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Die Felder am Rande Waldhofs sollen einem neuen Quartier weichen – einem mit viel Grün.

Anwohner auf den Barrikaden

Wütende Bürger protestieren gegen Baugebiet in Offenbach

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Beim Infoabend zum neuen Quartier „Waldhof-West“ herrscht extrem schlechte Stimmung. Einbringen können sich Anwohner nur noch für kurze Zeit. „Ein Armutszeugnis“, finden sie.

Es ist eine idyllische Szenerie, die man inmitten der Felder und Gehölze zwischen dem Offenbacher Stadtteil Bieber und dem Quartier Waldhof dieser Tage abends vorfindet: Kinder angeln mit Fangnetzen Mirabellen von den Bäumen, deren Blätter im Wind rascheln. Wenige Hundert Meter weiter, im Gemeindehaus Waldhof, ist es am Donnerstagabend so gar nicht idyllisch. Dutzende, teils wütende Menschen sitzen und stehen gedrängt in einem Raum, in den das Stadtplanungsamt eingeladen hat. Thema: das Neubaugebiet Waldhof-West.

Die stark wachsende Stadt Offenbach plant zwischen Bieber und Waldhof, zwischen Seligenstädter Straße und B448, den großen städtebaulichen Wurf. 600 Wohneinheiten sollen entstehen. Das Besondere: Das Baugebiet soll um schützenswerte Biotope – etwa um alte Eichen – herum geplant werden: Wie genau, soll ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb klären, der nächste Woche startet.

Dem Ideenreichtum seien „keine Grenzen gesetzt“, sagt Planungsamtsleiter Simon Valerius: Von Insellösungen, die kleinen Gehöften gleichen, bis zu einer dichteren Bebauung, die große Freiflächen lässt, sei alles denkbar. Man wolle auch möglichst wenig Autoverkehr in dem Gebiet, das in Laufweite zweier S-Bahn-Stationen liegt. Das weitläufige Areal westlich der Würzburger Straße soll gar nicht bebaut und teils renaturiert werden.

Anwohner geht von „Klagewelle“ aus

Klar ist: Wenn viel Grün erhalten bleiben soll, kann man sich bei den zehn Hektar tatsächlich bebaubarer Fläche nicht auf Einfamilien- und Reihenhäuser beschränken. Doch genau das ruft in der Nachbarschaft, wo solche Häuser stehen, Ängste und Protest hervor. Viele der Anwesenden äußerten ihre Sorge, dass man geballt Sozialwohnungen plane, so wie in Teilen Waldhofs. „Wir müssen aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“, mahnt Wolfgang Reuter vom Arbeitskreis Waldhof. Ein Problem sieht der Ex-OB und langjährige Stadtteilaktivist darin, dass die Stadt auf 600 Wohneinheiten beharre – zumal einst weniger Wohnungen im Gespräch gewesen seien. Anwohner Norbert Strobel bezeichnet den Abend deshalb als „Alibi-Veranstaltung“. Er gehe davon aus, dass es eine „Klagewelle“ geben werde. Auch glaube er nicht, dass die umliegenden Schulen – in Waldhof-West ist nur eine Kita geplant – die vielen neuen Kinder aufnehmen können.

Kritik übt Strobel auch am Zeitplan: Es bleiben nur wenige Tage, um Anregungen an die Stadt zu schicken – dann beginnt der Wettbewerb, der im Herbst entschieden werden soll. Als „kleines Armutszeugnis“ bezeichnet das Anwohner Stefan Janat. Marion Rüber-Steins vom Stadtplanungsamt begründet das straffe Tempo damit, dass der Wettbewerb über das Landesprogramm „Nachhaltiges Wohnumfeld“ mit 100 000 Euro gefördert werde und bis November abgerechnet sein müsse.

Beispiele, wo mit einer ähnlichen Bebauungsdichte mit meist rund vier Stockwerken grüne und durchmischte Viertel am Entstehen sind, interessierten am Infoabend nur wenige. In Waldhof-West sollen je zu rund einem Drittel geförderte Mietwohnungen, Wohnungen für den freien Markt sowie für gemeinschaftliche Wohnformen gebaut werden.

Eigene Anregungen und Wünschezum Baugebiet – etwa, welche Gehölze erhalten bleiben sollen – können bis Sonntagabend an stadtplanung-baumanagement@offenbach.de gemailt werden.

Ein nächstes Treffenzum Thema findet am 17. September statt. Der Arbeitskreis Waldhof lädt zur Diskussion mit Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Details folgen. 

Fabian Scheuermann

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