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Blick auf das Gothaer Haus.
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Blick auf das Gothaer Haus.

Brutalismus in Offenbach

Offenbacher Betonmonster fürs Wohnzimmer

  • Jonas Nonnenmann
    VonJonas Nonnenmann
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Die Instagram-Blogger Felix Sauer und Tim Seger retten die Ehre der „brutalistischen“ Offenbacher Betonbauten. Bilder von den Gebäuden gibt es jetzt auch fürs eigene Wohnzimmer.

Hau‘ weg den Mist!“ – als das Toys-R-Us- Gebäude in der Berliner Straße vor etwa einem Jahr abgerissen wurde, sprach Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) aus, was wohl viele dachten.

Schandfleck, Bausünde, Betonklotz, Monster – die Mehrheit zollt „brutalistischen“ Gebäuden wie diesem etwa so viel Respekt wie Dieter Bohlen dem 156. Superstar-Kandidaten mit der Piepsstimme.

Die beiden Blogger Felix Sauer und Tim Seger dagegen finden die Gebäude faszinierend. Die beiden betreiben seit einiger Zeit den Instagram-Storyblog Brutalismus Offenbach („Lecker Stahlbeton“). Seger, Film- und Fotostudent an der Hochschule für Gestaltung, macht die Bilder. Sauer, der Stadtgeografie an der Goethe-Uni in Frankfurt studiert, ordnet die Gebäude in den geschichtlichen Kontext ein. Seit kurzem verkaufen die beiden auch Brutalismus-Poster in der Buchhandlung am Markt, Größe A1, zehn Euro das Stück. Es gibt drei Motive – das Toys-R-Us-Gebäude, das Gothaer Haus in der Berliner Straße und das Treppenhaus des Offenbacher Rathauses. Der Baustoff der Gebäude: vor allem Beton. Das Mittel der Wahl in der Nachkriegszeit und darüber hinaus. Billig, schnell und vielseitig einsetzbar.

„Man kann verrückte Formen damit machen“, sagt Sauer. Am meisten aber fasziniere ihn die Funktionalität der Gebäude. Schulen, Bürgerhäuser, Kitas –die Gebäude hätten fast immer eine gesellschaftliche Aufgabe. Und hinter der Fassade des rauen Betons haben die Gebäude innen oft etwas leichtes, schwebendes, findet er. Das Innere des Offenbacher Rathauses zum Beispiel, das inzwischen denkmalgeschützt ist. Die vielen Eingänge, das Verschachtelte, das viele Glas. Die damals neue Architektur sei auch als Bruch mit der Naziarchitektur zu verstehen. Sauer erzählt von den Fotosessions in dem leergeräumten, teils von Pflanzen zugewucherten Toys-R-Us-Gebäude. „Das war wie ein riesiges, verlassenes Ufo mitten in der Stadt. Die Natur hat es sich zurückgeholt“, sagt er. „Als das Gebäude gebaut wurde, gab es dieses Glücksversprechen, dass alles besser werden sollte. Das ist jetzt wieder so“, sagt Sauer. Bilder von dem Gebäude kann man sich jetzt immerhin noch ins Wohnzimmer hängen. Wobei Sauer und Seger mit dieser Wohnzimmer-Tauglichkeit irgendwie hadern. „Wir wollten keine perfekt ausgeleuchtete Architekturpornografie“, sagt Sauer. Es sei ihm schon klar, dass die Gebäude im Alltag nicht dieselbe Ästhetik hätten wie auf den Bildern. Andererseits wollten sie zeigen, „dass es da nicht nur Zerfall zu sehen gibt“.

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