Boxclub-Präsident Wolfgang Malik sucht für seinen Verein einen neuen Standort.
+
Boxclub-Präsident Wolfgang Malik sucht für seinen Verein einen neuen Standort.

Vereine in Offenbach

Offenbacher Boxclub sucht neues Zuhause

  • vonFrank Sommer
    schließen

Die Halle des Boxclubs Nordend muss dem Ausbau des Offenbacher Hafenviertels weichen. Der Verein hat sich einen Namen in der Gewaltprävention gemacht. Jetzt hofft er auf Angebote.

Wo einst die Fahrzeuge der Hafenbahn gewartet wurden, werden seit fast zehn Jahren „Biografien gewartet und verändert“, wie Wolfgang Malik sagt. „Boxclub Nordend“ steht in riesigen Lettern an der Halle im Offenbacher Nordring geschrieben. Rings um die schmucklose Halle ist die Straße aufgerissen, sind Absperrungen aufgestellt, Baustellenfahrzeuge verkehren im Minutentakt. Das neue Hafenviertel wächst, bald werden die Baustellen auch die Halle des Boxclubs erreichen. „Bis dahin müssen wir weg sein“, sagt Malik, der Präsident des Clubs. „Aber das war uns von Anfang an bewusst.“

Ungefähr Mitte 2019 wird die Halle geräumt werden müssen, dann wird dort auf dem Baufeld 6 der „Mainkai“ errichtet. Das Gebäude mit rund 21 100 Quadratmetern Bruttonutzfläche ist bereits in der Vermarktung durch die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG. „Je nach Stand der Dinge könnten wir auch etwas früher oder später von dem Gelände müssen.“

Seit einigen Monaten sucht der Boxclub deshalb eine neue Unterkunft. Im Haushalt 2018 hat die Stadt vorsorglich 250 000 Euro bereitgestellt, um einen neuen Standort zu ermöglichen. „Wir suchen ohne Hast, aber spätestens 2018 muss klar sein, wohin die Reise geht“, sagt Malik. „Nicht, dass wir am Ende vom Gang der Dinge überrollt werden und übergangsweise zurück ins Jugendzentrum Nordend müssen“, sagt der 58-Jährige.

Dort, im Jugendzentrum, dessen Leiter er ist, hat der Boxclub 2003 seinen Anfang genommen. Trainer Bernd Hackfort stellte Malik den Sport als Gewaltpräventionsprojekt vor. „Ich muss zugeben, ich war anfangs skeptisch“, sagt Malik, doch Hackfort konnte ihn überzeugen, dass durch Boxen junge Männer angesprochen würden, die durch die übliche Präventionsarbeit nicht zu erreichen seien. „Hier lernen sie Disziplin, Respekt – und dass es völlig normal ist, auch einmal zu verlieren“, sagt Malik. „So manches überzogene Männlichkeitsbild wurde durch das Boxen schon zurechtgestutzt.“

Offen für Kooperation

Die Resonanz übertraf alle Erwartungen, 35 junge Männer waren von Beginn an dabei. Politik und Gesellschaft begrüßten das Projekt, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Das Jugendzentrum wurde rasch zu klein, zum Jahreswechsel 2007/08 zog der Club in die Halle am Nordring um. „Hier gab es durch einen Anbau mit Sanitärcontainern auch endlich richtige Duschen für nach dem Training“, sagt Malik. Auf drei Stockwerken in einem benachbarten ehemaligen Bürogebäude sind die Hausaufgabenhilfe des Clubs, Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten untergebracht. „Die brauchen wir auch wieder am neuen Standort“, sagt Malik, gerne würde er auch ein Jugendhostel mit unterbringen. Einige Zeit liebäugelte der Club mit dem Gebäude der Flüchtlingserstaufnahme am Kaiserlei, doch habe sich das als zu groß erwiesen. „Wichtig ist, dass der neue Standort für die Jugendlichen einfach erreichbar ist“, sagt Malik, „und da wir das Nordend im Namen haben, wäre das Viertel natürlich ideal.“ Er könne sich auch vorstellen, sich ein Gebäude mit einem anderen Verein zu teilen. „Wir stehen für Kooperationen zur Verfügung“, sagt er.

Trotz der noch ungewissen Raumsituation will der Club seine Arbeit ausweiten. „Wir begreifen den Umzug als Chance, uns weiterzuentwickeln“, sagt Malik. Nach den Herbstferien werde es ein Inklusionsprojekt geben und gemeinsam mit dem Schulamt ein Angebot für Schulabbrecher. Auch ein Boxangebot für Senioren sei denkbar. Außerdem soll das Angebot für junge Häftlinge erweitert werden.
„Wir schaffen eine soziale Anbindung, damit diejenigen, die aus der Haft entlassen werden, nicht rückfällig werden“, sagt Malik. In der Integrations- und Gewaltpräventionsarbeit sei das bereits erprobt. „Der Boxclub ist Familienersatz für einige Jugendliche, wir haben durch das Boxen Biografien zum Guten hin verändert“, sagt er. „Nur brauchen wir für unsere Arbeit geeignete Räume, um auch weiterhin jungen Menschen eine Perspektive zu geben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare