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Jusip Budimir will weiter Offenbacher Bier brauen.

Offenbach

"Offenbacher Bier" muss Namen wechseln

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Josip Budimir darf seine Pilsmarke nicht länger nach der Stadt benennen. Das "Offenbacher Bier" muss einen neuen Namen bekommen.

In Offenbach gibt es keine Brauerei, aber seit über zwei Jahren ein „Offenbacher Bier“: Josip Budimir, Absolvent der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Visueller Kommunikation, hat das Gebräu 2016 auf den lokalen Markt gebracht. Gebraut wird es nach einer eigens entwickelten Pilsrezeptur vom Babenhäuser Unternehmen Michelsbräu. Genau das ist jemandem aber anscheinend sauer aufgestoßen: „Ein Mitbewerber hat sich bei der Wettbewerbszentrale gemeldet, und die hat mir eine Unterlassungserklärung vor den Latz geknallt“, erzählt Budimir. Das heißt: Der Offenbacher darf sein außerhalb der Stadtgrenzen gebrautes Bier seit kurzem nicht mehr als „Offenbacher Bier“ vertreiben – nur Restbestände dürfen noch verkauft werden.

„Vorerst verboten“ prangt jetzt in großen Lettern auf der Startseite von Budimirs Internetauftritt. Doch auf ein teures Gerichtsverfahren möchte sich der 39-jährige Familienvater aus Offenbach nicht einlassen. Sowieso möchte er sein Bier bald selbst in der Stadt brauen – und dann wäre auch wieder ein Vertrieb unter dem bisherigen Namen möglich.

Derzeit sucht er geeignete Räume. „Perfekt“ wäre zum Beispiel eine ehemalige Metzgerei, sagt Budimir – unter anderem wegen des gut ausgebauten Abwassersystems in solchen Räumen. Bis es so weit ist, muss das Bier unter einem anderen Namen vertrieben werden – welcher das sein wird, steht noch nicht fest. „Die Kunden wissen Bescheid, es wird irgendwie weitergehen“, zeigt sich Budimir zuversichtlich. Sein Traum ist weiterhin, dass er mit seinem Bierunternehmen einmal den kompletten Lebensunterhalt bestreiten kann.

Das „Offenbacher Bier“ hat sich seit 2016 in der Stadt und im Umland in bescheidenem Maße etabliert. „Die Leute nehmen das Bier gut an“, erzählt Budimir. Verkauft wird das Pils mit dem roten Etikett, dessen Gestaltung mit einer Eichel und Eichenblättern an das Offenbacher Stadtwappen angelehnt ist, an einigen Dutzend Orten in der Stadt und in umliegenden Gemeinden – vom Kultur-Waggon am Offenbacher Mainufer über die Bar des Ledermuseums bis hin zu mehreren Supermarktketten, die das Bier in ihren Filialen gelistet haben.

Das zeigt, dass man nicht nur mit trendigem „Craft Beer“ Erfolg haben kann, sondern auch mit einem schlichten Pils. „Ich will einfach ein Bier für Offenbacher machen“, sagt Budimir.

Die Gründung neuer Biermarken mit Betonung der lokalen Herkunft liegt seit einigen Jahren in vielen Ländern im Trend; großen Brauereien, die ihr Bier überall vertreiben, erwächst seitdem neue Konkurrenz. Der Trend hat längst auch das Rhein-Main-Gebiet erfasst. In Mainz zum Beispiel haben die Kommunikationsdesigner Leonidas Lazaridis und Philip Vogel 2013 die Biermarke „Eulchen“ gegründet. Ihr Motto entstammt der gemeinsamen Abschlussarbeit: „Rebellion gegen Einheitsbier“.

Das Projekt hat sich für beide zum Vollzeitjob entwickelt: Lazaridis und Vogel vertreiben heute nicht nur Bier, sondern betreiben auch eine Kneipe in der Mainzer Altstadt und einen Biergarten am Kurfürstlichen Schloss – und noch in diesem Jahr eröffnen sie eine neue Brauerei in den Räumen des historischen Kupferbergs. Ihr in Bügelflaschen gefülltes Märzen wollten sie in ganz Rhein-Main etablieren, sagen sie.

www.offenbacher-stoff.de

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