Beruf sei, soll der Streichholz-Verkäufer stets geantwortet haben: „Holzhändler“.

Arm, aber gut drauf

Karlchen erinnert an die Stadt Offenbach und ihre Menschen: arm, aber (meistens) gut drauf. Auch Karlchens schauspielerisches Talent ist verbürgt – Winterkorn hat laut Thelen 1925 im neu eröffneten Operettenhaus in einem Weihnachtsmärchen mitgespielt mit dem Titel „Streichholzkarlchen und das Christkind“.

Dem Autoren Reggai habe es das Streichholzkarlchen so angetan, heißt es. dass er mehr als ein Jahr Zeit in das Buch investiert habe. Entstanden ist eine Geschichte, in der Wirklichkeit und Fiktion verschmelzen. Winterkorn, der Held, „niemals traurig“ und „beinahe so dick wie groß“, nimmt die Leser mit zu seiner Arbeit, auf den Marktplatz, in Kneipen, an Weihnachten als Engel verkleidet. Zum Schluss macht Karlchen sich auf eine Reise in den Himmel und hilft erloschenen Sternen dabei, wieder zu leuchten.

Autor Reggai wurde 1954 in Casablanca (Marokko) geboren. später studierte er an der Pariser École National des Beaux Arts. Nach einer Fußball-Karriere in Schweden zog es ihn der Liebe wegen nach Offenbach. Reggai hat ein Atelier in dem Gründerzentrum Ostpol im Mathildenviertel.

Weiteres Buch geplant

Für das kommende Jahr plane er ein weiteres Werk über ein Offenbacher Original: Franz Weber, bekannt als „Maabär“, schlief oft unter Brücken und kam mit Hilfsarbeiten für Ruderer und Mainschiffer über die Runden. Obwohl er selbst wohl nicht schwimmen konnte, soll er mehrere Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Maabär taucht im „Streichholzkarlchen“ ebenfalls auf – als Kater, der den Helden bei seinen Abenteuern begleitet. „Streichholzkarlchen ist nicht gestorben, er hat sich nur versteckt“, heißt es zum Schluss. „Kinder, verratet den Erwachsenen sein Versteck nicht, sie würden es nicht glauben“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare