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Offenbach

„Offenbacher helfen“: Vom Spendenaufruf zum Hilfenetzwerk

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Der Verein „Offenbacher helfen“ hat sich nach der Flutkatastrophe im Sommer gegründet und mahnt davor, die Menschen dort zu vergessen. Auch Projekte in Offenbach sind geplant.

Der Staub- und Schlammgeruch ist immer noch penetrant. „Man riecht es sofort, wenn man da ist“, sagt Sam Rosso. Die Bilder sind zwar nicht mehr ganz so bedrückend, wie direkt nach der Flutkatastrophe, aber das Leben der Menschen im Ahrtal ist weit davon entfernt, wieder wie vorher zu laufen. „Einer Familie in Kreuzberg wurde jetzt das Wasser abgestellt, weil sie keine Heizung mehr haben und die Rohre in der Kälte sonst platzen würden“, erzählt die 40-Jährige. „Sie müssen jetzt in eine Notunterkunft.“ Die Vorsitzende des Vereins „Offenbacher helfen“ war kürzlich wieder mit anderen Mitgliedern vor Ort, um Sach- und Geldspenden in Kreuzberg und in Altenahr zu verteilen. „Wir haben uns ein bisschen wie Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen gefühlt“, sagt Laura Parrino.

Seit der Flutkatastrophe am 14. Juli sind mehrfach Transporter und Lastwagen aus Offenbach ins Ahrtal gefahren, um den in Not geratenen Menschen zu helfen. Sei es beim Schlamm wegschippen, beim Ausfüllen von Anträgen oder einfach nur, um zuzuhören. „Nach jeder Fahrt fahren wir nächste Raststätte raus, um zu reden“, sagt Rosso. Zwar habe man vor Ort funktioniert, doch danach seien viele einfach nur fertig gewesen. „Nach 18 Stunden harter Arbeit sind wir ins Hotel, in einen sauberen Platz mit Dusche. Das war schon ein bisschen komisch“, findet Fabio Urciuolo.

Dass die Offenbacherinnen und Offenbacher angefangen haben, sich für das Ahrtal zu engagieren, kam so: „Ich habe mir gedacht, ich nehme einen Transporter und stelle ihn vors Rathaus, mache einen Aufruf über die Facebook-Seite ,Das ist Offenbach‘ und hoffe, dass genügend Spender kommen“, erzählt Rosso. Damit die Leute sie kontaktieren können, hatte sie eine E-Mail-Adresse eingerichtet.

Der Verein

Der Verein „Offenbacher helfen“ sucht weiter engagierte Mitstreiter nicht nur aus der Stadt, sondern dem ganzen Kreis Offenbach und darüber hinaus für gemeinnützige Projekte.

Informationen zum Verein gibt es unter www.offenbacherhelfen.de. Dort gibt es auch einen Mitgliedsantrag. Auf Facebook und Instagram werden die Hilfsaktionen mit Bildern und Texten dokumentiert. tim

Spenden sind möglich an:
Offenbacher helfen e.V.i.G
IBAN: DE92 5055 0020 0000 2117 02
BIC: HELADEF1OFF

Die Resonanz war überwältigend. Etliche Menschen wollten etwas spenden, so dass sich das Capitol eingeschaltet und seine Fläche angeboten hat. Dort wurden die Sachspenden palettiert. Erst fuhr ein 7,5-Tonner mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und weiteren Bedarfsartikeln runter. Wenige Tage später waren es fünf 40-Tonner. „Es kamen immer Menschen zusammen, die anpacken wollten“, sagt Rosso. Alex Knöß hatte dann die Idee, einen Verein zu gründen. Gesagt, getan. Am 9. August war die Gründungsversammlung. „Wir werden derzeit vom Finanzamt geprüft“, sagt Knöß. 22 Mitglieder hat der Verein bereits, ein Fördermitglied und seit vergangenem Samstag zwei Ehrenmitglieder. Ein siebenjähriger Junge und sein kleiner Bruder aus Wächtersbach. „Er hat im Fernsehen die Folgen der Flut gesehen und wollte auch etwas tun“, erzählt Rosso. Also hat er eine Spardose genommen, sie den Eltern mitgegeben, die auf Märkten, unter anderem in Offenbach, einen Metzgereistand haben. 210 Euro sind zusammengekommen, die eine Familie mit zwei kleinen Kindern erhält, die eine Handwerksfirma aus Hainburg dem Verein vermittelt hat.

Bei einer Benefizgala in Hauenstein sind 10 600 Euro zusammengekommen, die an „Offenbacher helfen“ weitergeleitet wurden. „Zusätzlich sind 10 000 Euro an Sachspenden und 15 000 Euro an Geldspenden angekommen“, sagt Schatzmeisterin Maria-Magdalena Stöller. Es wäre sogar noch mehr Umsatz möglich, aber der Verein darf noch keine Spendenquittungen ausstellen. Es gibt außerdem Anfragen von Sportvereinen, die gerne einen Trikotsatz spenden würden. Dafür ist es allerdings noch zu früh, da zunächst einmal die Vereinsheime und die Sportplätze wieder aufgebaut werden müssen.

„Es sind ganz viele Freundschaften und ein großes Netzwerk entstanden“, sagt Rosso. Zum einen mit den Menschen im Ahrtal selbst, aber auch innerhalb der Helfergemeinschaft. Allerdings, mahnt sie, würden die Probleme der Flutopfer derzeit durch Corona und andere Themen in Vergessenheit geraten.

Laura Perrino erzählt, dass es den Menschen immer noch an vielem mangelt. „Die Leute brauchen jetzt im Winter Heizungen, Heizlüfter und Trockengeräte“, sagt sie. Außerdem fehlt es an Fachkräften, die Heizungen oder Fliesen einrichten und verlegen könnten.

„Wir werden zwar immer in Verbindung mit der Flut gebracht, aber wir wollen auch den Leuten hier helfen“, sagt Rosso. In Planung sind bereits Projekte für sozial benachteiligte Menschen in Stadt und Kreis Offenbach. Der Verein „Offenbacher helfen“ will Ansprechpartner und offen für alle sein.

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