+
Günstige Wohnungen in Offenbach werden immer seltener.

Wohnen in Offenbach

Offenbach: Die Verlierer des Wohnungsmarkts

  • schließen

In Offenbach müssen immer mehr Menschen in Notunterkünften unterkommen. Die Linke kritisiert das und fordert die Stadt auf, weitere Maßnahmen einzuleiten.

Über 500 Personen sind derzeit in Offenbacher Notunterkünften untergebracht, damit sie nicht auf der Straße leben müssen. Das sind oft Menschen, die aus Notlagen heraus ihr Dach über dem Kopf verlieren – oder solche, die auf dem überhitzen Mietmarkt keine Bleibe mehr finden oder sich ihre bisherige nicht mehr leisten konnten. Immer mehr Menschen müssen diese Nothilfe in Anspruch nehmen: Waren 2010 im Schnitt noch 222 Personen pro Tag in Offenbacher Notunterkünften untergebracht, waren es 2017 schon 485 Personen – und ein Jahr später 537, Anfang Juli 2019 dann 564 .

Dieser extreme Anstieg sei „erschreckend und beschämend“, schreiben die Landtagsabgeordnete Saadet Sönmez und die Offenbacher Stadtverordnete Marion Guth (beide Linke) in einer Erklärung. Wer sich die steigenden Mieten in der Stadt nicht mehr leisten könne, werde in die Wohnungslosigkeit gedrängt. Die beiden Politikerinnen führen aus, dass die Unterbringung in Notunterkünften eine „große Belastung“ sei: „Die Bewohner der Unterkünfte leben in der Regel in Mehrbettzimmern. In den beengten Räumen gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten und keine Privatsphäre. Kinder haben oft keinen Platz, um etwa Hausaufgaben in Ruhe zu erledigen.“

Schwieriges Terrain Trotz der Bemühungendes Jobcenters, Mieter beim Ausgleich von Miet-rückständen zu unterstützen, gab es im letzten Jahr in Offenbach 199 Zwangsräumungen – 2017 waren es 176, in den Vorjahren teils deutlich mehr.

Bedürftigenfällt es immer schwerer, in Offenbach eine Wohnung zu finden. Das Jobcenter bezahlt einem Dreipersonenhaushalt beispielsweise maximal eine Kaltmiete von 757,22 Euro. fab

Die Notunterbringung wird in Offenbach im Auftrag des kommunalen Jobcenters Main-Arbeit von der „Zentralen Vermittlung von Unterkünften des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe“ (ZVU) organisiert. Dazu kommt es, wenn eine Übernahme von Mietrückständen durch das Jobcenter nicht möglich war. Die von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen sind je zur Hälfte in einfachen Hotels sowie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Kosten dafür lagen im letzten Jahr bei rund 3,2 Millionen Euro. Da die in 2017 neu geschaffenen Kapazitäten in Gemeinschaftsunterkünften (60 neue Plätze) den wachsenden Bedarf nicht decken können, sollen bis Ende des Jahres 90 Plätze in zwei weiteren Unterkünften hinzukommen.

„Das Problem ist seit Jahren bekannt, die Kommunalpolitik tut aber zu wenig, um Abhilfe zu schaffen“, kritisieren Sönmez und Guth. Sie fordern den Bau von mehr geförderten Wohnungen sowie die Vergabe von Baugrundstücken an Genossenschaften oder alternative Wohnprojekte ohne hohe Renditeerwartungen.

Im geplanten Neubaugebiet Waldhof-West sollen erstmals seit langer Zeit in Offenbach tatsächlich auch solche Wohnprojekte zum Zuge kommen. Und das Sozialdezernat verweist auf eine ganze Palette an Maßnahmen: Zum Beispiel biete die Main-Arbeit bei drohender Wohnungslosigkeit Darlehen an, etwa um Mietrückstände zu begleichen und den Verlust der Wohnung zu verhindern – 2018 konnten so 212 Mietverhältnisse erhalten werden. Außerdem versuche ein dreiköpfiges Team der Caritas-Tochter Carijob im Auftrag des Jobcenters vor allem die in Hotels notuntergebrachten Familien bei der Wohnungssuche zu unterstützen. 2018 konnten so 78 Personen Wohnungen vermittelt werden. Das sind allerdings deutlich weniger als in den Vorjahren. Dies sei „vornehmlich auf den Konkurrenzkampf um günstige Wohnungen zurückzuführen, der im Jahr 2018 stärker geworden ist“, heißt es dazu im Jahresbericht der Main-Arbeit. Die Vermittlungsprozesse seien „zeitintensiver“ geworden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare