+
Anjali Pujari ist seit Oktober 2005 Leiterin des Offenbacher Stadtarchivs.

Offenbach

Das Offenbacher Stadtarchiv bleibt bis 6. Januar zu

  • schließen

Archivleiterin Anjali Pujari wechselt von Offenbach nach Wiesbaden. Weil ihre Stelle erst im neuen Jahr besetzt wird, ist die Schließung laut Stadt unumgänglich.

Die langjährige Chefin des Stadtarchivs, Anjali Pujari, verlässt Offenbach nach 14 Jahren, um Anfang November eine neue Stelle im Stadtarchiv der Landeshauptstadt Wiesbaden anzutreten. Dort wird sie nach eigenen Angaben für die digitale Langzeitarchivierung zuständig sein. In einer kurzen Meldung teilte die Stadt gestern mit, dass das Archiv wegen der Stellenneubesetzung vom 14. Oktober bis zum 6. Januar geschlossen wird. Pujari arbeitet nur noch diese Woche, von nächstem Montag an nimmt sie ihren Resturlaub.

Der Wechsel der Stadtarchivarin war den Verantwortlichen im Rathaus schon seit Monaten bekannt gewesen. Warum konnte trotzdem die Schließung nicht verhindert werden? Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), der auch Personaldezernent ist, erklärt dies mit der dünnen Personaldecke im Archiv und der schwierigen Suche nach qualifiziertem Personal. „Natürlich haben wir versucht, die Stelle möglichst schnell zu besetzen.“ Er sei „geknickt“, dass dies nicht gelungen sei.

Inzwischen ist die Nachfolge zwar geregelt. Aber die neue Leitung wird die Stelle erst im Januar 2020 antreten. Wie der Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Jürgen Eichenauer, mitteilte, werden sich eine Frau und ein Mann die Führungsposition teilen. Beide seien Diplomarchivare. Nähere Angaben machte er zu Pujaris Nachfolgern nicht.

Das Offenbacher Stadtarchiv, das 2004 mit dem Stadtmuseum im Haus der Stadtgeschichte zusammengeführt wurde, war schon immer knapp besetzt. Es besteht inklusive Leitung aus drei Stellen und ist nur dienstags und donnerstags geöffnet.

Schon in der Vergangenheit passierte es immer wieder, dass das Archiv wochenlang wegen Krankheit oder Urlaub geschlossen war. „Wir haben keine Reserven. Wenn eine Archivmitarbeiterin lange ausfällt, sind wir sofort am Ende“, meint Schwenke. Abhilfe könne nur weiteres Personal schaffen. Doch daran glaubt angesichts leerer Kassen nicht einmal Eichenauer. Der Amtsleiter betonte, dass trotz der Schließung Anfragen beantwortet würden (Telefon: 069/8065-2048, Mail: haus-der-stadtgeschichte@offenbach.de). „Und auch für Notfälle werden wir Lösungen finden“, versprach er. Nach Angaben Pujaris wenden sich jährlich rund 3000 Leute persönlich, telefonisch oder per Mail mit Anfragen ans Stadtarchiv.

Die 45-Jährige nennt persönliche Gründe für ihren Weggang. Die neue Aufgabe habe sie gereizt, „ich hatte Lust auf was Neues“. Aber Pujari sagt auch, sie habe gerne in Offenbach gearbeitet und die Kontakte mit den anderen Kulturkollegen sehr geschätzt. Als Schwerpunkt ihrer Arbeit in Offenbach nennt sie die jüdische Stadtgeschichte.

Schwenke lobt Pujari als eine „tolle Mitarbeiterin“ und äußert Verständnis für ihren Wechsel. „Für sie ist es eine Weiterentwicklung, die wir ihr in Offenbach nicht bieten konnten.“ Eichenauer erinnerte daran, dass 2004, also ein Jahr vor Pujaris Amtsantritt, das Haus der Stadtgeschichte eröffnet worden war. Sie habe die Idee mitgetragen, Archiv und Stadtmuseum zusammenzuführen. „Sie war eine wichtige Stütze, und sie hat das Archiv wesentlich strukturiert und gestaltet.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare